24. Juni 2019

Bilanz des Kirchentags

Politisch, demokratisch und offen

121.000 Teilnehmer, 200 Orte und 2.400 Veranstaltungen: In Dortmund ist am Sonntag der evangelische Kirchentag zu Ende gegangen. Fünf Tage wurde bei dem Protestantentreffen gefeiert, gebetet und diskutiert. Als Diakonie RWL waren wir mittendrin mit einem eigenen Stand und Bühnenprogramm. Viele Mitarbeitende haben sich aber nicht nur dort engagiert. Wir haben einige gefragt, wie sie den Kirchentag erlebt haben und was sie von ihm mitnehmen.

Christian Heine-Göttelmann, Vorstand der Diakonie RWL, auf dem "Abend der Begegnung" mit einem blauen Cocktail der Diakonie.

Christian Heine-Göttelmann: Für Menschen, die etwas bewegen wollen

Die Diakonie hat sich auf diesem Kirchentag als selbstverständlicher Teil von Kirche präsentiert. Ich habe den Eindruck, dass diese starke Verbundenheit auch nach außen wahrgenommen wurde. Der Kirchentag ist ein hervorragender Ort, um gemeinsam politische Diskurse zu führen.

Hier geht es nicht nur darum, dass Politiker und bekannte Personen des öffentlichen Lebens auf Podien ihre Meinung zu aktuellen Themen wie Migrationspolitik, Klimawandel, Inklusion oder Rechtspopulismus sagen. Es gab auch einen intensiven Austausch zwischen den Kirchentagsbesuchern, denn hier kommen Menschen zusammen, die etwas bewegen wollen. Das war in den vielen gut besuchten Workshops spürbar. Hier wurde erfahrbar, was viele in ihrem Alltag vermissen: Teilhabe, Demokratie, Gemeinschaft. Ich hoffe, dass der Kirchentag damit ein Zeichen gesetzt hat, das auch in unsere Gesellschaft hineinwirkt.

Gelungene Fotoaktion: Sabine Portmann, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, mit Simone Patrin vom Zentrum Recht vor der Kopflochwand zum Thema"soziale Berufe"

Sabine Portmann: Gelungenes Willkommensfest

Seit über einem Jahr habe ich mich im Vorbereitungskreis der Diakonie für diesen Kirchentag engagiert. Ich war beeindruckt und auch erleichtert, wie gut der Auftakt der protestantischen Großveranstaltung mit drei Gottesdiensten, fast 300 Ständen und elf Bühnen gelungen ist. Bei schwül-warmen Temperaturen sind 40.000 Menschen zu den Eröffnungsgottesdiensten und rund 130.000 Besucher zum "Abend der Begegnung" gekommen. Das war eine logistische und organisatorische Herausforderung, die ohne größere Pannen stattfand.

Die Kirchentagsbesucher hatten richtig gute Laune. Es hat Spaß gemacht, ihnen unsere kühlen, blauen und alkoholfreien Cocktails anzubieten. An unserem Stand gab es aber noch eine andere Attraktion: die Kopflochwand zum Thema soziale Berufe. Besonders beliebt war sie bei Jugendlichen und jungen Familien, die sich vor allem als Arzt und Erzieherin präsentieren wollten. Ich habe alle gemeinsam mit meiner Kollegin Simone Patrin mit einer Polaroid-Kamera fotografiert. Das kam richtig gut an, weil es so "retro" war.

Heike Moerland, Leiterin des Geschäftsfeldes Berufliche und soziale Integration, hat eine Resolution für bezahlbaren Wohnraum auf den Kirchentag eingebracht.

Heike Moerland: Das Thema Wohnen vorangebracht

In den großen Foren hat das Thema Wohnen auf diesem Kirchentag leider nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Umso wichtiger fand ich es, dass wir es als Diakonie RWL eingebracht haben. In der Veranstaltung "Eigentum verpflichtet" konnten wir unsere Resolution verabschieden, in der wir die Bundesregierung auffordern, mehr für bezahlbaren Wohnraum zu tun.

Die Vertretung wohnungsloser Menschen, die mit uns gemeinsam an unserem Stand vertreten waren, hat uns den Auftrag mitgegeben, das Thema weiter voranzutreiben und auch auf dem nächsten Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt aufzugreifen. Die Mitglieder der Selbstvertretung, von denen viele wohnungslos waren oder sind, haben ihre persönlichen Geschichten erzählt. Das fand ich beeindruckend. Darüber, aber auch über das Puppenhaus an unserem Stand sind wir mit vielen Besucherinnen und Besuchern ins Gespräch gekommen. Es hat mir noch mal gezeigt, dass wir als Diakonie einen Auftrag haben, die Wohnungsnot in Deutschland ernst zu nehmen und an Lösungen mitzuarbeiten.

Ioanna Zacharaki, Referentin für Migration und Flucht (Mitte), mit Helga Siemens-Weibring und Elke Grothe-Kühn (v.l.) am Stand der Diakonie RWL

Ioanna Zacharaki: Signal für eine menschenwürdige Flüchtlingspolitik

Mich haben die Worte von Kirchentagspräsident Hans Leyendecker beim Abschlussgottesdienst zur stark eingeschränkten Seenotrettung der Europäischen Union sehr berührt. "Pilatus wusch sich die Hände in Unschuld. Europäische Politikerinnen und Politiker waschen sie in dem Wasser, in dem Flüchtlinge ertrinken", kritisierte Leyendecker. Es ist gut, dass vom Kirchentag ein so starkes Signal für eine menschenwürdige europäische Flüchtlingspolitik ausgegangen ist.

Als gebürtige Griechin engagiere ich mich ehrenamtlich in Hilfsprojekten auf Lesbos und habe dort hautnah die Verzweiflung der vielen Bootsflüchtlinge erlebt. Die Menschen dort sagen mir immer wieder: "Europa hat uns vergessen". Der Kirchentag hat die deutsche Politik und Gesellschaft aufgefordert zu handeln, Mut zu zeigen. Ich hoffe sehr, dass dieser Appell angekommen ist. Auf dem Kirchentag habe ich in den Foren und persönlichen Gesprächen viel Offenheit und Engagement für eine andere Flüchtlingspolitik erlebt.

Elke Grothe-Kühn, Leiterin des Geschäftsfeldes Krankenhaus und Gesundheit, war nicht nur am Stand der Diakonie RWL präsent. Sie hat auch andere diakonische Vertreter besucht, etwa die Deutsche Evangelische Krankenhausgesellschaft.

Elke Grothe-Kühn: Beeindruckende Offenheit und viele Wünsche

Ich habe diesen Kirchentag als sehr politisch wahrgenommen. Den Appell für ein offenes Europa, eine gemeinsame Flüchtlings-und Migrationspolitik sowie einen besseren Klima- und Umweltschutz kann ich nur unterstützen. Ich war beeindruckt von der Offenheit und der guten Stimmung auf diesem Kirchentag, den auch viele junge Menschen besucht haben.

An unserem Stand habe ich viele interessante Gespräche zum Thema Wohnen geführt. Ich bin aber auch unterwegs gewesen, um Mitglieder aus unserem Bereich Krankenhäuser zu besuchen. So war ich beim Deutschen Evangelischen Krankenhausverband, bei unseren Grünen Damen und auch bei der Evangelischen Stiftung Volmarstein, die Träger von drei evangelischen Kliniken ist. Es war beeindruckend, wie engagiert sich alle auf diesem Kirchentag eingebracht haben.

Jürgen Thor, Leiter der Freiwilligendienste bei der Diakonie RWL, im Gespräch mit SPD-Politiker Lars Castelucci (r.)

Jürgen Thor: 65 gute Gründe für den Freiwilligendienst

Ich finde es richtig klasse, dass wir auf dem Kirchentag die Chance hatten, mit Freiwilligen ins Gespräch zu kommen, die ganz engagiert dabei sind. Es macht Spaß, in so einem Zusammenhang die Werbetrommel für unsere Freiwilligendienste zu rühren. Schließlich sind wir in Nordrhein-Westfalen mit rund 2.000 Freiwilligen der größte Anbieter für ein FSJ und einen Bundesfreiwilligendienst, den bei uns auch Menschen über 27 Jahre und Rentner machen können.

Auf dem Kirchentag haben wir ein kleines Glücksrad mit 65 guten Gründen für den Freiwilligendienst aufgestellt, das viele Besucherinnen und Besucher kräftig gedreht haben. Ich bin mit vielen jungen Leuten, aber auch Politikern ins Gespräch gekommen, zum Beispiel mit Lars Castelucci, dem SPD-Landtagsabgeordneten und stellvertretenden Innenpolitischen Sprecher.

Ulrich T. Christenn, Leiter des Zentrums Drittmittel und Fundraising, hat ehrenamtlich das Presseteam des Kirchentags verstärkt.

Ulrich T. Christenn: Diakonie als Teil der Kirchentagsfamilie

Dortmund hat mir gezeigt, dass die Diakonie Teil der großen Kirchentagsfamilie ist. Das Interesse der Medien richtet sich zwar nicht primär auf die diakonischen Themen, dafür hat die Multimediaredaktion des Kirchentags vielfältig diese Themen aufgegriffen: von der Diskussion um Armut und Reichtum über "Kirchentag Barrierefrei" bis hin zum Podium zur  Schwangerschaftskonfliktberatung.

Besonders gefreut hat  mich, dass sich am Presseteam des Kirchentags, in dem ich ehrenamtlich fünf Tage lang mitgearbeitet habe, auch Jung- Journalisten von "news4U" beteiligt haben. Dieses Projekt, in dem Schülerinnen und Schüler erste Erfahrungen in den  Medien sammeln können, wird  von der Diakonie RWL mitgetragen.

Fotos: Sabine Damaschke/Christoph Bürgener/ Teaserfoto: DEKT

Ihr/e Ansprechpartner/in
Sabine Damaschke

Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

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Diakonie auf dem Kirchentag

Unter dem Motto "Was für ein Vertrauen" hat die Diakonie auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dortmund vom 19. bis 23. Juni ihre vielfältige soziale Arbeit präsentiert. Unter Federführung der Diakonie RWL brachten über 30 Aussteller - Träger, Einrichtungen, Initiativen und Projekte – und rund 360 Mitwirkende zahlreiche diakonische Impulse und Initiativen ein.  Fotos und Texte dazu gibt es auch auf unserer Kirchentagsseite.