17. Juni 2019

Deutscher Evangelischer Kirchentag

Für die Diakonie im Endspurt

Helferschulungen, Bühnenaufbau und "Anhockern" – Der Evangelische Kirchentag in Dortmund steckt in den letzten Vorbereitungen. Tausende Papphocker sind gefaltet, Helfershirts gedruckt und Einsatzlisten geschrieben. Mit fast 2.400 Veranstaltungen vom 19. bis 23. Juni ist das evangelische Glaubensfest eine echte Herausforderung für alle Helferinnen und Helfer. Und die beginnt schon am Bahnhof.

Gruppenfoto Bahnhofsmission

Das Team der Bahnhofsmission Dortmund wird von 8 bis 24 Uhr für die Besucher des Kirchentags da sein. (Foto: Bahnhofsmission Dortmund)

In zwei Tagen werden rund 200.000 Menschen nach Dortmund strömen, um gemeinsam Gottesdienst zu feiern und am "Abend der Begegnung" durch die Stadt zu bummeln. Dass der 37. Deutsche Evangelische Kirchentag am Mittwoch startet, wird sich wohl zuerst am Dortmunder Hauptbahnhof zeigen. "Der riesige Besucheransturm ist eine große Herausforderung für uns, aber wir haben Vertrauen, dass alles gut gehen wird", sagt Swetlana Berg.

Die Leiterin der Dortmunder Bahnhofsmission spielt damit augenzwinkernd auf das Motto des Kirchentags "Was für ein Vertrauen" an. Über 50 Ehrenamtliche werden in den fünf Tagen von jeweils 8 bis 24 Uhr am Bahnhof unterwegs sein, um Besuchern Tipps zu geben, wie sie vom Bahnhof in die Stadt oder wieder zurück zu ihrem Quartier kommen.

"Was für ein Vertrauen" auf dem Dortmunder U - Animation

Unterstützung auch im Krisenfall

Die Ehrenamtlichen werden älteren oder behinderten Menschen beim Ein- und Aussteigen sowie bei der Benutzung der Aufzüge assistieren. Und sie werden all jene unterstützen, die dort ohne Geld und Ticket stranden, weil sie ihre Gruppe verloren haben oder bestohlen worden sind. "Wir sind geübt darin, Reisenden dabei zu helfen, Ruhe zu bewahren und eine Lösung zu finden", erzählt Swetlana Berg.

Längst hat sie die Einsatzpläne ihrer Ehrenamtlichen fertig. 13 freiwillige Helfer von anderen Bahnhofsmissionen unterstützen ihr Team. "Alle freuen sich auf den Kirchentag“, betont sie. "Er bringt nicht nur viele Besucher, sondern auch eine ganz besondere Atmosphäre in die Stadt und an den Bahnhof." Natürlich dürfen da Kaffee und Waffeln der Bahnhofsmission nicht fehlen.

Letzte Proben für den großen Auftritt: Die inklusive Band "Dance In - Dance Out" der Diakonie Dortmund (Foto: Diakonie Dortmund)

Der Kirchentag als Heimspiel

Auch bei den Mitarbeitenden der Diakonie Dortmund steigt die Spannung kurz vor dem Kirchentag. Ein Team von 80 Mitarbeitenden hat seit Oktober verschiedene Aktionen, Musik und Stadtführungen vorbereitet. Viele öffnen ihre Häuser und Wohnungen für die Besucher und bieten ihnen ein Quartier an. "Für uns ist der Kirchentag ein Heimspiel", betont Öffentlichkeitsarbeiter Tim Cocu. "Wir geben den Besuchern einen Einblick in unsere tägliche soziale Arbeit in einer bunten und vielfältigen Stadt."

Am "Abend der Begegnung" präsentiert sich die Diakonie Dortmund selbstbewusst mit einem 20 Meter langen Stand an der Nordseite der Reinoldikirche. Auf der Bühne des Forums Diakonie in Messehalle 6 treten inklusive Tanz- und Rockbands auf.

Romafrauen in einem Park

In der Dortmunder Nordstadt leben Menschen aus 130 Nationen, unter ihnen viele Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien.

Stadtspaziergang durch die Nordstadt

Migration ist ein Schwerpunkt dieses Kirchentages und ein Arbeitsfeld, in dem die Diakonie Dortmund sehr engagiert ist. Das will sie unter anderem mit einer Führung durch die Dortmunder Nordstadt am Samstag deutlich machen.

Sie beginnt am 22. Juni um 15 Uhr an der Dortmunder Bahnhofsmission am Hauptbahnhof und führt an diakonischen Hilfsangeboten wie dem Kinderhaus "Casa Copiilor" vorbei, das sich um arme Familien aus Bulgarien und Rumänien kümmert. Der Streifzug endet an der Ökumenischen Anlaufstelle "Willkommen Europa", einem besonderen Projekt für EU-Zuwanderer.

"In der Nordstadt leben über 130 Nationen zusammen", erklärt Tim Cocu. "Es ist ein buntes Viertel mit vielen Problemen, aber es gibt dafür auch gute Lösungen. Das wollen wir zeigen."

Blick ins Puppenhaus

Mit viel Liebe zum Detail hat Grafikern Beate Sonneborn das Thema "Wohnen" für den Stand der Diakonie RWL gestaltet.

Ein Puppenhaus, das nachdenklich macht

Die Diakonie RWL bietet den Besuchern des Kirchentags einen Blick hinter die Häuserfassade. An ihrem Stand in Messehalle 6 will sie mit ihnen über die neue soziale Frage des Wohnens ins Gespräch kommen. Dafür hat sie die Wuppertaler Grafikerin mit der Gestaltung eines Puppenhauses beauftragt.

Dort leben auf vier Etagen in sieben Wohnungen ganz unterschiedliche Typen – vom reichen Single über die alleinerziehende Mutter bis zum Rollstuhlfahrer und der Flüchtlingsfamilie. "Wir wollen Geschichten erzählen, die ins Herz gehen und nachdenklich machen", sagt Beate Sonneborn. Mit viel Liebe zum Detail hat sie in den Wohnzimmern Situationen nachgestellt, die Vereinsamung, finanzielle Probleme und Sehnsüchte thematisieren. An die Figuren, Bilder und Möbel legt sie gerade noch letzte Hand an. Schließlich soll alles so echt wie möglich wirken.

Gruppenfoto

Ein Hoch auf den Kirchentag - Reinhard van Spankeren und Sabine Portmann koordinieren das Angebot der Diakonie auf dem Kirchentag. (Foto: Sabine Damaschke)

Diakonie mittendrin

Insgesamt präsentiert sich die Diakonie auf dem Kirchentag mit über 30 Ausstellern - Trägern, Einrichtungen, Initiativen und Projekten. Im Diakonieforum in Halle 6 gibt es neben zahlreichen Ständen diakonischer Einrichtungen ein vielfältiges Bühnenprogramm. Auch abseits des Trubels im Forum Diakonie finden viele Veranstaltungen statt, an denen Diakonie RWL-Mitarbeitende mitwirken und besondere soziale Themen einbringen.

So lädt Sabine Bruns, Referentin für Straffälligenhilfe, am Samstag, 22. Juni, von 21 bis 22.30 Uhr zum Politischen Nachtgebet der Gefängnisseelsorge in die Dortmunder Martinikirche ein. "Wir wollen deutlich machen, dass Resozialisierung ein gesamtgesellschaftliches Thema ist", erklärt sie. "In Deutschland sitzen über 64.000 Menschen in über 180 Gefängnissen, die irgendwann wieder entlassen werden. Sie haben mit vielen Vorurteilen und Hürden zu kämpfen." Auf dem Kirchentag wollen die Gefängnisseelsorger eine Postkartenaktion starten, die sich für verbesserte Haftbedingungen und Resozialisierung stark macht.

Text und Fotos: Sabine Damaschke, Teaserfoto: DEKT

Ihr/e Ansprechpartner/in
Reinhard van Spankeren

Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

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Diakonie-Programm auf dem Kirchentag

Unter dem Motto "Was für ein Vertrauen" präsentiert die Diakonie auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dortmund vom 19. bis 23. Juni ihre vielfältige soziale Arbeit. Unter Federführung der Diakonie RWL bringen über 30 Aussteller - Träger, Einrichtungen, Initiativen und Projekte – und rund 360 Mitwirkende zahlreiche diakonische Impulse und Initiativen ein. Eine Bildergalerie dazu gibt es auf unserer Kirchentagsseite.