4. März 2011
Alternative zum System der "Pflegenoten"
Pflegepraktiker begrüßen neues Konzept für Qualität und Transparenz in der Pflege

Dr. Klaus Wingenfeld
"Das neue Modell für Qualität und Transparenz in der Pflege eignet sich besser als alles bislang Dagewesene für die Bewertung von Pflegeleistungen. Es kommt der berechtigten Forderung der Verbraucher nach verlässlicher Information entgegen", so Ulrich Christofczik, Geschäftsbereichsleiter für Pflege, Alten- und Behindertenarbeit in der Diakonie RWL zu den Ergebnissen einer neuen Studie zu Qualität in der Pflege.
Die von der Bundesregierung beauftragte Studie wurde am 4. März 2011 auf einer Veranstaltung des Fachverbandes für Altenarbeit der Diakonie RWL in Münster vorgestellt. Sie zeigt Alternativen zum vielfach kritisierten System der Pflegenoten.
Dr. Klaus Wingenfeld, Pflegewissenschaftler an der Universität Bielefeld und einer der Autoren der Studie, erläuterte die neuen Instrumente, mit denen Qualität von Pflege in Altenheimen seriös erhoben und verbessert werden kann. Anders als die bisherigen Pflegenoten, die sich überwiegend auf Aspekte der Prozessqualität beziehen wie Pflegedokumentation und Konzepte, geht es bei dem neuen Ansatz wirklich um die Ergebnisse von Pflege, also die Wirkungen auf Wohlbefinden, Gesundheit und Selbstständigkeit der Bewohner, so die übereinstimmende Bewertung der Vorsitzenden des Fachverbandes, Gerhard-Wilhelm Brand und Dieter Hanke. Pflegeexperten vermuten, dass dieses Konzept das bisherige System der Pflegenoten ersetzen könnte.

Kérstin Perez, Dr. Klaus Wingenfeld, Dieter Hanke, Gerhard-Wilhelm Brand und Rudolf Michel Fabian mit Journalistinnen und Journalisten
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Interne und externe Qualitätsprüfungen
Das neue Modell für Qualität und Transparenz in der Pflege baut auf ein Zusammenspiel von internem Qualitätsmanagement und externen Qualitätsprüfungen. "Im Unterschied zu dem bisherigen System der Pflegenoten kommt das neue Modell der Verbesserung von Pflege unmittelbar zugute", erläutert Rudolf Michel-Fabian, Referent bei der Diakonie RWL und Geschäftsführer des Fachverbandes. Dies bestätigt auch Kerstin Pérez, Leiterin des Altenheims Haus Bergfrieden in Kirn, die sich an der Erprobung des neuen Instruments in der Praxis beteiligt hat. "Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können einen direkten Nutzen für ihre Arbeit vor Ort ziehen", so die Altenheimleiterin.
Vor sechs Monaten wies die Diakonie RWL mit einer Veröffentlichung auf die gravierenden Mängel im System der Pflegenoten hin. Inzwischen ist es in einer breiten Fachwelt überwiegend Konsens, dass die Pflegenoten in der bestehenden Form irreführend sind. 200 Mitarbeitende aus der Pflegepraxis nahmen an der Veranstaltung teil.
Mehr zu Unterschieden zwischen dem alten System der Pflegenoten und dem neuen Ansatz für Qualität und Transparenz in der Pflege in einer separaten Übersicht.
Die Studie erscheint in Kürze
„Entwicklung und Erprobung von Instrumenten zur Beurteilung der Ergebnisqualität in der stationären Altenhilfe“: Abschlussbericht vom 31. Januar 2011. Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit und dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Erstellt vom Institut für Pflegewissenschaft an der Universität Bielefeld (IPW) und dem Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik GmbH (ISG).
Materialien
- Auf einen Blick
- Die Unterschiede zwischen dem alten System der Pflegenoten und dem neuen Ansatz für Qualität und Transparenz in der Pflege
- Präsentation von Dr. Klaus Wingenfeld
- Perspektiven der Beurteilung von Ergebnisqualität in der stationären Altenhilfe
Präsentation von Dr. Klaus Wingenfeld auf der Tagung des Evangelischen Verbands für Altenarbeit in den Diakonischen Werken Rheinland, Westfalen und Lippe (EVA-RWL) am 4. März 2011 in Münster
Weitere Informationen
- Kritische Auseinandersetzung mit dem System der Pflegenoten
- Schaffen Pflegenoten Transparenz? Diakonischer Zwischenruf_02, 2010
- Neues Konzept für Qualität und Transparenz in der Pflege (Abschlussbericht)
- Entwicklung und Erprobung von Instrumenten zur Beurteilung der Ergebnisqualität in der stationären Altenhilfe (Abschlussbericht)
- Einführung in das System der MDK-Prüfungen
- www.mdk-pruefung.com
Einführung in das System der MDK-Prüfungen (keine offizielle Website des MDK)
Videodokumente von der Veranstaltung
Dieter Hanke, Vorsitzender des Evangelischen Verbands für Altenarbeit in den Diakonischen Werken Rheinland, Westfalen und Lippe (EVA-RWL), führt in die Diskussion um Qualität und Transparenz in der Pflege ein.
Dr. Klaus Wingenfeld, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Instituts für Pflegewissenschaft an der Universität Bielefeld (IPW), erläuterte die neuen Instrumente, mit denen Qualität von Pflege in Altenheimen seriös erhoben und verbessert werden kann. Grundlage ist eine im Januar 2011 vorgelegte Studie zur Egebnisqualität in der Pflege, die von der Bundesregierung in Auftrag gegeben wurde.
Präsentationsfolien zum Vortrag von Dr. Klaus Wingenfeld
Spontane Stimmen von Pflegepraktikerinnen und Pflegepraktikern nach dem Vortrag von Dr. Klaus Wingenfeld über neue Konzepte für Qualität und Transparenz in der Pflege.