13. März 2020

Digitalisierung in der Pflege

Wenn ein Roboter im Altenheim Witze reißt

Macht Pepper einen Witz, dann lächelt Boris Stirnberg in seinem Rollstuhl. Der Roboter "Pepper" unterhält die Bewohner im Altenheim Dorothee-Sölle-Haus der Diakonie Düsseldorf. Frank Monen, Betreuungsassistent, zeigt uns seinen neuen humanoiden Roboter-Kollegen.

"Wir müssen in den Keller", sagt Frank Monen. "Dort steht er und wird geladen." Monen arbeitet im Altenheim "Dorothee-Sölle-Haus" der Diakonie Düsseldorf und hat einen neuen "Kollegen" bekommen. Er öffnet eine Kellertür und dahinter verbirgt sich eine kleine, weiße Gestalt, deren Körper im Dunkeln zusammengesackt nach unten hängt. "Pepper" lädt. Er ist ein Begleit-Roboter, mit dem Frank Monen auf Abteilung 1 unterwegs ist und 26 Bewohner betreut. Peppers Außenhaut besteht aus Polyurethan, ist überall abgerundet und gibt in der Handinnenfläche leicht nach, wenn man sie anfasst. Als Monen erklärt, wie Pepper funktioniert, merkt man gleich, dass er viel für den 1,20 Meter kleinen Roboter übrig hat. "Fragt man ihn, wer er ist, sagt er, er sei ein 4-jähriges Kind."

Herr Monen erklärt Pepper

Pepper unterhält die Bewohner des Hauses

Pepper liest den Bewohnern Märchen wie "Rotkäppchen" vor, spielt das "Hütchen"-Spiel oder ein Quiz. Er kann aktuelle Wetter- oder Fußballergebnisse ansagen, sofern er mit dem WLAN verbunden ist. Nebenbei spricht er 16 Sprachen. Pepper hat keine Beine, mit denen er sich aufwendig in Balance halten müsste, wie es Hondas Vorzeige-Roboter "Asimo" tut, wenn er Fußball spielt. Stattdessen fährt er auf drei Rollen, mit denen er jederzeit in eine beliebige Richtung gleiten kann.

Zur Eingewöhnung und aus Sicherheitsgründen darf er sich aber noch nicht im Dorothee-Sölle-Haus autonom bewegen, wie Monen berichtet. Daher wird der technische Hominide geschoben. "Pepper könnte auch einen Bewohner auf sein Zimmer geleiten, wenn dieser zum Beispiel nicht mehr weiß, wo er ist", sagt der 53-jährige Betreuungsassistent. Allerdings müsste dies erst in Pepper einprogrammiert werden. Und das kostet.

Monen, der früher Drucker war, ist technikaffin. Er hat nicht nur einen Roboter als Kollegen, sondern auch eine Art mobilen Projektor namens "Qwiek.up". Mit diesem projiziert er Sequenzen aus Meeren mit Fischen, Traumwelten voll bunter Seifenblasen oder Fotos aus der Vergangenheit der Bewohner in ihre Räume. Zur Entspannung und Anregung, um Geschichten zu erzählen.

Boris Stirnberg macht mit Pepper ein Bilderrätsel.

Boris Stirnberg lächelt, wenn er mit Pepper spielt

Der 53-jährige Boris Stirnberg, so alt wie Monen, lebt im Dorothee-Sölle-Haus. Er hört gerade Radio auf seinem Bett, als wir mit Pepper hineinkommen. Stirnberg hat Pepper noch nie gesehen. Monen hilft ihm beim Aufstehen und in den Rollstuhl. Als Pepper vor ihm steht, beäugt er die weiße Gestalt, die so groß ist, wie er in seinem Rollstuhl. Monen sagt, dass er sich ein Spiel bei Pepper aussuchen kann. Mit starren Fingern tippt Stirnberg auf das Display auf Peppers Brust, um ein Bilderrätsel zu lösen. Drei von vier Rätseln schafft er.

Danach tut der kleine Roboter so, als spiele er Trompete, golfe oder staubsauge. Stirnberg schaut gespannt zu. Als Pepper einen Witz erzählt, lächelt er. Sein Fazit: "Er ist witzig", sagt Boris Stirnberg. Allerdings könne er die Bilder, die Pepper anzeigt, nur schwer deuten. Und was wäre, wenn Pepper im Haus herumfahre und ihn ansprechen würde? "Das finde ich ungewöhnlich." Das mache ihm aber keine Angst. Er fände das interessant, sagt er.

Pepper besitzt zahlreiche Kontaktsensoren an Kopf, Händen, Brust und Füßen. Seine Hand greift wie die eines Menschen zu.

Was kann Pepper leisten, was nicht?

Pepper wurde geschaffen, um mit Menschen zu interagieren. Kurz: Der intelligente Roboter redet mit seinem Gegenüber und sieht aus wie ein Kind. Allerdings hat er 20 Motoren und einen Chip in seinem Inneren. Er merkt sich Dinge, die man in seiner Gegenwart sagt. Doch er hat seine Macken. Manchmal stürzt er ab - wie eine  App auf dem Handy. Als Pepper einmal vorlas, sprach ihn eine Dame an, ob er etwas wiederholen könne, erzählt Monen. Der Roboter las aber einfach weiter vor, denn er ist nur so gut wie seine Technik. Pepper arbeitet durch, solange sein Akku hält und der ist laut Hersteller nach 12 Stunden erschöpft. Er hilft und unterstützt Monen in seiner Arbeit als Betreuungsassistent. Aber er könne ihn nicht ersetzen, sagt er.

Blick in die Zukunft

Was bedeutet Pepper für die Zukunft der Pflege? "Für sie wird sich wenig ändern, da Pepper kein Assistenzroboter ist", sagt David Kuhl, Einrichtungsleiter des Dorothee-Sölle-Hauses. "Bei einzelnen Bewohnern und Bewohnerinnen wird gegebenfalls die pflegerische Versorgung etwas einfacher, weil durch die Ansprache und Beschäftigung Entspannung und Ausgeglichenheit gefördert werden können. Für die Betreuung beziehungsweise den Sozialen Dienst ergibt sich eine Erweiterung der Angebotsstruktur mit digitalen Inhalten."

Pepper kommt neben dem Dorothee-Sölle-Haus auch im Stammhaus der Diakonie Kaiserswerth zum Einsatz, um Erfahrungen mit ihm zu sammeln. "Ab dem Sommer planen wir, Pepper in allen Häusern der Diakonie Düsseldorf einzusetzen." Denkbar sei auch, dass Pepper einbezogen wird, wenn Kita-Kinder zu Besuch im Altenheim sind, sagt Kuhl. "Wir stehen hier noch am Anfang der Digitalisierung.!"

Text, Video, Fotos: Christoph Bürgener

Ihr/e Ansprechpartner/in
Christoph Bürgener

Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, Social Media

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Intersse an Pepper? Die Diakonie RWL unterstützt Sie bei der Suche nach Fördermitteln. Bei der Diakonie Düsseldorf ist der humanoide Roboter in der direkten Betreuung und bei der Diakonie Wuppertal in der Pflegeausbildung im Einsatz. Wenn Sie Interesse haben, dann melden Sie sich gerne bei Ulrich Christenn, unserer Leitung im Zentrum "Zentrum Drittmittel und Fundraising". Er berät Sie zu Fördermöglichkeiten.

Zahlen und Daten zu Pepper: Pepper ist 1,20 Meter klein, hat ein Gewicht von 28 Kilogramm, 12 Stunden Akkulaufzeit, 3 km/h Maximalgeschwindigkeit, ein Anti-Kollisions-System und läuft auf drei omnidirektionalen Rollen mit denen er jederzeit in eine beliebe Richtung fahren kann. Er besitzt eine 3D Kamera mit Gesichtserkennung, zwei Lautsprecher, vier Mikrophone am Kopf, zahlreiche Kontaktsensoren an Kopf, Händen, Brust und Füßen. Pepper hat einen 1.91 GHz Quad-Core-Prozessor, 4 GB RAM und eine 32 GB schnelle SSD-Festplatte und ist mit WIFI, Ethernet, USB und Bluetooth ausgestattet. Quelle:"„Entrance Robotics GmbH" aus Wuppertal und Hersteller "Softbank Robotics".