8. April 2011
Demenz erfordert Verständnis
Demenzkampagne im Bergischen und Oberbergischen Land

Zunächst sind es nur Aussetzer des Kurzzeitgedächtnisses. Mit der Zeit tauchen Erinnerungslücken in der eigenen Vergangenheit auf. Gelernte Fertigkeiten gehen in einem schleichenden Prozess verloren. Demenz ist eine Krankheit, die den Betroffenen unaufhaltsam ihre emotionalen und sozialen Fähigkeiten nimmt, ihr Erleben, Denken und Verhalten verändert und sie zunehmend hilfloser macht. Das Demenz-Servicezentrum Bergisches Land, die Evangelischen Stiftung Tannenhof und die Diakonie im Rheinland starten heute eine Demenzkampagne mit Unterstützung der Städte Wuppertal, Solingen und Remscheid
Hilfe im Alltag ist unabdingbar
„Ohne Geist“ - so lautet die wörtliche Übersetzung des Wortes Demenz aus dem Lateinischen. Mit Fortschreiten der Krankheit können Betroffene ihr Leben nicht mehr allein bewältigen, sie brauchen Hilfe. Häufig sind es Angehörige, die die Pflege der Erkrankten übernehmen. Dabei kann die neue, ungewohnte Situation schnell zur Belastungsprobe für beide Seiten werden. Das Verhalten Demenzkranker ist für gesunde Menschen oft nur schwer nachvollziehbar. Zwischen Verzweiflung, Traurigkeit, Ungeduld und Erschöpfung bewegen sich viele Angehörige, die sich der Verantwortung stellen, einen Demenzkranken zu pflegen.
Demenz
Demenz (lat. Dementia = ohne Geist) ist eine Hirnerkrankung, die mit einer Persönlichkeitsveränderung und dem Verfall der geistigen Leistungsfähigkeit einhergeht. Das umschließt u.a. die Merkfähigkeit, den Orientierungssinn, das Urteilsvermögen und im späteren Krankheitsverlauf auch die Sprach- und die Rechenfähigkeit. Die häufigste Form der Demenz ist die Alzheimer-Krankheit.

Hohes Maß an Anpassung
Diese pflegenden Angehörigen stehen im Mittelpunkt einer Kampagne, die das Demenz-Servicezentrum Bergisches Land gemeinsam mit der Evangelischen Stiftung Tannenhof und der Diakonie im Rheinland ins Leben gerufen hat. Häufig wird vergessen, dass auch Angehörige demenzerkrankter Menschen ihr Leben anpassen, eigene Wünsche und Bedürfnisse zurückstellen müssen. Mit dem Projekt sollen Verständnis und Offenheit für das Thema Demenz geschaffen werden, und zwar ganz bewusst aus Sicht der Angehörigen, die den Verlust eines geliebten Menschen erleben müssen.

Veranstaltungen zur Kampagnenstart
Zum Auftakt der Kampagne findet am Donnerstag, 14. April, um 19 Uhr in der Thalia-Buchhandlung in der Schlössersgasse 3, 42103 Wuppertal, (Tel. 0202 3175330) ein Veranstaltungsabend statt. Prof. Dr. Nikolaus Michael, Leitender Arzt der Evangelischen Stiftung Tannenhof, referiert über „Demenz: Kranke wie Angehörige verstehen“.
Am Freitag, 15. April, hält Dieter Hanke, Leiter des Evangelischen Seniorenzentrums Vohwinkel und Vorsitzender des Fachverbandes für Altenhilfe in der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, um 19 Uhr einen Vortrag bei Thalia. Im Anschluss daran liest Anne Fisch aus Stella Braams Buch „Ich habe Alzheimer“ vor.

Demenzparcours gewährt Einblicke
Wie sich Demenzkranke fühlen, können Außenstehende nur erahnen. Einen Einblick in die Welt der Betroffenen gibt der Demenzparcours, der an beiden Tagen in der Schlössersgasse aufgebaut wird. Entwickelt wurde er auf der Grundlage der Symptome, die bei einer Demenzerkrankung auftreten können. Wie fühlt es sich an, wenn das Zubinden der Schuhe zur Herausforderung wird? Diese und andere Erfahrungen können Besucher im Demenzparcours machen. Betreut wird der Parcours von Mitarbeitern des Demenz-Servicezentrums.
Weitere Informationen zum Thema Demenz
- Kampagne-Homepage / Demenz-Servicezentrum Bergisches Land
- www.mit-demenz-leben.de
- Informationen für Ratsuchende beim "Forum Demenz"
- www.forum-demenz.net
- Informationsseiten der Demenz-Servicezentren NRW
- Hilfen für Betroffene