7. Mai 2021

Online-Tagung DEVAP

Für eine mutige Pflegereform

Fachkräftemangel, eine starke Arbeitsbelastung und hohe Eigenanteile für Pflegebedürftige – das System Pflege ist reformbedürftig. Mit einem Strategiepapier will der Deutsche Ev. Verband für Altenarbeit und Pflege (DEVAP) gegensteuern. Gemeinsam mit der Diakonie RWL hat der Verband die Vorschläge jetzt in einer Online-Tagung NRW-Politikern vorgestellt.

  • Das Interesse für den Pflegeberuf ist da. Jetzt muss sich auch das Bild von Pflege in unserer Gesellschaft ändern. (Foto: Shutterstock)
  • Eine erschöpfte Pflegekraft sitzt auf dem Fussboden

Kann ich mir Pflege im Alter eigentlich noch leisten? Die Antwort hängt häufig auch vom Wohnort ab: Die Angebote in den Städten und auf dem Land unterscheiden sich extrem und die Kosten weichen je nach Bundesland gravierend voneinander ab. Für immer mehr Menschen wird Pflegebedürftigkeit dadurch zum Armutsrisiko. Das Diakonische Werk Rheinland-Westfalen-Lippe (Diakonie RWL) und der Deutsche Evangelische Verband für Altenarbeit und Pflege (DEVAP) wollen gegensteuern – mit einem Strategiepapier des DEVAP für eine durchdachte Pflegereform.

Eine der Forderungen: Der finanzielle Eigenanteil in der stationären Pflege muss festgeschrieben werden. "Der Beitrag der Heimbewohner zu den Investitionskosten betrug in den vergangenen zehn Jahren etwa 39 Milliarden Euro", betont Ulrich Christofczik, Vorstandsmitglied des DEVAP. Ein besserer Personalschlüssel oder tarifliche Lohnsteigerungen dürften nicht zu Mehrkosten für die Pflegebedürftigen führen. Gleiches gilt für die Ausbildungskosten der Pflege, die aktuell immer noch zu Lasten der Pflegebedürftigen gehen, meint Andreas Zeeh, Leiter des Zentrums Teilhabe, Inklusion und Pflege der Diakonie RWL. "Diese Kosten müssten umfinanziert werden."

Diakonie RWL-Vorstand Christian Heine-Göttelmann

Soziale Arbeit wertschätzen: Diakonie RWL-Vorstand Christian Heine-Göttelmann setzt sich für eine faire Bezahlung in sozialen Berufen ein.

Bundesweite Reform

In einer Online-Tagung haben die gesundheitspolitischen Sprecher der NRW-Landtagsparteien jetzt die Reformansätze des Strategiepapiers diskutiert. "Wir wollen eng mit den Politikerinnen und Politikern aus NRW zusammenarbeiten", erklärt Diakonie RWL-Vorstand Christian Heine-Göttelmann.

Die Vertreter von CDU, SPD, FDP und Grünen bestätigten parteiübergreifend die vorgelegten Eckpunkte als Grundlage für eine bundesweite Reform. "Es wird allerhöchste Zeit", sagte Peter Preuß (CDU). "Ich bezweifle aber, dass eine Finanzierung langfristig allein über die Pflegeversicherung gelingt. Wir werden Steuergelder in die Hand nehmen müssen." Mehrdad Mostofizadeh (Grüne) sprach sich dafür aus, die Pflegeversicherung in eine Bürgerversicherung zu überführen. "Damit es fair bleibt, müssen wir dann auch persönliches Vermögen berücksichtigen."

Eine Pflegekraft reicht einer Seniorin Essen an

Für die Menschen da sein: Die Pflege ist für viele Mitarbeitende ein Herzensberuf. Allerdings müssen sich die Rahmenbedingungen dringend verbessern.

Angemessene Bezahlung der Pflegekräfte

Christina Weng (SPD) erinnerte daran, dass einige der Themen bereits seit Jahren diskutiert werden. "Sie scheitern aber an der bundesweiten Umsetzung." Derzeit versuche Gesundheitsminister Jens Spahn, bei der Pflegeversicherung nachzubessern, so Diakonie RWL-Vorstand Christian Heine-Göttelmann. In den Entwürfen würden bereits wichtige Themen in den Blick genommen. "Die bundesweite Tarifbindung der Pflegeeinrichtungen für eine angemessene Bezahlung der Pflegekräfte ist enorm wichtig. Wir freuen uns, dass das Thema offensichtlich noch in dieser Legislaturperiode angegangen werden soll." 

Oberste Priorität müsse aber auch die Entlastung der Angehörigen haben, denn jeder dritte Heimbewohner beziehe derzeit Sozialhilfe. Weitere finanzielle Belastungen der Pflegebedürftigen seien nicht vertretbar. Dass eine umfassende Reform dringend nötig ist, darin waren sich alle Beteiligten einig. Der Titel der Tagung lautete "Die Pflegereform 2021 muss mutig sein" – und genau dieser Mut wird aktuell vermisst.

Text: Ilka Hahn
Fotos: Shutterstock und Vladimir Fedotov
Unsplash (Slider), LAG Freie Wohlfahrtspflege NRW.

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