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Chancenreich gegen Kinderarmut

Kinderarmut - ein Skandal

Internationale Konferenz von VEM und Landeskirchen zieht Bilanz

Der Kampf gegen Kinderarmut ist eine Frage der Gerechtigkeit und sollte für Kirchen weltweit Priorität haben. Das ist die Bilanz einer einwöchigen internationalen Konferenz über »Kinderarmut«, die Anfang November auf Einladung der VEM und der beiden evangelischen Landeskirchen von Westfalen und im Rheinland gemeinsam mit der VEM stattgefunden hat. »Kinderarmut ist keine Frage der Wirtschaft, sondern der Gerechtigkeit«, betonte VEM-Generalsekretär Fidon Mwombeki bei der Abschlussveranstaltung in der Evangelischen Tagungsstätte Haus Villigst in Schwerte. Obwohl Deutschland ein reiches Land sei, gebe es auch hier veramte Kinder. »Das Bild von Armut verändert sich weltweit«, meinte Mwombeki, man könne nicht mehr pauschal vom reichen Norden und vom armen Süden sprechen.

 

Globalisierung der Solidarität

Der Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW), Alfred Buß, bezeichnete die Konferenz als einen Beitrag dazu, »die Globalisierung der Solidarität an der Seite der Armen« voranzubringen. »Wir müssen Kinderarmut als Skandal öffentlich machen«, forderte er und wies darauf hin, dass in Deutschland rund 2,5 Millionen Kinder in Armut lebten, davon etwa 800.000 in Nordrhein-Westfalen. Kinderarmut sei »nicht nur ein materielles Problem«, sondern  habe ein Bündel von Ursachen, erläuterte Buß. Sie reichten von fehlender Anerkennung und Ausbildung über schlechte Ernährung und Wohnverhältnisse bis hin zur gesellschaftlichen Ausgrenzung. Durch diesen »Teufelkreis« sei »ein lebenslanges Verliererschicksal« vorprogrammiert. 
 
Vor einem Jahr hat die EKvW eine Kampagne gegen Kinderarmut unter dem Motto »Lasst uns nicht hängen!« initiiert. Die Ergebnisse der Fachtagung sollen jetzt bei der Landessynode in der kommenden Woche vorgestellt werden. Auch die Evangelische Kirche im Rheinland hat 2009 mit ihrem Aktionsprogramm »Chancenreich – gemeinsam aktiv gegen Kinderarmut« einen Schwerpunkt auf das Thema gelegt. Das Ziel dieses Programms sei »eine gerechte Teilhabe«, erläuterte der rheinische Oberkirchenrat Klaus Eberl. Kinder aus armen Familien würden aus Geldmangel oftmals nicht zur Taufe oder zur Konfirmation angemeldet. Jetzt komme es darauf an, diesen Skandal durch vielfältige Aktionen zu verringern.

 

Partizipation, Priorität und Partnerschaft als wichtigste Bausteine

Insgesamt nahmen rund 30 Expertinnen und Experten an der Konsultation teil, darunter 16 ökumenische Gäste aus  Partnerkirchen der Gastgeber in zwölf verschiedenen Ländern wie etwa Tansania, Philippinen, Brasilien, USA, Rumänien, Schottland und die Niederlande. Sie führten unter anderem Gespräche mit Schülerinnen und Schülern an der Evangelischen Gesamtschule Gelsenkirchen und besuchten verschiedene Projekte im Ruhrgebiet. »Der erste Schritt zur Veränderung sind nicht Programme, sondern wir müssen den betroffenen Menschen zuhören«, meinte Pfarrer Ian Galloway von der Church of Scotland bei der Auswertung. Partizipation, Priorität und Partnerschaft seien die wichtigsten Bausteine für ein erfolgreiches kirchliches Engagement, so  das Fazit der internationalen Konferenz.
 
Die Vereinte Evangelische Mission ist eine internationale Gemeinschaft von 34 Kirchen in Afrika, Asien und Deutschland und den v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel. Außer der Geschäftsstelle in Wuppertal gibt es regionale Büros in Afrika (Daressalam, Tansania) und Asien (Medan, Indonesien). Von Anfang an hat die VEM ein ganzheitliches Missionsverständnis verfolgt: Neben der Verkündigung des Evangeliums geht es auch darum, die Lebensumstände notleidender Menschen zu verbessern und für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung einzutreten.

 

Text: Brunhild von Local (Vereinte Evangelische Mission)

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