27. September 2018

Regionaldialog zur Pflegepolitik

"Pflegeversicherung umbauen"

Die Pflegeversicherung ist eine Teilkasko-Versicherung der ungewöhnlichen Art: Der Beitrag der Versicherung ist gedeckelt, der Eigenanteil der Betroffenen ist nach oben offen. Bereits jetzt liegt er in der stationären Pflege im Durchschnitt bei rund 1700 Euro – mit steigender Tendenz. Auf einer Dialogveranstaltung der Diakonie RWL in Düsseldorf wurde über Vorschläge für einen Paradigmenwechsel in der Pflegeversicherung diskutiert. 

nebeneinander stehend

Paradigmenwechsel in der Pflegeversicherung? Bodo de Vries, Nicolas Basse, Maria Loheide und Christian Heine-Göttelmann 

Gemeinsam Themen bewegen - dies wünscht sich Pfarrer Christian Heine-Göttelmann, Vorstand der Diakonie RWL, von den diakonischen Akteuren auf Landes- und Bundesebene. Er eröffnete gemeinsam am 25. September mit Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik der Diakonie Deutschland, den Regionaldialog "West".

Die Diakonie Deutschland und der Deutsche Evangelische Verband für Altenarbeit und Pflege (DEVAP) luden an diesem Tag zum zweiten von bundesweit vier geplanten Regionaldialogen in die Geschäftsstelle der Diakonie RWL ein, um mit diakonischen Trägern und Einrichtungen über Verbesserungen in der Pflege zu diskutieren und ihre derzeitigen Aktivitäten und Vorhaben vorzustellen.

Paradigmenwechsel statt Stückwerk?

"Pflegestärkungsgesetz (PSG) I, II, III, IV, V…was soll noch kommen? Wir brauchen eine Grundsatzreform!" Unter diesem Titel stellte Bodo de Vries zu Beginn der Veranstaltung das DEVAP-Positionspapier zur Weiterentwicklung der Pflegeversicherung vor. Er diskutierte mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern über die Umsetzbarkeit der darin beschriebenen Eckpunkte. Anstatt aufzuzeigen was nicht gefällt, presche der Verband mit eigenen Reformvorstellungen voran, kritisierte er.

Einführung eines echten Teilkaskoprinzips in die Pflegeversicherung

mit Mikrofon

Dr. Bodo de Vries

Der DEVAP fordert hier einen "Sockel-Spitze-Tausch". Würde die Pflegeversicherung tatsächlich dem Prinzip der Teilkasko folgen, dann dürfte die versicherte Person nur einen fixen Eigenanteil übernehmen. Die Versicherung würde alle darüber hinaus gehenden pflegebedingten Kosten tragen. Diese Regelung würde das Risiko für die einzelnen Betroffenen begrenzen - und für die Kommunen, die als Sozialhilfeträger oft einspringen müssen. Aktuell sind bundesweit über 440.000 pflegebedürftige Menschen auf Sozialhilfe angewiesen. 

Abbau der Sektorengrenzen zwischen ambulanter und stationärer Pflege

Mit dem ambulanten und dem stationären Bereich haben sich in der Pflege zwei Sektoren gebildet, die nach unterschiedlichen Regeln funktionieren. "Auch im Alter und bei Pflegebedürftigkeit darf nicht die Wohnform die Leistung bestimmen", forderte de Vries. Maßgeblich sei der jeweilige Bedarf. 

Diakonie mit einer Stimme

Mit diesen Forderungen traf Bodo de Vries auf offene Ohren bei den Teilnehmenden, gleichwohl es aus ihrer Sicht noch einige Umsetzungsschwierigkeiten zu lösen gilt. Nach einer intensiven Diskussion am Vormittag gab Peter Bartmann, Leiter Zentrum Gesundheit, Rehabilitation und Pflege der Diakonie Deutschland einen Überblick über die derzeitigen Aktivitäten und Kernthemen des Bundesverbandes im Bereich der Pflege. Transparenz zwischen den einzelnen diakonischen Akteuren und Verbänden sei wichtig, um mit einer Stimme sprechen und Themen politisch bewegen zu können.

Text: Martina Althoff

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