20. April 2017

Evangelische Kliniken Rheinland-Pfalz

Medizinische Betreuung von Menschen mit Behinderung

Die meisten Patienten gehen mit Ängsten und Anspannung ins Krankenhaus. Umso mehr, je weniger sie wissen, was auf sie zukommen wird. Kein Wunder, dass ein Klinikaufenthalt für Menschen mit einer geistigen Behinderung eine besondere Belastung darstellt. Wie man ihnen Ängste nehmen kann, war Thema eines Gesprächs Evangelischer Krankenhäuser in Rheinland-Pfalz mit dem Landesbehindertenbeauftragten Matthias Rösch.

Gruppenbild

Matthias Rösch, Landesbeauftragter für Menschen mit Behinderung, mit Günter Geisthardt, Vorsitzender der Evangelischen Krankenhäuser in Rheinland-Pfalz

Ein Krankenhausaufenthalt bedeutet für jeden Patienten eine außergewöhnliche Belastung. Für Tage oder Wochen kann das gewohnte Leben nicht stattfinden. Dazu kommen die fremde Umgebung, die nicht vertrauten Behandlungsabläufe und die Abwesenheit von wichtigen Bezugspersonen.

Insbesondere für Menschen mit geistiger Behinderung kann der Verlust der gewohnten Umgebung und Bezugspersonen schwierig sein. Viele haben Probleme, ihre Erkrankung und den damit zusammenhängenden Krankenhausaufenthalt einzuordnen. Nicht selten reagieren sie mit massiven Ängsten, sind unruhig, laut oder apathisch. All dies verunsichert auch Ärzte und Pflegepersonal. Der Klinikaufenthalt von Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung ist für sie oftmals eine besondere Herausforderung.

Noch viel zu tun: Gesundheit und Inklusion

Vertreterinnen und Vertreter evangelischer Krankenhäuser in Rheinland-Pfalz haben sich nun ausführlicher mit diesem Thema beschäftigt. Unter der Leitung des Vorsitzenden Günter Geisthardt diskutierten sie mit dem Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderungen, Matthias Rösch. "In der Praxis haben sich verschiedene Möglichkeiten bewährt, Menschen mit geistiger Behinderung die Angst und Unruhe zu nehmen", sagte Elke Grothe-Kühn, Leiterin des Geschäftsfeldes Krankenhaus und Gesundheit bei der Diakonie RWL. So könne ein Betreuer mitaufgenommen werden, den der Patient gut kenne. Eine andere Möglichkeit bestehe darin, eine Pflegekraft aus der Klinik zu bestimmen, die sich intensiver um Patienten mit Behinderung kümmere und dafür auch geschult sei.

Im Gespräch ging es zudem um das Spannungsverhältnis zwischen Dezentralisierung und angemessener gesundheitlicher Versorgung im Flächenland Rheinland-Pfalz, die Schnittstellenproblematik und die Auswirkungen des neuen Bundesteilhabegesetzes. Natürlich standen auch Fragen der Finanzierung im Mittelpunkt des ersten gemeinsamen Austausches.

Geduld, Toleranz und Respekt zeigen

"Unser Grundsatz muss lauten: evangelische Krankenhäuser zeigen Geduld, Toleranz und Respekt gegenüber dem Anderssein und nehmen sich ausreichend Zeit, Menschen mit Behinderung während ihres Genesungsprozesses zu begleiten", so fasste Elke Grothe-Kühn die Diskussion zusammen. "Das ist noch nicht in sämtlichen Bereichen evangelischer Kliniken Realität, doch wir alle haben das heute als Aufgabe mitgenommen."

Mit dem Landesbehindertenbeauftragten wurde verabredet, den Themenbereich "Gesundheit und Inklusion" weiter zu bearbeiten. Zu den Folgegesprächen sollen auch die Vertreterinnen und Vertreter der Landeskrankenhausgesellschaft, der Krankenkassen und der Selbsthilfeorganisationen geladen werden. 

Text und Foto: Rainer Dräger

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Rainer Dräger
Krankenhaus und Gesundheit, Betriebswirtschaftl. Beratung, Planung, Förderung, Finanzierung
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