1. März 2010
„Leben bis zuletzt“
Bei der Diakonie Vlotho hat die Sterbebegleitung einen hohen Stellenwert

Da sein: Diplom-Pflegewirtin Heidi Wahl begleitet eine Sterbende auf ihrem letzten Weg. Foto: Diakonie Vlotho
Tod und Sterben werden im Alltag oft verdrängt. Meist aus Angst, wie professionelle Sterbebegleiter wissen. Im Stift Eidingsen, im ostwestfälischen Bad Oeynhausen, arbeiten Seelsorger, Ärzte, Angehörige, Pflegepersonal und Mitarbeiter des ökumenischen Hospizkreises Hand in Hand, um sterbende Menschen möglichst individuell und wunschgerecht zu betreuen. Mit Vorlesebüchern, Gebetssammlungen, Kerzen, Duftölen und einem Qualitätszirkel von speziell ausgebildeten Sterbebegleitern, die sich gegenseitig ergänzen.
Die individuelle Betreuung Sterbender fängt manchmal mit ganz einfachen Dingen an: „Manche Bewohner wünschen sich, dass wir gemeinsam beten oder ein Lied singen. Es gibt Sterbende, die sich einen Besuch ihres Pfarrers aus der Heimatgemeinde wünschen. Andere möchten ganz konkret besprechen, wo sie beerdigt werden oder in welcher Kleidung sie zur letzten Ruhe gebettet werden. Wir haben Bewohner, die sich wünschen, dass ihre Angehörigen Tag und Nacht da sind. Andere möchten hin und wieder eine Ruhephase, in der sie allein sein können. Es gibt Sterbende, die kämpfen und Sterbende, die sich nur verabschieden wollen", weiß Heidi Wahl aus eigener Erfahrung.
Gründliche Schulung für Mitarbeitende
„Der Tod ist individuell und genauso individuell ist die Begleitung eines Sterbenden, sagt die Diplom-Pflegewirtin im Stift Eidingsen. Umso mehr Wert legt Heidi Wahl auf eine enge Zusammenarbeit und gründliche Schulung aller Mitarbeiter, wenn es um das würdevolle Sterben geht. Unter dem diakonischen Motto „Leben bis zuletzt" machen sich die Sterbebegleiter dafür stark, dass Trost, Beistand und menschliche Zuwendung in der letzten Lebensphase einen besonderen Stellenwert bekommen.
Angstbesetztes Thema
Dazu gehört auch, dass die Mitarbeiter der Pflege und des Sozialdienstes regelmäßig im Umgang mit Sterbenden geschult werden. Und dass sie die Möglichkeit zur eigenen Auseinandersetzung mit dem schwierigen Thema erhalten. „Wer sich um den Tod und das Sterben von Bewohnern kümmern soll, muss sich auch mit seinen eigenen Einstellungen zu diesem angstbesetzten Thema beschäftigen können. Denn wenn ich selbst Angst vor dem Sterben habe, übertrage ich dieses Gefühl vielleicht auf meinen Schützling", weiß Heidi Wahl.
Hilfreich ist dabei auch der Qualitätszirkel, in dem sich die Mitarbeiter ständig weiter entwickeln können und zum Abendmahlhelfer ausgebildet werden, der Aussegnungen vornehmen kann. Und die enge Zusammenarbeit mit dem Hospizkreis des Diakonischen Werkes.
Eine humorvolle Auseinandersetzung mit dem Thema Tod ist im Stift Eidingsen für den 20. Juni geplant. Ab 19.30 Uhr wird dort der Film „Jetzt oder nie - Zeit ist Geld" gezeigt.