BereichsmenüChancenreich gegen Kinderarmut:


Sie sind hier: Start >

Chancenreich gegen Kinderarmut

Positive Praxisbeispiele und politische Forderungen

Regionalkonferenz im Kirchenkreis Jülich

Superintendent Jens Sannig beim Vortrag

Superintendent Jens Sannig beim Vortrag

Text und Fotos: Johannes de Kleine

Die gut 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden zu Beginn der Veranstaltung in Rollenspiele verwickelt, in denen sie die Situation von Kindern aus gesellschaftlich benachteiligten Familien nachempfinden konnten. Der Superintendent des Kirchenkreises Jülich, Pfarrer Jens Sannig, begrüßte die Anwesenden bewusst erst, nachdem sie sich anhand der Rollenspiele in das Thema eingefunden hatten. Er betonte, dass man dem Problem der Kinderarmut nur mit vereinten gesellschaftlichen Kräften begegnen könne. „Nichts wird dabei für die Kinder zu gewinnen sein, wenn wir uns nicht als Gemeinden und Christinnen und Christen beteiligen und vor Ort Netzwerke mit kommunalen und anderen Einrichtungen und Angeboten bilden.“ Konkrete Beispiele aus dem Kirchenkreis Jülich machten anschließend deutlich, wie man von Armut betroffenen Kindern und deren Familien begegnen kann: Wertschätzung im Betreuungsangebot (Schülerhilfe Aldenhoven), Kompetenzen stärken (Fahrradwerkstatt Übach-Palenberg), Überschuldet –arme Kinder (Arbeit der Schuldenberatung), Gesellschaftliche Teilhabe Einüben (Offene Jugendarbeit Ratheim-Gerderath), Armut und Identität (aus der Arbeit der Erziehungsberatung) sowie Integration – miteinander Leben (Kirchengemeinde Wassenberg).

Skandal Kinderarmut - Vortrag von Frau Gerda Holz

Gerda Holz, Politikwissenschaftlerin am Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V. in Frankfurt/Main, referierte zum Thema der Tagung. In fünf Thesen beschrieb sie die Situation betroffener Kinder und entsprechende Möglichkeiten der Hilfe. 1. Grundlegend sei zu sagen, dass das Massenphänomen Kinderarmut nicht individuell verschuldet, sondern strukturell bedingt sei. 2. Für eine gesunde Entwicklung der Kinder seien starke familiäre und soziale Netzwerke nötig; letztere um so mehr, als es die funktionierende Familie vielfach nicht mehr gebe. 3. Arme Kinder seien schon früh von wirklichen Entwicklungs- und Zukunftschancen ausgeschlossen. 4. Kinder überhaupt und insbesondere arme Kinder bräuchten Förderung im Sinne von Schutzfaktoren, die zum einen im Kind selbst liegen (persönliche Ressourcen, Fähigkeiten), zum anderen in der Betreuungsumwelt der Kinder (Familie, andere Sozialkontakte). 5. Es gebe viele Möglichkeiten zur kindbezogenen Vorbeugung gegen Armut. Frau Holz gab im letzten Teil ihres Referates sowohl Kommunen als auch Kirchengemeinden ganz konkrete Handlungsmöglichkeiten mit auf den Weg. Das begann mit der Wahrnehmung von Kinderarmut, der Enttabuisierung des Themas und endete bei der Bildung von Netzwerken und dem Ausbau von Betreuungsangeboten für Kinder. Insbesondere das gemeinsame Handeln verschiedener kirchlicher und kommunaler Einrichtungen, also die Vernetzung, so unabdingbar, um dem Problem der Kinderarmut wirksam zu begegnen.

TeilnehmerInnen beim Workshop der Fahrradwerkstatt Übach-Palenberg

TeilnehmerInnen beim Workshop der Fahrradwerkstatt Übach-Palenberg

Werkstattgespräche – Ideen gegen Kinderarmut

Nachdem der Vortrag theoretische Grundlagen und Einsichten vermittelt hatte, versammelten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung zu Werkstattgesprächen, in denen konkrete Ideen und Möglichkeiten erörtert wurden, wie man in Projekten oder dauerhaften Angeboten der Armut von Kindern begegnen kann. In diesem Zusammenhang stellte das Diakonische Werk Rheinland-Westfalen-Lippe das Internetportal CHANCENREICH vor, auf dem Projekte aufgelistet sind. Kirchengemeinden und Einrichtungen können dort Ideen finden, aber auch ihre eigenen Projekte als Anregung für andere veröffentlichen. Am Ende der Veranstaltung machte Superintendent Sannig deutlich, dass Kirche zum einen denen zur Seite zu stehen habe, die von Armut betroffen Seien. Zum anderen dürfe sie die politische Arbeit nicht vernachlässigen, also den Kampf gegen die Ursachen der strukturell bedingten Kindermut in diesem Land.

Information: Wie es weiter geht

Georg Nebel, Leiter des synodalen Jugendreferates, der zusammen mit Jugendmitbeiterinnen und –mitarbeitern aus dem Kirchenkreis an der Vorbereitung der Veranstaltung maßgeblich beteiligt war, kündigte für das Frühjahr 2010 eine weitere Tagung an, auf der eine Zwischenbilanz der gemeindlichen Aktivitäten gezogen werden soll. Und am Ende der zunächst für ein Jahr geplanten Kampagne gegen Kinderarmut solle dann wiederum ein Treffen stehen, bei dem Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch und zur Planung weiterer Schritte bestehe.

zurück zur Liste