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Freiwilligendienste

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Meldungen zu FSJ und BFD

Freiwillige statt Zivis

Evangelische Kirche und Diakonie planen soziale Arbeit ohne Zivildienst

Barbara Montag (Geschäftsbereichsleitung Familie und Bildung, Diakonie RWL), Präses Nikolaus Schneider, Dr. Jens Kreuter, Dr. Uwe Becker (v.l.) im Gespräch mit Zivildienstleistenden

Die Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe und die Evangelische Kirche im Rheinland stellen sich ein auf die Zeit nach der Wehrpflicht und damit auf eine Zeit ohne Zivildienstleistende. In Gesprächen mit der Bundesregierung geht es um den Ausbau von Freiwilligendiensten. So sollen die Auswirkungen für soziale Einrichtungen begrenzt werden und gleichzeitig jungen Menschen weiterhin die Chance gegeben werden, wichtige Erfahrungen für ihr Leben zu machen.

„Bei der Diakonie werden keine Arbeitsfelder zusammenbrechen, wenn es keine Zivis mehr gibt. Die Situation wird aber ehrlicher, wenn statt eines Pflichtdienstes freiwillige Angebote ausgebaut werden“, so Dr. Uwe Becker, Vorstand der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe auf einer Pressekonferenz am Donnerstag in Solingen. Im Gespräch mit dem Bundesbeauftragten für den Zivildienst, Dr. Jens Kreuter, und dem Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, sprach sich der Diakonie-Vorstand für eine Attraktivierung von Freiwilligendiensten aus. „Die Einsatzfelder müssen Qualität haben und Möglichkeiten der beruflichen Orientierung bieten. Da fallen dann sicher Hausmeistertätigkeiten als erstes weg.“

 

Heribert Michels und Michael Brausch, Zivildienst-Referenten der Diakonie RWL, im Gespräch mit Dr. Jens Kreuter

Keine Konkurrenz der Freiwilligendienste

Für den Zivildienstbeauftragen der Bundesregierung ist das Ende des Zivildienstes bis Mitte nächsten Jahres absehbar. Deshalb arbeitet die Bundesregierung im Dialog mit den Wohlfahrtsverbänden an einer Stärkung der Freiwilligendienste. Neben den bestehenden Angeboten – wie dem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) und dem Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ), die von den Bundesländer getragen werden – solle ergänzend ein Freiwilligenprogramm treten, das vom Bund finanziert wird. „Eine solche zweite Rechtsform ist aus Gründen des Förderalismus erforderlich, aber nicht als Konkurrenz zu verstehen.“ Die Diakonie RWL begrüßt die Absicht, Mittel aus dem Zivildienst für die Förderung freiwilligen Engagements junger Menschen zu erhalten.

 

Freiwilligendienste wichtig für Gesellschaft

Als Chance bezeichnete der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, das Ende des Zivildienstes. „Es kann ein Bewusstsein dafür wachsen, dass ein freiwilliger Einsatz für andere wichtig für unsere Gesellschaft ist.“ Junge Menschen müssten erfahren, dass das Zusammenleben nicht nur von Geschäftsbeziehungen geprägt ist, sondern dass „die Gesellschaft davon lebt, dass man auch mal etwas tut, ohne dafür etwas zu bekommen.“

 

Ablehnung eines Pflichtdienstes

Alle drei wandten sich strikt gegen jegliche Art eines Pflichtdienstes, weil das ein nicht zu rechtfertigender Eingriff in die Freiheitsrechte der Menschen sei. „Gerade im Dienst am Menschen ist es wesentlich sinnvoller freiwilliges Engagement zu fördern, als jemanden dazu zu verpflichten“, so der Diakoniepfarrer Uwe Becker.

 

Diakonie als größter Zivildienst-Träger

Rund 4 000 Zivildienstleistende haben im vergangenen Jahr ihren Dienst in einer evangelischen Einrichtung in Rheinland, Westfalen und Lippe getan. 70 Prozent von ihnen waren im unmittelbaren Dienst an hilfebedürftigen Menschen tätig. Die Haupteinsatzfelder sind Krankenhäuser, Behindertenhilfe und die Kinder- und Jugendarbeit. Die Teilnehmerzahlen des Freiwilligen Sozialen Jahres bei der Diakonie stiegen in den letzten Jahren stetig an. Im Moment gibt es rund 670 FSJler bei der Diakonie RWL und 1 200 FSJ-Plätze zur Auswahl. Dieses Angebot soll weiter ausgebaut werden vor allem mit Blick auf den doppelten Abiturjahrgang in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2013.

 

Weitere Informationen

Perspektiven von Wehrpflicht, Zivildienst und Freiwilligendiensten
Stellungnahme der Diakonie RWL
Stellungnahme des DW EKD

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