Lebensmittel und mehr (Tafel Plus+) – Ahrweiler
Was wird gemacht?
Die Ahrweiler Tafel hat mehr zu bieten als das Einsammeln und Ausgeben von Lebensmitteln. Sie möchte nicht nur der materiellen Not der Menschen begegnen, sondern ebenso weitergehende Hilfen erschließen, selbstbestimmte Teilhabe fördern und Wege aus der Armut aufzeigen. Bei der Ausgabe der Lebensmittel ist immer eine Fachkraft der Trägerorganisationen anwesend. Sie sorgt für den reibungslosen Ablauf der Lebensmittelausgabe und ist Ansprechpartner/in für Fragen und Anliegen der Kund/innen - immer dann wenn der Bedarf über die Versorgung mit Lebensmitteln hinausgehen. Sie hört den Kund/innen zu und vermittelt sie bei weitergehendem Beratungsbedarf an spezialisierte Beratungsdienste oder Angebote der Seelsorge weiter. So konnten in der Vergangenheit bereits viele Menschen bei der Verbesserung ihrer Lebenslagen durch individuelle Beratung und Vermittlung unterstützt werden.
Aus den von den Tafel-Kund/innen geäußerten Bedürfnissen an Information und Bildung werden von den haupt- und ehrenamtlichen Tafelmitarbeiter/innen Infoveranstaltungen oder Kurse konzipiert und organisiert. Dies könnten z.B. Bildungsveranstaltungen zu den Themenfeldern gesunde Ernährung, Erziehung, Haushaltsorganisation, Umgang mit Geld, Berufsorientierung oder Arbeit sein. Durch das Anmieten und Herrichten neuer Räumlichkeiten zur Tafelausgabe bzw. in unmittelbarer Nähe, soll zukünftig an jeder Tafelausgabestelle ein Begegnungstreff geschaffen werden. In ebenso zweckmäßig wie ansprechend ausgestatten Räumlichkeiten laden ehrenamtliche Helfer/innen (dies können auch Tafel Kund/innen sein) die Besucher/innen zum Kaffee oder Tee ein. Damit verkürzt sich zum einen für die Kund/innen die Wartezeit bis zum Empfang der Lebensmittel, die vor allem in kalten Wintermonaten den Menschen zu schaffen macht. Andererseits bietet der Treffpunkt den Menschen die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen.
Grundidee / Ziele
In den zurückliegenden Jahren machten die Beratungsdienste der beiden christlichen Wohlfahrtsverbände Diakonie und Caritas die Erfahrung, dass eine steigende Anzahl von Bürger/innen aus dem Landkreis Ahrweiler in schwierigen bis prekären Verhältnissen lebt. Gleichzeitig gibt es jedoch aus Überproduktion und Fehlkalkulationen im Kreis Ahrweiler einen ungenutzten und oft der Vernichtung zugeführten Nahrungsmittelüberschuss. Getreu dem Grundsatz „Verteilen statt Vernichten“ stellte sich die konkrete Frage, wie man diese beiden Extreme zum Nutzen der Betroffenen in einen Ausgleich bringen könnte.
Häufig ist die Lebensmittelknappheit nur ein Indikator für viele tiefer liegende Schwierigkeiten unserer Klientel. Mit den wirtschaftlichen Problemen (z.B. steigenden Kosten) geht bei vielen Menschen auch eine zunehmende Problematik einher, die mit mangelnden Fähigkeiten, den Haushalt zu organisieren, Kinder zu erziehen oder mit Grundnahrungsmitteln und Geld umzugehen, zu umschreiben ist. In der Folge ist zu beobachten, dass immer mehr Familien, Einzelpersonen und Rentner im Landkreis Ahrweiler an der gesellschaftlichen Entwicklung nicht mehr im vollen Umfang teilhaben.
Die Ahrweiler Tafel versteht sich als lernendes Projekt, das sich sowohl in seinen Zielen und Handlungsansätzen als auch in seiner räumlichen Verortung weiterentwickeln muss, um möglichst viele Menschen zu erreichen und deren Lebensbedingungen nachhaltig zu verbessern.
Wer soll profitieren?
Die Abgabe der Lebensmittel (gegen Zahlung eines symbolischen Euros) kann nur von Personen in Anspruch genommen werden, die Sozialleistungen wie z.B. Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe oder Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz in Anspruch nehmen oder die über geringes Einkommen verfügen. Die Bedürftigkeit wird anhand von entsprechenden Bescheiden geprüft und durch eine Kundenkarte für alle zur Haushaltsgemeinschaft gehörenden Personen dokumentiert.
Es wurden 283 Haushalte mit insgesamt 614 Personen erfasst, die das Angebot der Ahrweiler Tafel wahrnehmen können. Mehr ein Drittel der erfassten Personen sind Kinder.
Trägerschaft und Kooperation
Die Ahrweiler Tafel ist ein Kooperationsprojekt von vier starken Trägern: dem Dekanat Ahr-Eifel, der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Neuenahr-Ahrweiler, dem Diakonischen Werk Bad Neuenahr-Ahrweiler und dem Caritasverband Rhein-Mosel-Ahr e.V. mit seiner Geschäftsstelle Ahrweiler.
Die Konzeption wurde im Dialog dieser Träger entwickelt und verbindet die Ideen von diakonischem und caritativem Handeln als gelebte Nächstenliebe. Sie orientiert sich dabei am „Tafel plus+“ – Konzept - einer verbandlichen Positionierung des Caritasverbandes für die Diözese Trier und setzt diese um auf die Gegebenheiten und Bedürfnisse der Menschen im Landkreis Ahrweiler.
Wer macht es?
Zurzeit arbeiten ca. 70 Ehrenamtliche bei der Ahrweiler Tafel. In verschiedenen Teams, die durch Vertreter der Trägerorganisationen fachlich begleitet werden, sammeln sie die Lebensmittel in den unterschiedlichen Geschäften im Kreis Ahrweiler ein, sortieren sie vor und geben sie immer donnerstags von 9.30 bis ca. 12.00 Uhr in den Räumlichkeiten der Caritasgeschäftsstelle Ahrweiler aus. Zusätzlich ist bei der Ausgabe der Lebensmittel immer auch eine Fachkraft der Trägerorganisationen anwesend.
Was wird benötigt?
Zurzeit findet die Lebensmittelausgabe noch im Untergeschoss der Caritasgeschäftsstelle Ahrweiler, im ehemaligen Bahnhof in der Bahnhofstraße 5 statt. Es werden nun größere Räumlichkeiten für die Lebensmittelausgabe und den Begegnungstreff gesucht.
Was bringt es?
Die Ahrweiler Tafel lindert mit der Ausgabe von gespendeten Lebensmitteln akute Not und unterstützt von Armut betroffene Menschen existentiell. Die Tafel hilft so diesen Menschen eine schwierige Zeit zu überbrücken und ihre Ernährung sicher zu stellen.
Ansprechpartner
Diakonisches Werk
Peter-Jansen-Str. 20
53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler
Tel.: 02641 / 3283
Weitere Informationen
- Ausführliche Konzeption der Ahrweiler Tafel Plus
- AhrweilerTafelKonzeption.pdf