Montag, 26. Februar 2024

Gemeinsamer Verbund zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt

Evangelische Kirchen und Diakonie RWL unterzeichnen Erklärung

Wuppertal, 26. Februar 2024. Die Evangelischen Kirchen und die Diakonie RWL haben am Montag, 26. Februar 2024, in Wuppertal einen gemeinsamen Verbund zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt gegründet. Eine entsprechende Erklärung unterzeichneten die Leitungen der Evangelischen Kirche im Rheinland, der Evangelischen Kirche von Westfalen, der Lippischen Landeskirche und des Diakonischen Werkes Rheinland-Westfalen-Lippe – Diakonie RWL vor Medienvertreter*innen.

Ihr Ansprechpartner
Verena Bretz
Stabsstelle Politik und Kommunikation

Innerhalb Deutschlands bilden die Evangelische Kirche und die Diakonie neun entsprechende Verbünde. Am 13. Dezember 2023 hatten sich Evangelische Kirche und Diakonie gegenüber der Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) des Bundes zu einheitlichen Standards der Aufarbeitung von Fällen sexualisierter Gewalt und zur Gründung unabhängiger, regionaler Aufarbeitungskommissionen verpflichtet. 

"Grundlegend ist stets die Teilhabe der Betroffenen"

Der Koordinator des "Verbundes West", Vizepräses Christoph Pistorius (Düsseldorf), berichtete anlässlich der Unterzeichnung von den bereits erfolgten Vorarbeiten: Dazu gehörten die Klärung von Budgetfragen, die Ausschreibung einer Stelle für die Geschäftsführung der Unabhängigen Regionalen Aufarbeitungskommission sowie Vorplanungen für eine Forumsveranstaltung für Betroffene aus dem Gebiet des Verbund West. "Grundlegend ist stets die Teilhabe der Betroffenen. Es geht immer darum, ihr erlittenes Leid und widerfahrenes Unrecht anzuerkennen", erklärte Pistorius. 

Für das staatliche Aufarbeitungsgesetz

"Die unabhängigen regionalen Aufarbeitungskommissionen sind ein wichtiger Bestandteil für eine standardisierte und umfassende Aufarbeitung aller Fälle von sexualisierter Gewalt in Kirche und Diakonie", erklärte Kirsten Schwenke, Vorständin der Diakonie RWL. Die Geschäftsführung werde ihren Sitz in der "Fachstelle für den Umgang mit Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung" (FUVSS) der Diakonie RWL haben, die Geschäftsstelle solle noch im Frühjahr eingerichtet werden. Auch die Diakonie stehe fest hinter dem Grundsatz der direkten Mitentscheidung von Betroffenenvertreter*innen. Auch setze sich die Diakonie dafür ein, dass das angekündigte staatliche Aufarbeitungsgesetz kommt. "Dieses Gesetz würde betroffenen Personen einen Rechtsanspruch auf Aufarbeitung ihrer Fälle geben – und zwar nach einheitlichen und klar definierten Standards", sagte Schwenke. 

Unabhängige Expert*innen durch die Landesregierung benannt

In der zu bildenden Kommission werden unabhängige Expert*innen aus Wissenschaft, Fachpraxis, Justiz und öffentlicher Verwaltung, Betroffene sowie Vertreter*innen der Landeskirchen und der Diakonie zusammenarbeiten. Die unabhängigen Expert*innen werden durch die Landesregierung benannt und die Betroffenen von einer noch zu bildenden Betroffenenvertretung. Weniger als 50 Prozent der Mitglieder dürfen Beschäftigte der evangelischen Kirche oder der Diakonie sein oder einem ihrer Gremien angehören.

Stichwort: Sexualisierte Gewalt und Kirche

In der Evangelischen Kirche im Rheinland gelten seit 2002 Leitlinien zum Umgang mit sexualisierter Gewalt. Es gibt klare Verfahrenswege und Hilfen für Betroffene. Über Leitlinien, Positionen, Materialien und Ansprechpersonen informiert die Internetseite „Sexualisierte Gewalt und Kirche“. Auch stehen bundesweit folgende telefonische Hilfsangebote zur Verfügung: Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch (0800 2255530), Telefon-Seelsorge (0800 1110111).

Stichwort: Wortlaut Gemeinsame Erklärung

Gemeinsame Erklärung über eine unabhängige Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche und Diakonie nach verbindlichen Kriterien und Standards – Verbund: Verbund West. Hiermit machen wir, Evangelische Kirche im Rheinland, Evangelische Kirche von Westfalen, Lippische Landeskirche und Diakonisches Werk Rheinland-Westfalen-Lippe e. V., die beigefügte Gemeinsame Erklärung inklusive der dazugehörigen Auslegungshilfe uns zu eigen und erkennen die darin enthaltenen Verpflichtungen als für uns verbindlich an.