18. August 2017

Hilfe für Menschen mit Hirnschäden

Aus dem Koma in ein neues Leben

Ein Unfall, eine Hirnblutung oder ein Schlaganfall – und plötzlich ist im Leben alles anders. Rund 470.000 Menschen in Deutschland müssen das jedes Jahr erleben. Gut 70.000 bleiben dauerhaft auf Hilfe angewiesen. Seit einem Jahr berät die Stiftung Hephata Menschen mit erworbenen Hirnschäden in allen Alltagsfragen. Betroffene aus ganz NRW kommen dafür nach Mönchengladbach. 

Gruppenfoto

Christoph und sein Vater Wilfried Marißen

Eine Nacht veränderte sein Leben. Als Christoph Marißen die Straße an einer Fußgängerampel überquerte, erfasste ihn ein Auto. Dabei verletzte er sich so schwer am Kopf, dass er zwei Wochen auf der Intensiv-Station der Uni-Kliniken in Essen verbringen musste. Danach kam er in ein "normales" Krankenzimmer.

Doch nichts in seinem Leben war mehr "normal". Christoph Maßen war halbseitig gelähmt, erkannte er seine Eltern und Geschwister nicht mehr, sein Sprachzentrum war stark gestört – jedes Wort musste er neu erlernen.

In einer intensiven Reha-Behandlung machte der junge Elektriker viele Fortschritte. Heute kann er wieder laufen und weitgehend wieder sprechen. Doch eine Rückkehr in seinen alten Beruf ist nicht möglich. "In so einer Situation tun sich unendlich viele Fragen auf, auf die kaum jemand eine Antwort kennt", erzählt Christophs Vater Wilfried Marißen, der ihn seit dem Unfall intensiv begleitet. Hilfe erhielten die beiden in einer besonderen Beratungsstelle. Seit einem Jahr bietet die Stiftung Hephata in Mönchengladbach Menschen mit erworbenen Hirnschäden und ihren Angehörigen Unterstützung an. Ihre Bilanz ist durchweg positiv.

Gruppenfoto

Beratung am Kaffeetisch: Brigitte Beutner (r.) im Gespräch mit David Jordan und seiner Mutter

Viele Fragen, komplizierte Antworten

Rund 470.000 Personen in Deutschland erleiden jährlich durch Unfall, Schlaganfall, Hirnblutung, Tumor, Hirnorganische Krankheiten oder Vergiftungen einen Hirnschaden. Gut 70.000 von ihnen bleiben nach der Behandlung dauerhaft auf Assistenz und Unterstützung angewiesen. Spezielle Unterstützungsangebote gibt es nur wenige. Eine davon ist die "Beratungsstelle für Menschen mit erworbenen Hirnschäden" in Mönchengladbach. Sie wird von Ratsuchenden aus ganz Nordrhein-Westfalen aufgesucht.

Schließlich tun sich nach der Rehabilitationsbehandlung viele Fragen auf: Wo kann ich wohnen? Wer assistiert mir im Alltagsleben? Gibt es wieder eine Chance zu arbeiten? Welche Hilfen stehen mir zu? Von welchem Geld kann ich leben? Fragen, die Brigitte Beutner und Christian Houben seit August 2016 tagtäglich beantworten. "Es ist für einzelne Betroffene kaum möglich zu wissen, was die Pflegekasse zahlt, wann die Rentenversicherung zuständig ist, welche Chancen auf einen Job es gibt und wie das betreute Wohnen genutzt werden kann", erklären die Fachleute.

Betreutes Wohnen, ein Job in der Werkstatt

Sie haben Christoph Marißen dabei geholfen, eine eigene Wohnung mit Betreuung zu finden. Dort lebt er seit dem 1. Juli. In den Hephata-Werkstätten hat er einen Arbeitsplatz bekommen, und zwar in der Betriebsstätte für Menschen mit erworbenen Hirnschäden. "Vorher habe ich mir oft die Finger wund telefoniert, die Beratungsstelle in Mönchengladbach hat uns echt weiter geholfen", freut sich Wilfried Marißen. 

Gruppenfoto

Kann wieder lachen: David Jordan mit Brigitte Beutner 

Auch für David Jordan fand Brigitte Beutner eine gute Lösung. Er besucht seit April 2017 den Berufsbildungsbereich der Hephata Werkstätten. Dort will er innerhalb von zwei Jahren herausfinden, welche Arbeiten und Aufgaben für ihn die richtigen sein können. Auch seine Geschichte ist tragisch.

David Jordan hatte mit 14 Jahren eine Hirnblutung durch ein geplatztes Aneurysma. Im Koma liegend bekam er dann auch noch einen Hirninfarkt. Doch David kämpfte sich in Leben zurück. Nach langer Rehabilitation machte er seinen Realschulabschluss, das Abitur und begann in Köln ein Studium der Betriebswirtschaft.

"Normalität" nach dem Schicksalsschlag

Im Oktober 2016 erlitt der Student plötzlich einen Zusammenbruch. Sein Arzt empfahl ihm und seiner Mutter sich an die Beratungsstelle der Stiftung Hephata zu wenden. "Wenn man durch einen Schicksalsschlag aus dem Leben gerissen wird, will man wieder normal sein", erläutert David und ergänzt: "Ich merke, dass es mir gut tut, diese Bildungsmaßnahme in der Werkstätten zu machen. Hier habe ich Leute getroffen, die mich verstehen."

Davids Mutter Brigitte Jordan bestätigt: "Seit David in der Maßnahme ist, erlebe ich ihn ganz anders. Vor allen Dingen sehe ich ihn wieder häufiger lachen." Sie habe Angst und Sorge gehabt, sich nach Davids Zusammenbruch wieder neuen Experten anzuvertrauen, gibt sie zu. "Aber Frau Beutner hat sich nicht nur um meinen Sohn gekümmert, sondern hatte auch Verständnis für mich und hat mir intensiv zugehört", sagt sie.

Text und Fotos: Dieter Kalesse            

Ihr/e Ansprechpartner/in
Sabine Damaschke
Presse- und Medienarbeit
Weitere Informationen
Bewerten Sie diesen Artikel
Durchschnittliche Bewertung: 5 (6 Stimmen)