6. Dezember 2018

Fachtag zum Pflegebedürftigkeitsbegriff in Gelsenkirchen

Pflege aktiv gestalten, Personalschlüssel heben

Am 3. Dezember fand im Wissenschaftspark in Gelsenkirchen der Fachtag "Pflege aktiv gestalten" statt. Über 100 Interessenten folgten der Einladung des Evangelischen Verbandes für Altenarbeit (EVA) der Diakonie RWL. Im Mittelpunkt stand der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff. 

Mehrere kleine Gruppen in einem großen Raum

Dieser soll zukünftig nicht nur als ein Begutachtungsinstrument zur Erhebung des Grades von Pflegebedürftigkeit sein. Er stellt eine große Chance für die Einrichtungen dar, sich nach 20 Jahren verrichtungsbezogener Deckelung der Pflege im SGB XI voll zu entfalten und aus den Ansprüchen des Begriffs den Personalschlüssel abzuleiten. Viele Einrichtungen arbeiten heute schon nach lebensweltlichen Konzepten und praktizieren eine Pflege, die weit über die Versorgung körperlicher Bedürfnisse hinausgeht und können darauf aufbauen. Schwieriger werden die Verhandlungen mit den Kassen werden.

Eingeleitet wurde der Tag von einem Impulsvortrag von Dr. Klaus Wingenfeld mit der wissenschaftlichen Perspektive und der Vorstellung der von ihm und Dr. Büscher herausgegebenen Expertise "Strukturierung und Beschreibung pflegerischer Aufgaben auf der Grundlage des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs". Sein Vortrag ermutigte, bei den pflegerischen Tätigkeiten und deren Beschreibung noch einmal genauer hinzuschauen.

Nach dem Mittagessen startete der Workshop-Teil. Themen waren: "Zeit zum Sterben - das "Wie" entscheidet", "Wie du mir so ich dir - Deeskalation zur Bewohner- und Mitarbeiter-orientierung" (Diakonie Münster), "Übergabe war gestern" (Rheinische Gesellschaft), "Expertenstandard Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz" (Bethel), "Den Neuen Lebensabschnitt gestalten" (DW Gladbeck-Bottrop-Dorsten), "Raus aus der Routine - Individualität ermöglichen" (Ev. Perthes-Stiftung) und "Landesrahmenverträge" (Diakonie RWL).

EVA-Vorstand Kerstin Schönlau zog Bilanz: „Die klare politische Forderung aus dem Plenum - die Perspektive der Träger soll immer in Vertragsverhandlungen oder auch in neue Personalbemessungsinstrumente einfließen.“ Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff habe dazu geführt, dass in den Einrichtungen Menschen mit höherem Pflegbedarf wohnen. Und das mache eine Anhebung der Personalschlüssel dringend notwendig.

Fotos: Michael Horst / Diakonisches Werk im Ev. Kirchenkreis Gladbeck-Bottrop-Dorsten 

Ihr/e Ansprechpartner/in
Rudolf Michel-Fabian

Stationäre Pflege

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Stimmen von Teilnehmenden

„Wir müssen sicherstellen, dass unsere Mitarbeitenden das neue Verfahren akzeptieren. Es soll so sein, wie hier im Poster abgebildet, vom eckigen Tisch zum runden Tisch.“ (Marc Schue, Rheinische Gesellschaft, Geschäftsbereichsleitung)
 

„Der Fachvortrag von Klaus Wingenfeld hatte einen starken ambulanten Fokus. Es bleibt offen, ob nicht auch Modellprojekte im stationären Bereich notwendig und umsetzbar sind.“ Christiane Schiedel, Johanniterstift Münster


„Die Idee mit den Hausbesuchen durch den Sozialen Dienst werden wir uns neu anschauen, das hatten wir vor Jahren auch schon einmal. Notwendig ist es auf jeden Fall, dass die Mitarbeitenden fachlich so qualifiziert sind und sich auf den Diskurs mit den Betroffenen einlassen können.“ Norbert Bongarz, Augustastiftung Bochum