"In der Vergangenheit wurden unzählige Modellvorhaben zur Gestaltung quartiersbezogener Netzwerke für generationengerechte Kommunen erprobt. Trotz ihres nachweisbaren Erfolges wurde vieles wegen fehlender Anschlussfinanzierung beendet", so Diakonie-Präsident Johannes Stockmeier in der Vorstellung eines neuen Konzepts für Nachhaltigkeit in der gemeinwesenorientierten Altenarbeit. Die Handreichung, an deren Erarbeitung die Diakonie RWL beteiligt war, sieht Lösungsmöglichkeiten in einer konsequenteren Bündelung von Ressourcen und Maßnahmen in Netzwerken und Trägerverbünden. Beispiele aus sieben Kommunen illustrieren, was bereits jetzt schon machbar ist. Die empfohlenen Maßnahmen wirken so wie ein "Altenhilfestrukturgesetz von unten". Forderungen an die Politik gibt es trotzdem.
Gemeinwesenorientierte Altenabeit im Spektrum der Altenhilfe
Altenhilfe im Gemeinwesen: Strukturen vernetzen, Netzwerke fördern Ulrich Christofczik zum Stellenwert gemeinwesenorientierter Altenabeit im Spektrum der Altenhilfe
Die Zahl der Suizide im Alter steigt kontinuierlich. Im Modellprojekt „Krisen und suizidale Entwicklungen im Alter“ werden an drei Standorten in NRW regionale Unterstützungsnetzwerke für Ältere aufgebaut, die ältere Menschen ansprechen und unterstützen sollen, bevor eine Krisensituation entsteht. Das Projekt soll das Problem der Alterssuizide stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken und Strategien zur Suizidprävention entwickeln. Im Zentrum steht der Aufbau von Netzwerken und zugehenden Beratungsangeboten.
In der Expertise "Perspektiven der Diakonie im gesellschaftlichen Wandel", einer im Auftrag der Delegiertenversammlung des Diakonischen Werkes der EKD erstellte Analyse zu Zukunft der Diakonie, geht es auch um die Auswirkungen des demographischen Wandels. Auch dort wird für eine stärkere Vernetzung von Angeboten plädiert - und für eine kommunikative soziale Netzwerkarbeit: "Erfahrungen haben gezeigt, dass das Potenzial einer primär auf Hilfeerbringung ausgerichteten Gewinnung ehrenamtlichen Engagements begrenzt bleibt. Als besonders wirksam haben sich demgegenüber Modelle zur sozialen Netzwerkarbeit erwiesen, die Kommunikation und Partizipation im Wohnumfeld stärken und das Potenzial an Selbsthilfekräften durch eine Kultur selbstverständlicher Hilfeerbringung erweitern." (42)
Modelle sozialer Netzwerkarbeit in Kirchengemeinden
Wie kann es gelingen, mehr Menschen – vor allem Ältere – für Kirche und Diakonie zu interessieren und Ressourcen von Kirchengemeinden besser in das Gemeinwesen einzubringen? Auf einer Tagung des Evangelischen Zentrums für Innovative Seniorenarbeit am 1. Oktober 2010 in Mülheim, wurde gezeigt, was Kirchengemeinden zum sozialen Leben im Stadtteil beitragen können. Im Zentrum stand das Netzwerk Mülheim-Saarn, das sein fünfjähriges Bestehen feierte.
Begegnungsräume zu schaffen und neue Kontakte zu ermöglichen, gehört zu den klassischen Zielen der offenen Seniorenarbeit. Die Chancen zur sozialen Vernetzung hängen dabei vielfach von der Gestaltung und Qualität der Begegnungsmöglichkeiten ab. Die so genannte Netzwerkarbeit mit Älteren ist einer der modernsten Ansätze dazu. Aber welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, dass freundschaftliche Kontakte entstehen und individuelle soziale Netze und informelle Unterstützungsstrukturen sich erweitern können? Um solche Fragen geht es im Themenschwerpunkt „netzwerk-sensible Seniorenarbeit“, der unter Beteiligung der Diakonie RWL im Forum Seniorenarbeit NRW erschien.
Beim Aufbau von Netzwerken im Gemeinwesen kann auch daran gedacht werden, die Arbeit von Kirchengemeinden und diakonischen Einrichtungen besser zu vernetzen. Ein Dossier zum Thema "Gemeinde & Diakonie" rückt diesen Aspekt der Netzwerkarbeit in den Fokus.
Konzepte der Quartiersentwicklung für individuelle Lebensformen im Alter
Seniorengerechte Wohnquartiere entstehen nicht von alleine, sie brauchen "Ermöglichungsstrukturen". Dazu gehören hauptamtliche Strukturen und verlässlich gesicherte finanzielle Rahmenbedingungen. Diese Thesen zogen sich als roter Faden durch die Mehrzahl der Beiträge auf der Tagung der Freien Wohlfahrtspflege NRW zum Thema Quartiersentwicklung. "Quartiersentwicklung kann nur durch eine dauerhafte finanzielle Unterstützung auch von Seiten des Landes realisiert werden", betonte der LAG-Vorsitzende Andreas Meiwes.