Freitag, 16. September 2016

Integrationsbegleitung im Zickzack-Kurs der Bundesregierung

Jugendmigrationsdienste benötigen mehr Mittel aus dem Bundeshaushalt

Düsseldorf/Stuttgart, 16.September 2016. Zum Abschluss der Aktionswoche Migration fordern das Diakonische Werk Rheinland-Westfalen-Lippe (Diakonie RWL) und die Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit (BAG EJSA) eine deutliche Erhöhung der Mittel für die Jugendmigrationsdienste auf mindestens 60 Millionen Euro. Tatsächlich wurden im aktuellen Haushaltsentwurf der Bundesregierung die Gelder in diesem Bereich um acht Millionen Euro gekürzt - von 50 Millionen Euro 2016 auf 42 Millionen Euro. Das entspricht in etwa einer Reduzierung auf den Stand von 2006.

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Zwar ist die Zahl der neu kommenden Geflüchteten gesunken. Die Gesamtzahl der Migrantinnen und Migranten mit Bleibeperspektive aber wächst ständig. Hinzu kommen viele Zuwanderer aus anderen EU-Staaten. Damit steigt auch der Bedarf an Beratung. „Angesichts der extrem gestiegenen Beratungszahlen wäre eine Mittelkürzung eine Katastrophe“, so Manfred Hoffmann, Geschäftsführer des Fachverbandes Migration und Flucht der Diakonie RWL. Bereits jetzt müssten viele junge Menschen zwei bis drei Monate auf einen Termin warten. Für die erfolgreiche Integration ist aber gerade in der Anfangsphase eine enge Begleitung erforderlich.

Auf einer im Rahmen der Aktionswoche Migration von der BAG EJSA und der Diakonie RWL veranstalteten Tagung in Mülheim an der Ruhr sprach sich Bettina Bundszus, Leiterin der Abteilung Kinder und Jugend im Bundesfamilienministerium, gegen Kürzungen in der Jugendmigrationsberatung aus. Das Bundesfamilienministerium setze sich für den Erhalt der Finanzierung ein, hieß es. Für die 140 Mitarbeitenden aus Jugendmigrationsdiensten, die an der Veranstaltung teilnahmen, ist das nicht genug. Viele berichteten von einer Verdoppelung der Beratungsanfragen allein im letzten Jahr.

Auf der Fachtagung wiesen Expertinnen und Experten auch auf die Bedeutung guter Beratung bei der Extremismusprävention hin - sowohl bei den hier aufgewachsenen Jugendlichen als auch bei den jungen Geflüchteten. Damit sich junge Menschen nicht einer radikalisierten Gruppe anschließen, müssten Desintegrations- und Abwertungserfahrungen vermieden werden. „Orientierung, Unterstützung und Anerkennung sind das wirksamste Mittel gegen Radikalisierung“, sagte Michael Fähndrich, Geschäftsführer der BAG EJSA.

Die Migrationsdienste sind auch für die sozialpädagogische Begleitung der Menschen zuständig, die an Integrationskursen teilnehmen. Für die Durchführung der Integrationskurse sollen allein 2017 über 600 Millionen Euro ausgegeben werden. „Hier muss ein Gleichgewicht bei der Bereitstellung von Mitteln für den Unterricht und die Beratung bestehen“, betont Manfred Hoffmann. Der Erfolg der Integrationskurse sei ohne die begleitende Beratung sonst für viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Frage gestellt.
 

Weitere Informationen zu den Jugendmigrationsdiensten finden Sie unter www.jugendmigrationsdienste.de
Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit (BAG EJSA): www.bagejsa.de.
Ausführliches Interview mit Manfred Hoffmann (Diakonie RWL) über die derzeitige Situation der Jugendmigrationsdienste und die Aktionswoche Migrationsdienste.