7. Oktober 2011
"Hier bin ich zu Haus!"
Konzepte der Quartiersentwicklung für individuelle Lebensformen im Alter

Teilnehmende der Tagung vor Informationsständen der Diakonie
Seniorengerechte Wohnquartiere entstehen nicht von alleine, sie brauchen "Ermöglichungsstrukturen". Dazu gehören hauptamtliche Strukturen und verlässlich gesicherte finanzielle Rahmenbedingungen. Diese Thesen zogen sich als roter Faden durch die Mehrzahl der Beiträge auf der Tagung der Freien Wohlfahrtspflege NRW zum Thema Quartiersentwicklung. "Quartiersentwicklung kann nur durch eine dauerhafte finanzielle Unterstützung auch von Seiten des Landes realisiert werden", betonte der LAG-Vorsitzende Andreas Meiwes.
Ministerin Barbara Steffens sprach sich auf der Tagung für eine konsequente Sozialraumorientierung in der Pflegeplanung aus. Nur wenn es gelinge, möglichst vielen Menschen bis ins hohe Alter ein Leben in ihrem vertrauten Quartier zu ermöglichen, seien die Herausforderungen des demographischen Wandels zu meistern, sagte die NRW-Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter, Barbara Steffens.
Ein guter Motor für eine zukunftsorientierte Quartiersentwicklung ist ein Netzwerk von Verbänden, Initiativen und Wohnungsbaugesellschaften unter Federführung der Kommunen, so Dr. Wilfried Reckert, Seniorenbeauftragter der Stadt Gelsenkirchen, in seinem Einführungsreferat. Er verwies auf gute Erfahrungen in Gelsenkirchen, wo die altersgerechte Quartiergestaltung Teil eines kommunalen Strategieplans geworden ist. Gabriele Winter, Vorsitzende des Unterausschuss Seniorenarbeit und -politik der Landesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrtspflege NRW, warb auf der Tagung für eine basisbudgetfinanzierte Seniorenarbeit, wie sie in einer kürzlich von der Diakonie erarbeiteten Expertise empfohlen wird.
Beratungsangebot der Diakonie RWL
Die Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe hat im letzten Jahr ein eigenständiges Beratungs- und Qualifizierungsangebot zur Sicherung der Lebensqualität in Städten und Gemeinden aufgebaut. "Das Angebot unterstützt unsere Mitglieder dabei, die Entwicklung altersgerechter Wohnviertel in neuen Netzwerken aktiv zu gestalten", erläutert Ulrich Christofczik, Leiter des Geschäftsbereichs für Pflege, Alten- und Behindertenarbeit in der Diakonie RWL. Wichtig sei, die Frage der Quartiersentwicklung nicht gegen die Entwicklung der stationären Altenhilfe auszuspielen. Christofczik: "Zukunftsfähige Quartiere brauchen einen intelligenten Mix aus offenen, ambulanten, teilstationären und stationären Angeboten." Altenheime sollten sich dafür aktiv in das Gemeinwesen öffnen und in lokale Netzwerke einbringen. "Diakonische Einrichtungen verfügen mit ihren klassichen Kontakten zur Ortsgemeinde über eine gute Erfahrungsgrundlage für die Mitwirkung im Gemeinwesen", so Christofczik. Dazu gehöre auch die aktive Öffnung nach innen für Menschen, die mitdenken und mitgestalten wollen.
Materialien
- Rückblick auf das Programm der Tagung in Gelsenkirchen
- "Hier bin ich zu Haus!" - Programm der Tagung am 5. Oktober in Gelsenkirchen
Weitere Informationen
- Dossier zu Quartiersentwicklung und Altenarbeit im Gemeinwesen
- Altenarbeit im Gemeinwesen