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Diakonie RWL

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Geschichte

Früstin Pauline

Fürstin Pauline, Quelle: Fürstin Pauline Stiftung

Die Anfänge im 19. Jahrhundert

Die Geschichte der Diakonie in Rheinland, Westfalen und Lippe reicht zurück in die Anfänge des 19. Jahrhunderts. Damals begann die Strukturierung des konfessionellen Helfens. So gründeten engagierte, christlich motivierte Bürger lokale Vereine für innere Mission, Rettungshäuser für verwahrloste Jugendliche und Kleinkinderbewahranstalten. Dazu gehören etwa das Rettungshaus in Düsselthal, 1822 vom Grafen Adelberdt von der Recke-Volmarstein ins Leben gerufen, die Kinderbewahranstalt der Fürstin Pauline von Lippe-Detmold (1803) oder auch Haus Overdyck bei Bochum aus dem Jahr 1819.

Theodor Fliedner

Theodor Fliedner, Quelle: Fliedner Kulturstiftung

Die ersten gemeinsamen Organisationen

Die gemeinsame Geschichte rheinisch-westfälischer Diakonie in organisatorischer Verbindung beginnt mit der Rheinisch-Westfälischen Gefängnisgesellschaft, die 1826 von Theodor Fliedner gegründet wurde. Von 1861 bis 1888 gab es den rheinisch-westfälischen Provinzial-Ausschuss für Innere Mission. Die Jahre des Kaiserreiches sind ansonsten die Jahre des Aufbaus und Ausbaus der großen Anstalten und Werke wie Bethel, Volmarstein, Wittekindshof, Hephata, Bad Kreuznach, Eben-Ezer in Lemgo und viele andere. Meist verbanden sich Krankenpflege und Behindertenhilfe mit der Ausbildung und Beschäftigung von Diakonissen und Diakonen.

Martin Niemöller

Martin Niemöller, Quelle: ekhn.de

Entstehung der regionalen diakonischen Landesverbände

Als Gegenüber zum ersten echten Wohlfahrtsstaat auf deutschem Boden wirkten die regionalen diakonischen Landesverbände in Lippe, Westfalen und im Rheinland ab 1923. In diesem Jahr wurde Martin Niemöller erster hauptamtlicher Vereinsgeistlicher der westfälischen Inneren Mission. Tatkräftig förderte er vor allem die Entstehung kreiskirchlicher diakonischer Werke. 1927 wurde er Mitgründer der Darlehnsgenossenschaft der Westfälischen Inneren Mission. Für die rheinische Diakoniegeschichte ist die Kontinuität, in der Pfarrer Otto Ohl von 1912 bis 1963 die Geschicke des Landesverbandes leitete, ein herausragendes Kennzeichen.

Überleben im „Dritten Reich“

In den Jahren des „Dritten Reiches“ bewegten sich die Arbeitsfelder, Anstalten, Werke, Vereine und Verbände der christlichen Liebestätigkeit in Rheinland, Westfalen und Lippe zwischen Anpassung und Widerstand. Die Mischungsverhältnisse waren von Ort zu Ort und von Handlungsfeld zu Handlungsfeld sehr unterschiedlich. Haupttendenz war in der Regel ein Kurs pragmatischer Anpassung mit dem Versuch, die Arbeit für die Hilfebedürftigen aufrechtzuerhalten.

Das Evangelische Hilfswerk als zweite Säule der kirchlichen Hilfe

In den Notlagen der Trümmergesellschaft nach 1945 wurde das Evangelische Hilfswerk neben der traditionellen Inneren Mission zur zweiten Säule evangelisch-kirchlicher Hilfe. In den 1960er Jahren erfolgte die Zusammenführung unter dem Namen Diakonisches Werk. Brot für die Welt, seit 1959 weltweit aktiv, hat von Anfang an eine starke Unterstützung aus der lippischen, rheinischen und westfälischen Landeskirche erfahren.

Diakonie im Wandel

Während die Innere Mission des 19. Jahrhunderts das Reich Gottes erstrebte, war die Diakonie späterer Jahre maßgeblich beteiligt am Aufbau des Sozialstaats. Dabei kam es im Gefolge der politisch-kulturellen Aufbrüche von 1968 zu einer massiven Personalausweitung, zur Professionalisierung der Arbeit und zu einer Ausdifferenzierung und Spezialisierung der Hilfeformen. Grob gesagt: Aus geschlossenen Anstalten wurden ambulante Beratungsstellen und der Fürsorgeuntertan wurde zum Sozialbürger – heute gerne „Kunde“ genannt.

Mit der Entwicklung von der Sozialen Marktwirtschaft zur Marktwirtschaft im Sozialen muss sich die Diakonie insgesamt wie auch mit ihren Spitzenverbänden neuen Herausforderungen stellen. Kostendruck, mangelnde Planungssicherheit in der pflegerischen und sozialen Arbeit, die Europäisierung der sozialen Dienstleistungen, der innerdiakonische Wettbewerb, die Alterung der Gesellschaft und die Wiederkehr der alten Armenfürsorge kennzeichnen nur einige zentrale Trends, mit denen sich die Diakonie an der Schwelle des 21. Jahrhunderts auseinandersetzen muss.

Ziele für die Zukunft

Wenn sich 200 Jahre nach der Geburt des Diakoniepioniers Johann Hinrich Wichern die Diakonischen Werke Rheinland, Westfalen und Lippe zum größten regionalen Verband der Freien Wohlfahrtspflege zusammenschließen, tun sie das mit dem Ziel:

  • das Profil des kirchlichen Werkes Diakonie zu schärfen
  • die fachliche Qualität der Arbeit für Hilfebedürftige weiterzuentwickeln
  • die sozialanwaltschaftliche Lobbyarbeit für benachteiligte und behinderte Menschen zu stärken und Sozialwirtschaft, bürgerschaftliches Engagement und Gemeinwohl zukunftsfähig zu organisieren