1. Dezember 2017

Mitgliederversammlung des Fachverbands Altenarbeit

Mut zu neuen Wegen

Der Evangelische Verband für Altenarbeit (EVA) hat auf seiner Mitgliederversammlung am 29. November 2017 einen neuen Vorstand gewählt und sich mit dem brennenden Thema auseinandergesetzt, wie man Menschen für die Pflege begeistern und kompetenzorientiert einsetzen kann. 

Gruppenbild

Der neue EVA-Vorstand: Martina Althoff (Geschäftsführung), Evelyn Adams, Christian Landau, Birgit Michels-Rieß, Peter König, Rudolf Michel-Fabian (ents. Mitglied), Marc Schué (stellv. Vorsitzender), Kerstin Schönlau (Vorsitzende), Wolfgang Angerhausen, Claudia Hartmann, Ulrich Watermeyer, Ralf Lohscheller.

Was es dazu braucht, wurde schon in der Andacht zu Beginn der Veranstaltung deutlich: Mut! Mut zu mehr Kompetenzorientierung in der Personalarbeit machte Annett Herrmann aus der Stabsstelle des Vorstands der Diakonie Deutschland. Sie berichtete aus ihrem Projekt "Kompetenzorientierung und Personalarbeit" und hob hervor, welche Bedeutung der Deutsche Qualifikationsrahmen (DQR) in der Personalarbeit hat.

Sie ermutigte die Teilnehmenden darin, nicht nur die formalen Bildungsabschlüsse, sondern auch den non-formalen Bereich der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stärker in den Blick zu nehmen. Das gelte natürlich besonders auch mit Blick auf Neueinstellungen. Zusätzlich können fachliche, soziale und personale Kompetenzen durch lebensbegleitendes Lernen erworben, auf dem neusten Stand gehalten oder vertieft werden.

Die Teilnehmer begrüßten in einem anschließenden Austausch die Kompetenzorientierung, gaben aber auch zu bedenken, dass es gerade in der Pflege sehr strikte Anforderungen an die fachliche Qualifikation der Mitarbeitenden gibt. Da der DQR nach Einschätzung der Expertin in Zukunft jedoch eine immer größere Bedeutung im deutschen Bildungssystem einnehmen wird, sind die Unternehmen gut beraten, sich schon heute mit kompetenzbasierten Beschäftigungs- und Anforderungsprofilen und entsprechend veränderten Stellenbeschreibungen und Stellenausschreibungen zu beschäftigen. 

Neue Wege der Personalgewinnung

Zum Mut, neue Wege beim Personalrecruiting zu gehen, forderte anschließend die als Top-Recruiterin der Diakonie ausgezeichnete Anne Engelshowe auf. Die Bewerberinnen und Bewerber von heute möchten ihren neuen Job am liebsten "auf dem Silbertablett" geliefert bekommen. Bewusst überspitzt wollte Frau Engelshowe deutlich machen, dass sie sich auf eine neue Bewerbergeneration einstellen müssen. Diese erwartet ein unkompliziertes Bewerbungsverfahren, bei dem mit wenigen Klicks, am besten nebenbei auf der Couch, eine Bewerbung eingereicht werden kann. "Versetzen Sie sich in die potentiellen neuen Mitarbeiter, und zeigen Sie Ihre interessante Seite", sagte sie. 

Erforderlich sind unter anderem ein ansprechendes, unkompliziertes Weblayout, eindeutige Ansprechpartner und nicht zuletzt natürlich eine Interesse erweckende Stellenausschreibung, idealerweise mit Angabe des Gehaltes. Es wurde deutlich: Es sind nicht mehr die Bewerber, die sich für eine Stelle ins Zeug legen müssen – es sind die Unternehmen, dich sich im Wettbewerb um neue Mitarbeiter gegenüber anderen Mitstreitern auf dem Markt durchsetzen müssen. Um sich als attraktiven Arbeitgeber zu präsentieren, mit dem sich die eigenen Mitarbeiter gut und gerne identifizieren können, ist das Employer Branding, also die „Arbeitgebermarkenbildung“, eine weitere für die Unternehmen zu erledigende Hausaufgabe. Wie dies gelingen kann, wurde unterschiedlichen Best-Practice Beispielen veranschaulich.  

Wie finden wir die Besten?

Um die Umsetzung in der Praxis ging es auch in der anschließenden Podiumsdiskussion. Neben den beiden Referentinnen nahmen weitere Expertinnen und Experten zu den Themen Mitarbeiterentwicklung, Mitarbeiterbindung und Gewinnung von Ehrenamtlichen teil. Kerstin Schönlau, die in der anschließenden konstituierenden Sitzung des neuen Vorstandes erneut einstimmig zur Vorsitzenden gewählt wurde, moderierte die Podiumsdiskussion und stellte die im Mittelpunkt stehenden Fragen wie "Kompetenzorientierung in der Aus- Fort- und Weiterbildung – wie passt das zu Lernfeldern und dem neuen Pflegeberufereformgesetz?" oder "Wie finden wir die Besten? Welche Strategien zum Recruiting sind bereits genutzt?" und "Wo liegt der Nutzen für Träger, wenn Sie sich mit den Themen Kompetenzorientierung/Personalarbeit/Recruiting beschäftigen?"

Wie Kompetenzorientierung praktisch im Rahmen eines "Talentprojektes" funktionieren kann, berichtete ein Podiumsteilnehmer von der Diakonischen Altenhilfe Wuppertal. In diesem Projekt wurden besonders engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zusammengetrommelt und nach ihren besonderen Fähigkeiten neu eingesetzt. "Ich fand das total cool. Der Chef hat uns gefragt, was wir noch gerne in unserer Arbeit tun würden", so der Teilnehmer, der sich heute neben seiner Aufgabe als Pflegedienstleitung damit befasst, wie man neue Kolleginnen und Kollegen zielgruppengerecht für die Mitarbeit in der Pflege ansprechen und gewinnen kann. 

Zwei Fotos nebeneinander

Rudolf Michel-Fabian, Leiter des Geschäftsfelds Pflege, Alter und Behinderung in der Diakonie RWL, und Martina Althoff, Geschäftsführerin des EVA-RWL

Neuwahl des Vorstands

Bei der Wahl hat die Mitgliederversammlung zehn Trägervertreterinnen und -vertretern aus den Bereichen stationäre und teilstationäre Altenarbeit, gemeinwesenorientierte Altenarbeit sowie Aus-, Fort- und Weiterbildung ihr Vertrauen ausgesprochen und sie damit beauftragt, im Vorstand des Fachverbandes die Themen der Altenarbeit in den kommenden vier Jahren fachlich und sozialpolitisch zu bewegen. 

Der Evangelische Verband für Altenarbeit in den Diakonischen Werken Rheinland, Westfalen und Lippe e.V. ist der mitgliederstärkste Fachverband für die Altenarbeit im Bundesgebiet. Er vertritt rund 400 stationäre Einrichtungen, Tages- und Kurzzeitpflegeangebote, über 800 Kirchengemeinden mit Seniorenarbeit, 40 Fachseminare für Altenpflege sowie Fort- und Weiterbildungsinstitute und Beratungsstellen. Dort sind annähernd 28.000 hauptamtliche Mitarbeitende beschäftigt sowie eine große Zahl freiwillig Engagierter.

Text und Fotos: Rudolf-Michel Fabian und Martina Althoff

Ihre Ansprechpartner/innen
Rudolf Michel-Fabian

Stationäre Pflege

Weiterer Kontakt:
Martina Althoff, EVA-Geschäftsführerin
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