Donnerstag, 26. November 2020

Die vergessene Risikogruppe

Diakonie RWL fordert Schnelltests für alle Angebote der Behindertenhilfe

Düsseldorf, 26. November 2020. In Nordrhein-Westfalen beziehen etwa 176.000 Menschen mit Behinderung Leistungen aus der Eingliederungshilfe. Viele von ihnen leben in Wohngruppen und besonderen Wohnformen und haben ein erhöhtes Risiko, schwer am Covid 19-Virus zu erkranken. Doch für die Meisten gibt es keine verbindlichen Regelungen, mit Corona-Schnelltests geschützt zu werden. "In der Corona-Teststrategie spielen Menschen mit Behinderung kaum eine Rolle", kritisiert Christian Heine-Göttelmann, Vorstand des Diakonischen Werkes Rheinland-Westfalen-Lippe (Diakonie RWL). "Das muss sich dringend ändern."

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Andreas Zeeh
Zentrum Teilhabe, Inklusion und Pflege

Während für Einrichtungen der Altenpflege Testungen in NRW verpflichtend sind und finanziert werden, fehlt ein einheitlich geregeltes Verfahren für den Einsatz von Corona-Schnelltests in der Eingliederungshilfe. "Unsere Einrichtungen müssen für die freiwilligen Testungen erst Anträge bei den örtlichen Gesundheitsämtern und Landschaftsverbänden stellen und wissen nicht, ob sie die Kosten erstattet bekommen", berichtet Heine-Göttelmann. "Alle gehen in Vorkasse und haben einen hohen bürokratischen Aufwand, den sich in Zeiten der Pandemie niemand leisten kann – mit dem Ergebnis, dass die dringend notwendigen Testungen oft nicht stattfinden können."

Finanzierung sicherstellen

Die Diakonie RWL fordert die Landesregierung auf, die Finanzierung der Corona-Schnelltests grundsätzlich für alle in der Eingliederungshilfe sicherzustellen und schnell für eine verbindliche und unbürokratische Regelung der Testungen zu sorgen. "Wir können die Menschen mit Beeinträchtigung, die in unseren besonderen Wohnformen und Wohngruppen leben, nicht monatelang isolieren, um sie gesundheitlich zu schützen. Das widerspricht der Menschenwürde und dem Gedanken der Teilhabe."

In NRW sind knapp 81.000 Menschen mit Behinderungen in Werkstätten der Behindertenhilfe beschäftigt, andere in Inklusionsunternehmen. Die Arbeit hat für viele eine große soziale Bedeutung. "Ihre sozialen Kontakte und Freundschaften haben viele im Arbeitsumfeld. Daher ist es besonders wichtig für sie, zur Arbeit gehen zu können", betont Heine-Göttelmann.

Gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen

Zudem werden viele dabei unterstützt, möglichst selbstbestimmt zu leben. Sie kaufen ein, treffen sich mit Freunden, engagieren sich ehrenamtlich. Das erschwert eine Kontrolle der Besuchs- und Kontaktverbote. Regelmäßige Testungen helfen dabei, sie gesundheitlich zu schützen und ihnen diese gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.

"Wir reden viel über Inklusion und Teilhabe, aber in der Diskussion um Schutzmaßnahmen und in den politischen Verordnungen dieser Pandemie werden Menschen mit Beeinträchtigung scheinbar vergessen", sagt der Diakonie RWL-Vorstand. "Sie haben genauso ein Recht auf Schutz und Teilhabe wie die alten Menschen in unseren stationären und ambulanten Einrichtungen."

Hintergrund:

Die Diakonie RWL vertritt 81 Träger der Behindertenhilfe, die insgesamt über 16.500 Plätze für Menschen mit Beeinträchtigungen anbieten. In den 20 Werkstätten, die sie in Nordrhein-Westfalen betreiben, arbeiten rund 17.000 Beschäftigte mit einer Behinderung.

Foto von Diakonie RWL-Vorstand Christian Heine-Göttelmann zum Download: www.diakonie-rwl.de/sites/default/files/hjb-7941.jpg