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Freiwilligendienste

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Meldungen zu FSJ und BFD

Unsichere Zukunft von Zivildienst und Freiwilligendiensten

Was sagen Mitglieder der Diakonie RWL dazu?

Zivildienstleistender im Krankenhaus

Die Bundespolitik diskutiert die Abschaffung der Wehrpflicht und die Folgen dieser Entscheidung für den Zivildienst. Vor Ort machen sich die Einsatzstellen von Zivis Gedanken, wie es weitergehen soll. Das Freiwillige Soziale Jahr steht bei den Mitgliedern der Diakonie RWL hoch im Kurs.

Für den theologischen Vorstand des Diakonischen Werkes Gladbeck-Bottrop-Dorsten, Pfarrer Johannes Schildmann, bedeutet der Wegfall des Zivildienstes ein Qualitätsverlust der sozialen Dienstleistungen. „Dinge wie spazieren und einkaufen gehen oder auch um Hausmeisteraktivitäten, die werden fehlen.“ Weil die Abschaffung des Zivildienstes absehbar erschien, hat die Diakonie in Bottrop eine Alternative entwickelt: Das Programm „Life-Time“. Seit 2008 bietet das Werk jungen Menschen diese etwas abgewandelte Form des FSJ an. „Es ist im Prinzip wie ein freiwilliges soziales Jahr. Allerdings hat es den Vorteil, dass man die Dauer flexibel gestalten kann. Die Resonanz ist positiv. Wir wollen den jungen Leuten soziale Erfahrungen ermöglichen.“ So können die jungen Menschen wählen, ob sie das Praktikum für drei Monate oder ein ganzes Jahr absolvieren. „Auf dieses Projekt konzentrieren wir uns jetzt“, erklärt Öffentlichkeitsreferent Michael Horst, der hinzufügt: „Alle Verbände sind jetzt in der Pflicht. Gemeinsam müssen wir auf politischer Ebene dafür plädieren, dass wir entsprechende Mittel bekommen.“

 

Diakonie Niederberg: Mundpropaganda beschert Nachwuchskräfte

Die Diakonie im Kirchenkreis Niederberg würde bei einer Abschaffung des Zivildienstes auch gerne auf FSJler ausweichen. „Sie sind zwar teurer, aber dafür hätten wir längerfristig eine engagierte Kraft“, so der Geschäftsführer Werner Starke. Zur Zeit hat das Werk sieben Zivis und zwei FSJler. „Wir bekommen viele Anfragen über Mundpropaganda“, erklärt Starke gegenüber der Lokalpresse, „und hatten bisher nie Probleme Leute zu bekommen.“

 

Junge Frau im Freiwilligendienst, Foto: fotolia.da

Diakonisches Werk Duisburg: Abschaffung ist blauäugig

Als blauäugig bezeichnet Stephan Kiepe-Fahrenholz, Geschäftsführer des Diakonischen Werks Duisburg, ein mögliches Ende des Zivildienstes. Ein reiner Freiwilligendienst sei kein adäquater Ersatz: „Die ergänzenden Tätigkeiten, die durch die jungen Menschen ausgeführt werden, sind nicht zu unterschätzen. Ich rechne zwar mit einer gewissen Kompensation durch den FSJ, aber die Rechnung wird nicht aufgehen.“ Die ergänzenden Tätigkeiten der Zivis müssten zukünftig von den ausgebildeten Fachkräften übernommen werden, was für diese eine zusätzliche Belastung bedeuten würde.

 

Stiftung Wittekindshof: Gelassenheit

Gelassen reagiert die Diakonische Stiftung Wittekindshof auf die aktuelle Diskussion. „Unter rund 2 700 Mitarbeitenden haben wir nur 25 Zivildienststellen. Schon seit Jahren sind viele Stellen oft nicht besetzt", erklärt Martin Fels, Ressortleiter Personal und Recht. Ein soziales Pflichtjahr für alle lehnt er ab: „Man kann niemanden zwingen, sich einfühlsam auf Menschen mit Behinderung einzulassen." Der Wittekindshofer Personalchef betont die hohe gesellschaftspolitische Funktion des Zivildienstes und des Freiwilligen Sozialen Jahres, zu dem auch das Diakonische Jahr der Evangelischen Kirche in Westfalen gehört, an dem in den Einrichtungen des Wittekindshofes jährlich rund 40 Frauen und Männer teilnehmen. „Im Zivildienst und im Diakonischen Jahr erfahren junge Menschen, dass im Leben auch noch etwas ganz anderes als Leistung, Schönheit und Karriere zählen. Durch ihren Dienst werden unsichtbare Mauern zwischen Menschen mit und ohne Behinderung abgebaut," so Martin Fels.

 

Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel: Mehr Geld für FSJ

In Bethel boomt ein besonderes Angebot. Das „Betheljahr“ verzeichnet eine wachsende Nachfrage. Einem möglichen Aus für den Zivildienst sehe das bundesweit größte diakonische Unternehmen deshalb mit Gelassenheit entgegen. Alexander Pollhans, Leiter der Agentur Freiwilligendienste und Zivildienst in Bethel: "Wir haben erlebt, dass die Zeit des Zivildienstes ständig verkürzt wird und die Zahl der Zivildienstleistenden zurückgeht." Deshalb habe man jungen Menschen eine Alternative anbieten wollen. Im Jahr 2002 hat sich das diakonische Unternehmen als Träger eines eigenen Freiwilligen Sozialen Jahres anerkennen lassen. Seitdem rennen junge Leute der Freiwilligenagentur die Türen ein: Die Plätze wurden seit Beginn von 25 auf jetzt 280 mehr als verzehnfacht. Und noch immer kommen auf jeden Platz mindestens drei Bewerber. Zivildienstleistende gibt es in Bethel dagegen nur noch etwa 80. Sollte das Aus für den Zivildienst kommen, wäre das für Bethel kein großes Problem, ist denn auch Bethel-Sprecher Jens Uwe Garlichs überzeugt.

Das Betheljahr ist für die Diakonie und die jungen Menschen gleichermaßen ein Gewinn. "Durch das freiwillige Engagement bekommen wir eine enorme Unterstützung", sagt Pollhans. Die jungen Menschen brächten viele neue Ideen mit. Zudem sind sie ganz anders motiviert als bei einem staatlichen Pflichtdienst. Außerdem haben im Freiwilligen Sozialen Jahr auch junge Frauen die Möglichkeit, sich zu bewerben. Ein Betheljahrplatz erhalte aber im Vergleich zu einem Zivildienstplatz bislang nur ein Viertel der Zuschüsse, kritisiert Pollhans. Das müsse sich dringend ändern.

 

Diakonisches Werk Minden-Lübbecke: Freiwilligendienst für Studium anrechnen

Abwarten, was die Bundespolitik entscheidet, will die Diakonie in Minden-Lübbecke: "Wir dürfen uns nicht verrückt machen lassen. Es ist noch nichts in trockenen Tüchern", sagte Friedrich-Wilhelm Greve, Zivildienst-Beauftragter der Diakonie im Kirchenkreis Lübbecke gegenüber einer Zeitung. Dass der von Familienministerin Kristina Schröder angedachte Freiwilligendienst erfolgreich sein wird, glaubt er nicht: "Die jungen Leute wollen schnell studieren. Das passt meistens nicht in ihre Lebensplanung." Der Jugendpfarrer des Kirchenkreises Lübbecke hofft, „dass ein attraktiver Freiwilligendienst eingeführt wird. Der darf aber nicht parallel zum Freiwilligen Sozialen Jahr laufen. Besser sollte eine starke Sache gefördert werden.Wenn man sich den Freiwilligendienst fürs Studium anrechnen lassen könnte, wäre er für viele junge Menschen durchaus attraktiv.“

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