20. April 2010
Haiti: 100 Tage nach dem Erdbeben
Schon wenige Tage nach der Katastrophe brachte die Diakonie Katastrophenhilfe gemeinsam mit der Caritas 15 Tonnen Hilfsgüter nach Port-au-Prince, darunter dringend benötigte Medikamente, Zelte, Planen, Decken, Wasserkanister und Wasserreinigungstabletten.
Von der Hauptstadt aus gingen die Hilfsgüter per Hubschrauber und Lastwagen sofort weiter in die Projektregion bei Jacmel und Bainet. Eine zweite Lieferung mit 1 150 Familienzelten konnte über die dominikanische Republik ins Land gebracht werden. 850 weitere Zelte folgten aus den USA. Die vorläufig letzte Lieferung mit Nothilfematerial für rund 2 000 Familien erreichte Jacmel Ende Februar. Vor Ort organisiert der erfahrene lokale Partner CROSE die Verteilung der Hilfsgüter an die Erdbebenopfer.
Mit der ersten Verteilung im Januar erhielten 600 besonders schwer betroffene Familien in Jacmel und 115 Familien in Bainet, die bei dem Beben ihr gesamtes Hab und Gut verloren hatten, Plastikplanen für Notunterkünfte, Fleecedecken sowie Wasserkanister und Wasserreinigungstabletten.
In weiteren Verteilungsaktionen erhielten insgesamt 2 000 Familien in den verschiedenen Gemeindesektionen von Jacmel und Bainet standardisierte Nothilfepakete. Neben einem Familienzelt mit Plastikplane umfassen die Pakete dringend benötigte Hygienemittel, Kochgeschirr und Werkzeugsets sowie je zwei Fleecedecken und Schlafmatten, ein großes Moskitonetz und zwei Wasserkanister einschließlich 120 Wasserreinigungstabletten.
Die insgesamt 2 000 UN-Standards entsprechenden Familienzelte sind an die Klimabedingungen in der Karibik angepasst. So können die obdachlos gewordenen Menschen auch die Regenzeit überstehen. Vor allem arme, kinderreiche Familien oder Familien mit behinderten und kranken Angehörigen, erhalten so für die nächsten Monate eine menschenwürdige Unterkunft. Die Häuser der Familien sind häufig völlig zerstört, aus eigener Kraft können sie keine Notunterkunft errichten können.
Die 2 000 Hygienesets enthalten Seife, Zahnbürsten und -pasta, Damenbinden, Toilettenpapier, Rasierer, Windeln und Handtücher. Zu den Haushalts- und Kochutensilien gehören u.a. Teller, Tassen, Besteck und mehrere Töpfe. Die mitgelieferten Werkzeugsets und Plastikplanen ermöglichen es den Erdbebenopfern, Notunterkünfte zu errichten und zu verstärken.
Um die hygienischen Bedingungen in den provisorischen Lagern zu verbessern und den Ausbruch von Epidemien zu verhindern, errichten die lokalen Partner zurzeit zudem 20 Toiletten- und 20 Duschblöcke. Diese kommen rund 4 000 Menschen (800 Familien) in den Lagern bei Jacmel und Bainet zugute.
Ärzte, Gesundheitshelfer und Psychologen vor Ort
MUHDA, eine weitere Partnerorganisation der Diakonie Katastrophenhilfe aus der dominikanischen Republik, betreut neben den Notlagern bei Jacmel auch zwei Camps in Martissant und Saint Bernadette bei Port-au-Prince. 320 Familien konnten die Helfer unmittelbar nach dem Beben mit Nahrungsmitteln und Wasser, Küchengerät und Erste-Hilfe-Sets versorgen. Ein aus der dominikanischen Republik entsandtes Ärzteteam behandelt insgesamt 1 600 verletzte und kranke Menschen. Parallel dazu informieren die Gesundheitshelfer in vier Workshops in den Camps über Hygienefragen und organisieren Reinigungs- und Aufräumaktionen, um Epidemien vorzubeugen. Freiwillige Helfer leisten zudem psycho-soziale Unterstützung, vor allem für Kinder. Mit Spielen und Gesprächen lassen sie die Kinder für kurze Zeit den Schrecken der Katastrophe vergessen.
Zunächst wird MUDHA diese Nothilfemaßnahmen bis August fortsetzen.