20. Juni 2019

Eröffnung des Kirchentags

Fenster zum Himmel, Tor zur Welt

Trotz Unwetterwarnung machten 130.000 Menschen die Dortmunder Innenstadt zum Auftakt des Kirchentages zur Partyzone. Nach den Eröffnungsgottesdiensten nutzten sie den "Abend der Begegnung" zum Trinken und Essen, für Mitmachaktionen und Gespräche an den zahlreichen Ständen der Großveranstaltung. Besonders beliebt waren die blauen Cocktails der Diakonie RWL.

Am Ostentor steht alles still. Statt Autoschlangen bewegt sich am Mittwochabend eine lange Reihe grüner Luftballons auf die große Kreuzung östlich der Innenstadt zu, getragen von jugendlichen Helfern des evangelischen Kirchentags. In der Mitte, wo eine große runde Bühne aufgebaut ist, treffen sich die Luftballons und bilden ein Kreuz.

"Für gewöhnlich musst du hier sehen, wie du rüber kommst, und höllisch aufpassen, dass du nicht unter die Räder gerätst", sagte die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Annette Kurschus, in ihrer Predigt im Eröffnungsgottesdienst vor rund 25.000 Besuchern. "Und wir? Feiern Gottesdienst, mittendrin, hören Worte, Klänge, Stille statt Motorenlärm, singen und beten."

Gruppenfoto

Eröffnung des Kirchentages mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Kirchentagspräsident Hans Leyendecker, NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und dem Dortmunder Oberbürgermeister Ullrich Sierau (v.r.) (Foto: DEKT)

Die Welt zum Besseren verändern

Als "Fenster zum Himmel" und "Tor zur Welt" hatte Kirchentagspräsident Hans Leyendecker die evangelische Großveranstaltung bereits bei der Eröffnungspressekonferenz bezeichnet. Ein Glaubensfest, aber auch eine politische Veranstaltung solle der Kirchentag sein, betonte der Journalist. Ganz in diesem Sinne ermutigte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Kirchentagsbesucher in seiner Eröffnungsrede am Mittwochabend zu mehr Engagement für eine bessere Welt.

"Wir wollen die Welt nicht nur beschreiben und beklagen, sondern zum Besseren verändern", sagte Steinmeier. Die Zukunft sei angesichts der drängenden Probleme ungeduldig. "Daher lasst sie uns anpacken: für ein friedliches Zusammenleben in der Gesellschaft, für Verständigung zwischen den Völkern und Religionen, für Klima und Umwelt."

Mit Blick auf das Kirchentagsmotto "Was für ein Vertrauen" erklärte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, dass durch Auswüchse eines Kasinokapitalismus und "Fake News" Vertrauen der Gesellschaft verloren gegangen sei. Wenn keiner mehr vertraue, ziehe sich jeder in seine eigene Filterblase zurück. "Ich erhoffe mir von diesem evangelischen Kirchentag, dass Vertrauen wachsen kann", so Laschet. Bei keiner Veranstaltung sei der Austausch so möglich wie auf diesem Kirchentag.

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Prost auf den Kirchentag! Die Diakonie RWL-Mitarbeiterinnen haben viele Cocktails gemixt.

"Gibt’s hier die leckeren Cocktails?"

Rund 130.000 Besucher nutzten bereits den Auftakt des Kirchentages, den "Abend der Begegnung", um nach der offiziellen Eröffnung des Kirchentags durch die Dortmunder Innenstadt zu bummeln, an den zahlreichen Ständen zu trinken, zu essen und ins Gespräch zu kommen. Schnell sprach sich dabei herum, dass die Diakonie RWL bei den hochsommerlichen Temperaturen einen kühlen alkoholfreien Cocktail anzubieten hatte. "Gibt’s hier die leckeren Cocktails?" fragte auch Diakonie RWL-Vorstand Christian Heine-Göttelmann verschmitzt, als er nach dem Eröffnungsgottesdienst vorbeischaute.

Vor allem jugendliche Besucher machten sich einen Spaß daraus, nach dem Schlürfen des tiefblauen "Dia Blue" hinter die Stellwand "Soziale Berufe" zu treten und der Pflegerin, Erzieherin oder dem Arzt ein Gesicht zu geben. Die Diakonie RWL-Mitarbeiterinnen Sabine Portmann und Simone Patrin machten mit einer grünen Polaroid-Kamera Erinnerungsfotos. "Das ist für die Jugendlichen total retro und kommt super an", freuten sie sich.

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Jürgen Dittrich, Vorstand der Stiftung Volmarstein, mit den beiden Mitarbeiterinnen Sabine Riddermann und Silke Barszynski (v.l.)

Mit 10.000 „Volmarsteinchen“ ins Gespräch

Am Stand nebenan machte die Evangelische Stiftung Volmarstein Werbung für ihre "Volmarsteinchen". Die Auszubildenden der Hauswirtschaft des Berufsbildungswerks der Stiftung hatten rund 10.000 kleine, herzhafte Plätzchen gebacken und mit dem diakonischen Kronenkreuz verziert. "Beim Plätzchenessen möchten wir mit den Besuchern ins Gespräch kommen", sagte Vorstand Jürgen Dittrich. "Der Kirchentag ist für uns eine tolle Gelegenheit, unsere Arbeit und vielfältigen Angebote über die Region hinaus bekannter zu machen und vorzustellen."

Die Stiftung gehört zu den größten diakonischen Trägern in Westfalen. Sie hat den Angaben zufolge rund 3.500 Mitarbeitende und etwa ebenso viele Betten und Plätze in ihren Kliniken, Pflege- und Behinderteneinrichtungen. Über 50 Mitarbeitende präsentieren die Arbeit auf dem Kirchentag. Zum ersten Mal sei die Stiftung auf einem evangelischen Glaubensfest so aktiv, erklärte Öffentlichkeitsarbeiterin Astrid Nonn.

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Elke Ipp und Ghazal Schneider (v.l.) zeigten an ihrem Stand, was die Beschäftigungsgesellschaft der Stiftung Hephata aus alten Kleidungsstücken fertigen kann.

Wege aus der Wegwerfgesellschaft

Modedesignerin Ghazal Schneider und Sozialarbeiterin Elke Ipp sind auf dem Kirchentag mit einem sehr konkreten Anliegen unterwegs. Sie wollen Wege aus der Wegwerfgesellschaft zeigen. Am "Abend der Begegnung" präsentierten die beiden Mitarbeiterinnen der Beschäftigungsgesellschaft der Evangelischen Stiftung Hephata in Mönchengladbach Stofftiere, Bälle, Taschen und Schürzen aus alten Kleidern, die normalerweise im Müll gelandet wären.

"Wir verkaufen schon seit über dreißig Jahren erfolgreich gebrauchte Ware in Second-Hand-Shops", erklärte Elke Ipp. "Doch nicht alles lässt sich wiederverwerten – es sei denn, man ist kreativ und macht schöne Upcyclingprodukte daraus." Die Beschäftigungsgesellschaft fertigt auch aus alten Werbebannern von Firmen Werbegeschenke. Ghazal Schneider hat eine gute Idee für den Kirchentag: "Aus den vielen Stoffbannern, die hier überall aufgestellt sind, könnten wir tolle Erinnerungsstücke für die Kirchentagsbesucher herstellen."

Text und Fotos: Sabine Damaschke (mit epd)

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Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

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Diakonie auf dem Kirchentag

Unter dem Motto "Was für ein Vertrauen" präsentiert die Diakonie auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dortmund vom 19. bis 23. Juni ihre vielfältige soziale Arbeit. Unter Federführung der Diakonie RWL bringen über 30 Aussteller - Träger, Einrichtungen, Initiativen und Projekte – und rund 360 Mitwirkende zahlreiche diakonische Impulse und Initiativen ein. Berichte, Fotos und Videos dazu gibt es auf unserer Kirchentagsseite.