Hans W. Höroldt zum Thema "Gemeinde & Diakonie"
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Hans Höroldt führt in seinem Einführungstext in die „Grundmelodie“ des Themas ein: Gerade in der bewussten Wahrnehmung des diakonischen Auftrags durch die Kirchengemeinde und in der geordneten Zusammenarbeit mit Einrichtungen der Diakonie liegen für beide Seiten erhebliche Entwicklungschancen.
Hans Höroldt beginnt mit der Frage: Wie können wir den diakonischen Auftrag heute oder morgen wahrnehmen und umsetzen, in der Gemeinde oder im Pfarrbezirk, und mit wem können wir uns dabei gemeinsam auf den Weg machen? Er geht aus von der Beobachtung: Wenn in einer Kirchengemeinde von Diakonie die Rede ist, dann denkt man oft zuerst an das kreiskirchliche Diakonische Werk oder eine große diakonische Einrichtung in der Nachbarschaft, aber nicht an die eigene Gemeinde. Demgegenüber stellt er fest: Wir behaupten nun (und das ist sozusagen die »Grundmelodie« aller Beiträge dieses Buches): Gerade in der bewussten Wahrnehmung des diakonischen Auftrags durch die Kirchengemeinden, gerade in der Überwindung des oft beziehungslosen Nebeneinanders von Kirchengemeinden und Einrichtungsdiakonie und in der geordneten Zusammenarbeit beider liegen vielfältige Entwicklungschancen, und zwar sowohl für die Kirchengemeinden als auch für die diakonischen Einrichtungen.
Neue Formen diakonischer Arbeit
Ausgangspunkt ist sicher oft ein anderer: In vielen Gesprächen in Kirchengemeinden kommt immer wieder – oft mit einem Unterton des Bedauerns, manchmal auch des Vorwurfs – die Vorstellung zur Sprache, dass die Diakonie aus der Kirchengemeinde ausgewandert sei. Demgegenüber ist festzuhalten, dass diakonische Einrichtungen in der Wahrnehmung des Auftrags des Evangeliums viele wichtige neue Formen diakonischer Arbeit geschaffen haben, die es vorher so in den Kirchengemeinden nicht gegeben hat und nicht geben konnte.
Insgesamt gilt doch: Hier ist etwas Eigenständiges und Neues entstanden – Diakonie als eine kirchliche Zweitstruktur neben den Kirchengemeinden und den anderen Ebenen der verfassten Kirche. Das ist ein Ergebnis des gesellschaftlichen Prozesses der Ausdifferenzierung, Spezialisierung und Professionalisierung des Helfens, der sich in den letzten Jahrzehnten weiter vollzogen hat. Gerade in der Unterscheidung und Verschiedenheit von unternehmerischer Diakonie und verfasster Kirche liegen ihre Stärken; so können sie sich wechselseitig entlasten und unterstützen.
Neuausrichtung diakonischer Arbeit
Um zu verstehen, wie dringend eine Neuausrichtung diakonischer Arbeit im Allgemeinen und für die Gemeinden im Besonderen ist, dafür reicht ein Blick auf die gesellschaftlichen Entwicklungsprozesse: Die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich seit Jahren immer weiter.
Wie kann da der Einstieg in eine weiterentwickelte diakonische Arbeit der Kirchengemeinde aussehen? Höroldt behauptet: Wenn eine Kirchengemeinde ihren diakonischen Auftrag wahrnimmt, dann bedeutet das zunächst, genau hinzusehen, was Menschen erleben, was da geschieht und sich entwickelt – eine Sensibilität zu entwickeln für die Lebenssituation von Menschen, über den ersten Eindruck hinaus. Dabei ist es notwendig, auch über die Grenzen der Gemeinde hinauszusehen: Wer kommt vor Ort als möglicher Kooperationspartner für die Kirchengemeinde in Frage – welche Menschen, Gruppen, Vereine, Organisationen verfolgen ähnliche Anliegen? Zur Gestaltung eines solchen Prozesses der Öffnung hat es sich bewährt, sich an der Abfolge der Schritte: sehen – urteilen - handeln zu orientieren.
Orientierungshilfe und Anregung
Im Blick auf die Gestaltung diakonischer Arbeit auf der Ebene der Kirchengemeinde oder des Pfarrbezirks will das Buch "Gemeinde & Diakonie" Orientierungshilfe und Anregung zu eigenem Tun sein.
Wie nehmen Menschen innerhalb und außerhalb von Kirche Diakonie wahr? Diese Frage ist Leitmotiv des ersten Teils. Was sind unsere gemeinsamen biblisch-theologischen und historischen Wurzeln, was macht unsere gemeinsame Identität aus? – um diese Fragen geht es im zweiten Teil der Beiträge. Wie können Kirchengemeinden und diakonische Einrichtungen in Zukunft noch enger und intensiver zusammenarbeiten? Auf diese Frage gibt es nicht nur eine Antwort, sondern viele mögliche. Einige werden exemplarisch in den Beiträgen des dritten Teils beschrieben. Abschließend geht es um die Verortung der Fragen des Buches im Zusammenhang des kirchlichen Reformprozesses.