Armutsrisiko für Kinder am größten
Sozialbericht für den Rhein-Sieg-Kreis

J. Schweitzer (Diakonie), W. Dobersalske (AWO), H. Klippel (Caritas) und U. Haack (Paritätischer) (v.l.) präsentierten den Sozialbericht
Text: Jutta Huberti-Post
Trotz grundsätzlich guter Rahmenbedingungen ist Armut auch im Rhein-Sieg-Kreis zu finden, Kinder und Jugendliche sowie kinderreiche Familien tragen in unserer Region das höchste Armutsrisiko. Diese Beobachtung aus dem Beratungsalltag der Sozialverbände kann jetzt mit Fakten belegt werden. Im Auftrag von AWO, Caritas, Diakonie und Paritätischem Wohlfahrtsverband erstellte das Nürnberger Xit-Institut erstmals einen Sozialbericht für den Rhein-Sieg-Kreis, der heute in Siegburg der Presse präsentiert wurde.
Einstieg in kontinuierliche Sozialberichterstattung
„Mit der aktuellen Studie ‚Familien im Rhein-Sieg-Kreis’ leisten die Wohlfahrtsverbände den Einstieg in eine regelmäßige Sozialberichterstattung. Sie dient als fundierte Datenbasis und Grundlage für die Weiterentwicklung effektiver Unterstützung benachteiligter Familien in der Region“, so Jürgen Schweitzer, Geschäftsführer des Diakonischen Werkes und derzeitiger Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtverbände. „Erstmals wissen wir, welche Gruppen besondere Unterstützung benötigen, damit die Wohlfahrtsverbände zusammen mit Politik und Verwaltung zielgenau entsprechende Maßnahmen planen können.“ Da diese Daten auch für die Ausrichtung der Familienpolitik aufschlussreich sind, hoffen die Wohlfahrtsverbände, dass sie mit ihrem Bericht den Anstoß zu einer öffentlich getragenen, kontinuierlichen Sozialberichterstattung geben. Laut Schweitzer könnte die Kreisverwaltung hierbei die Federführung übernehmen.
Kostengünstiger Wohnraum für große Familien fehlt
Der Sozialbericht zeigt, dass der Rhein-Sieg-Kreis im Vergleich zu anderen Regionen statistisch gesehen relativ gut dasteht: Es gibt ein stabiles Bevölkerungswachstum, die Arbeitslosenquote liegt mit durchschnittlich 6,5 Prozent knapp drei Punkte unter den landesweiten Zahlen und die Menschen haben insgesamt eine relativ hohe Kaufkraft. Dennoch listet die Studie auch Beunruhigendes auf: 19 Prozent der im Rhein-Sieg-Kreis lebenden Kinder und Jugendlichen sind von Armut bedroht und 36 Prozent der Haushalte mit drei oder mehr Kindern gehören zur Hauptrisikogruppe. Zusätzlich ist in vier Gemeinden des Kreises ist die Jugendarbeitslosigkeit überdurchschnittlich hoch. Und große Familien müssen mit 34 Prozent des Einkommens fast acht Prozent mehr für Miete ausgeben als im NRW-Durchschnitt.
„Wir brauchen Vorfahrt für Familienfreundlichkeit“, so bezeichnete der Sprecher der Wohlfahrtsverbände, Jürgen Schweitzer, seine Forderungen an den Kreis. „Wenn die Region ihre Attraktivität für junge Familien behalten und weiter ausbauen will, muss jetzt gehandelt werden.“