12. März 2021

Impfungen in der Altenhilfe

Schrittweise zurück in den Alltag

Durchgeimpft: Die Impfkampagne in Alten- und Pflegeheimen in NRW ist abgeschlossen. Jetzt wird gelockert. Bis zu fünf Besucher und Umarmungen ohne Maske sind wieder möglich. "Der Druck für Lockerungen war in der letzten Woche sehr groß", sagt Andreas Zeeh, Leiter des Zentrums Pflege, in der neuen #Ärmelhoch-Folge der Impfreihe. Die Rückkehr zum gewohnten Alltag geschieht in kleinen Schritten.

  • Andreas Zeeh, Leiter des Diakonie RWL-Zentrums für Pflege
  • Stefanie Laubsch, Stellvertretende Pflegedienstleitung der Beeker Hausgemeinschaften, lässt sich impfen (Foto Diakonie RWL)
  • Alexander Strunk, Heimleiter Christliche Seniorenheime Lützeln, lässt sich impfen (Foto. Diakonie RWL)
  • Christina Ulrich, Pflegefachkraft im Haus Vogelsang der Rheinischen Gesellschaft für Diakonie, lässt sich impfen (Foto: Diakonie RWL)

Singen, turnen, basteln – all das ist in den Alten- und Pflegeheimen in NRW jetzt wieder möglich. Was bedeutet das für die Menschen?

Für die Seniorinnen und Senioren ist das ein bedeutsamer Schritt. Endlich können sie wieder miteinander essen, singen oder Karten spielen. Gerade für Demenzerkrankte ist es wichtig, dass sie ihre Angehörigen ohne Maske sehen, damit sie sie wiedererkennen. Die Lockerungen waren wirklich überfällig. Denn in den Einrichtungen haben wir durch die hohen Impfquoten seit mehr als zwei Wochen eine "Herdenimmunität" im Kleinen. Die Öffnung ist aber nur ein Zwischenschritt. Bis die Heime wieder einen normalen Alltag haben, wird es noch dauern.

Was ändert sich jetzt konkret?

Kleinere Veranstaltungen wie Sportkurse oder Gesangstreffen sind in den Heimen wieder möglich. Die Bewohnerinnen und Bewohner können von bis zu fünf Personen plus Kindern unter 14 Jahren besucht werden und im persönlichen Kontakt darf die Maske abgesetzt werden. Und auch die obligatorischen Corona-Tests für die Senioren fallen weg. Sie sollen jetzt nur noch bei einem Verdacht auf eine Infektion oder wenn sie es ausdrücklich wünschen, getestet werden.

Besucherinnen und Besucher müssen aber weiterhin einen negativen Schnelltest vorlegen, bevor sie die Heime betreten dürfen. Und auch die Mitarbeitenden müssen sich weiterhin alle drei Tage testen lassen.

Obwohl die meisten Mitarbeitenden geimpft sind?

Genau. Wir setzen uns dafür ein, dass die geimpften Mitarbeitenden seltener getestet werden können. Jede Testung, die grundsätzlich nicht mehr notwendig ist, weil der Impfschutz vorhanden ist, schafft Entlastung bei den Mitarbeitenden in der Pflege.

Ist das Thema Impfen jetzt abgeschlossen?

Leider nein. Wir haben in den Seniorenheimen eine natürliche Fluktuation von rund 70 Prozent im Jahr. Das heißt, es ziehen immer wieder neue Bewohnerinnen und Bewohner ein, die in der Regel noch nicht geimpft sind. Wie kommen die Mitarbeitenden mit der Belastung zurecht? Viele unserer Einrichtungsleitungen sorgen sich, was passiert, wenn es wieder ruhiger wird. Sie befürchten, dass sich erst dann die Auswirkungen der hohen Belastung bemerkbar machen. Sie haben Angst, dass ihre Mitarbeitenden an Burn-out erkranken oder wegen anderer Erschöpfungssymptome langfristig ausfallen.

Und dann gibt es auch noch das Post-Covid-Syndrom (Long-Covid). Auch darüber machen wir uns zunehmend Gedanken. Nicht alle, die eine Erkrankung mit dem Corona-Virus überstanden haben, sind auch wieder gesund. Es gibt einige, die körperlich einfach nicht mehr so belastbar sind und dadurch nicht mehr voll arbeitsfähig sind. Was das für die Einrichtungen bedeutet, die schon jetzt unter dem Pflegenotstand leiden, wird sich zeigen.

Was wünschen Sie sich von der Politik?

Wir haben jetzt ein Jahr Pandemie hinter uns. Obwohl viele Themen, die wir klären müssen, auf der Hand liegen, kommen wir nicht ausreichend ins Gespräch miteinander. Wir werden oft von den neuen Verordnungen ohne Vorankündigung überrascht. Die letzte Testverordnung wurde am Dienstag verkündet und donnerstags wieder außer Kraft gesetzt, bevor die jetzigen Lockerungen angekündigt wurden. Das könnten wir besser und vor allem mit mehr Vorlauf regeln, wenn wir als Altenhilfe-Experten stärker miteinbezogen würden.

Das Gespräch führte Ann-Kristin Herbst.

Ihr/e Ansprechpartner/in
Andreas Zeeh
Zentrum Teilhabe, Inklusion und Pflege
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Impfbereitschaft in
der diakonischen Altenhilfe

In den Altenhilfe-Einrichtungen der Diakonie RWL ist die Impfbereitschaft hoch. Über 90 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner haben sich impfen lassen. Bei den Pflegekräften waren es im Schnitt 70 Prozent. Auch die Zahl der infizierten Bewohnerinnen und Bewohner ist seit Beginn der Corona-Schutzimpfungen laut Landesregierung in Nordrhein-Westfalen stark rückläufig. Im Januar fiel die Kurve der registrierten aktiven Corona-Fälle von 4.786 auf 1.488, wie aus einer Erhebung der Landesregierung hervorgeht. Ein Höchststand war demnach am 23. Dezember 2020 mit 5.265 Corona-Fällen in den landesweit stationären Alteneinrichtungen erreicht.