23. Dezember 2020

Weihnachten in Altenheimen

Weniger Besuche, mehr Post

Gemeinsam mit den Kirchen und vielen Mitgliedseinrichtungen appelliert die Diakonie RWL an Angehörige, ihre Besuche in den Altenheimen zu Weihnachten einzuschränken. Zu groß ist die Gefahr weiterer Corona-Infektionen und Todesfälle. Doch vergessen sollen sich die alten Menschen nicht fühlen. Dafür sorgen Brief- und Geschenkaktionen, Lichterketten und Musik.

  • Seniorin Hanna Skrzype mit einer Weihnachtsbaumspende  (Foto: Judith Wittkop/Diakonie Stiftung Salem)
  • Ehrenamtlerin Karin Kielau sortiert Briefe für Altenheime (Foto: Judith Wittkop/Diakonie Stiftung Salem)
  • Weihnachtspostkarten an der Pinnwand im Büro des Ehrenamtskoordinators der Diakonie Michaelshoven (Foto: Carlos Stemmerich)
  • Lichtinstallation auf Fassade eines Altenheims der Diakonie Stiftung Salem (Foto: Judith Wittkop/Diakonie Stiftung Salem)
  • Bunte Sterne an den Fenstern der Altenheime der Diakonie Michaelshoven (Foto; Carlos Stemmerich)
  • Beleuchtetes Altenzentrum am Schwesternpark Feierabendhäuser der Diakonie Ruhr (Foto: Andreas Vincke)

Lichterglanz im Garten, geschmückte Tannenbäume in den Wohnbereichen und persönliche Weihnachtsbriefe für alle rund 550 Bewohnerinnen und Bewohner: In den sechs Seniorenheimen der Diakonie Stiftung Salem weihnachtet es in diesem Jahr anders, aber nicht weniger herzlich. Rund zwanzig Ehrenamtliche waren im Einsatz, um die Briefe zu schreiben. Eine Firma hat die Tannenbäume gespendet, und vor Weihnachten gab es eine große Lichterinstallation im Park vor zwei Seniorenheimen, zu der die Bewohnerinnen und Bewohner mit ihren Angehörigen eingeladen waren.

"Aufgrund der stark gestiegenen Infektionszahlen ist die Situation in unseren Häusern sehr angespannt", erzählt Ehrenamtskoordinatorin Andrea Driftmann. "Ehrenamtliche dürfen nicht mehr kommen, aber sie versuchen soweit möglich aus der Ferne zu unterstützen." Also wurden über 500 Briefe geschrieben und bereits so sortiert, dass die Pflegekräfte sie direkt in den 29 Wohneinheiten verteilen können.

Sopranistin singt auf einem Kran vor den Fenstern eines Altenheims der Diakonie Michaelshoven (Foto: Diakonie Michaelshoven)

Gut zu hören und zu sehen - Eine Sopranistin hat für die alten Menschen in den Seniorenheimen der Diakonie Michaelshoven auf einem Kran Weihnachtsarien gesungen.

Sehnsucht nach "schöner Weihnacht"

Bei der Diakonie Michaelshoven haben Ehrenamtliche Weihnachtssterne aus Transparenzpapier gebastelt, die nun in den Fenstern der etwa 450 Bewohnerinnen und Bewohner hängen. Für die sechs Seniorenheime hat die Firma, die in früheren Jahren zum Weihnachtssingen und Plätzchenbacken vorbeikam, "nostalgische Postkarten" mit Motiven aus den zwanziger und dreißiger Jahren gestaltet. Kurz vor Weihnachten wurde sogar eine Sopranistin engagiert, die auf einem Kran gesungen hat. "Das Bedürfnis, es sich in dieser schwierigen Zeit weihnachtlich schön zu machen, ist bei allen groß", sagt Ehrenamtskoordinator Carlos Stemmerich.

Auch dort, wo es wie im Altenzentrum am Schwesternpark Feierabendhäuser der Diakonie Ruhr, zu Quarantänemaßnahmen aufgrund von Covid 19- Infektionen kommen musste, fällt Weihnachten nicht aus. Auf dem Dach des Altenheims mit seinen 111 Bewohnerinnen und Bewohnern leuchtet ein großer Schwibbogen und geschmückte Tannenbäume zieren das Haus.

Wie die anderen diakonischen Einrichtungen verzichten die Feierabendhäuser auf ihre große Weihnachtsfeier an Heiligabend. Stattdessen bereiten die angestellten Alltagsbegleiter und Pflegekräfte für ihre Wohnbereiche jeweils eine kleine Feier mit Weihnachtsgeschichten, Geschenken und gutem Essen vor. In den Seniorenheimen der Diakonie Michaelshoven gibt es vier "kleinere Gottesdienste", die hintereinander stattfinden. Bei der Diakonie Stiftung Salem sind Andachten in den Wohneinheiten geplant und ein zentraler Gottesdienst wird digital übertragen.

"Rollende Weihnachtsmarkt" des Altenzentrums am Schwesternpark Feierabendhäuser der Diakonie Ruhr (Foto: Andreas Vincke)

Der "rollende Weihnachtsmarkt" des Altenzentrums am Schwesternpark Feierabendhäuser in Witten kommt in die Wohnbereiche: Manuela Söhnchen, Leitung Sozialer Dienst Betreuung hinten) mit den Seniorinnen Waltraud Lindemann (rechts) Reinhild Schäfers. 

Weihnachtsmarkt auf Rädern

Auf den Weihnachtsmann, der die Geschenke in einer großen Feier verteilt, muss in diesem Jahr ebenfalls verzichtet werden. Dafür ist der Nikolaus im Altenzentrum am Schwesternpark Feierabendhäuser durch das Haus gestiefelt und selbst der Weihnachtsmarkt hat Räder bekommen.

"Eigentlich läuten wir die Adventszeit jedes Jahr mit einem Weihnachtsmarkt ein, zu dem rund 300 Gäste kommen", sagt Einrichtungsleiter Andreas Vincke. Etwa zwanzig Buden stehen dann auf dem Gelände der Feierabendhäuser. Neben Glühwein und Grillwürstchen gibt es handgefertigte Kleinigkeiten. Eine beliebte Tradition, auf die alle nur ungern verzichten wollten. Also packten die Mitarbeitenden den Budenzauber Ende November auf zwei Tischwagen und zogen damit in der Adventszeit durch die sieben Wohnbereiche.

"Wir schauen immer, was kann man noch machen und beklagen nicht, was jetzt alles nicht mehr geht", betont Vincke. "Unser Team hat in dieser Krise Enormes geleistet." Es gab eine 24-Stunden-Rufbereitschaft für Angehörige, "Fensterbesuche" und Balkon- und Gartenkonzerte. Seit dem Herbst wird regelmäßig getestet, damit Besuche im Haus unter entsprechenden Hygieneauflagen möglich sind. Im Lockdown zu Weihnachten gelten nun strengere Auflagen. Besuche müssen angemeldet werden und sind zeitlich sowie personell begrenzt. An Angehörige wird appelliert, ihre Weihnachtsbesuche gut zu überdenken und mit den Einrichtungen genau abzustimmen.

Eine Seniorin aus einem Altenheim hält ein Tablet in der Hand. (Foto: Diakonie Michaelshoven)

Über die Weihnachtstage können Senioren mit ihren Familien chatten. Ehrenamtliche helfen telefonisch, wenn es dabei Probleme gibt. 

Digital Kontakt halten

"Das ist für die Bewohnerinnen und Bewohner hart, aber die meisten haben Verständnis dafür und hoffen auf die Impfungen, die ja schon in den Weihnachtstagen beginnen sollen", erklärt Carlos Stemmerich. Und dann gibt es ja noch die Möglichkeit, mit den Angehörigen digital Kontakt zu halten.

Die Diakonie Michaelshoven hat ihre Seniorenheime dafür mit Tablets ausgestattet. Doch die sind für hochbetagte Menschen nicht so einfach zu bedienen. "Wir haben deshalb einen Telefondienst mit zwei jungen Ehrenamtlichen eingerichtet, die telefonisch angerufen werden können und alles noch mal in Ruhe erklären", sagt Stemmerich. Auch an den Feiertagen.

Text: Sabine Damaschke, Fotos: Diakonie Michaelshoven, Diakonie Stiftung Salem, Feierabendhäuser der Diakonie Ruhr 

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Sabine Damaschke

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Angesichts der weiterhin hohen Infektionszahlen in der Corona-Pandemie appelliert die Diakonie RWL gemeinsam mit den Evangelischen Kirchen in NRW an alle Angehörigen von Menschen in Alten- und Pflegeheimen, zurückhaltend mit Besuchen an den Weihnachtsfeiertagen umzugehen und ihre Besuche gut mit den Einrichtungen abzustimmen. "Halten Sie bei der Planung Ihrer Weihnachtsbesuche enge Rücksprache mit den Einrichtungen", sagt Diakonie RWL-Vorstand Thomas Oelkers in der gemeinsamen Pressemitteilung: "Unsere Pflegekräfte sind schon jetzt am Ende ihrer Kraft, denn zusätzlich zur täglichen Pflege lenken, testen und begleiten sie die Besucherströme."