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Chancenreich gegen Kinderarmut

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Materialien

Hintergründe und Analysen

„ …der bedrängt und arm ist in seinem Lande.“

Vortrag „Essen – und Mehr“

 

„Unser Einsatz für soziale Gerechtigkeit wird glaubhaft durch das Tun. Gerade weil evangelische und katholische Christen vor Ort die Tafelarbeit organisieren, kann die Diakonie mit Beratungsangeboten dazu kommen, und politische Forderungen können entwickelt werden.“ (Nikolaus Immer, Diakonie RWL)

Der Tafel-Boom

Im Jahr 1994 wurde die erste Tafel in Deutschland gegründet. Zum ausgehenden ersten Jahrzehnt im neuen Jahrtausend werden fast eine Million Menschen im ganzen Land durch über 800 Tafeln versorgt. Diese Entwicklung hängt nicht zuletzt mit der Einführung von Hartz IV zusammen. „Hartz IV hat den Tafeln eine Konjunktur, einen Aufbauboom beschert, zweifellos. Zu willkürlich war zumindest für die Kinder die Festsetzung des Regelsatzes in Höhe von 60 % dessen, was ein Erwachsener bedarf. Schon rechnerisch führt das zu  Absurditäten, und so liest es sich wirklich: Bei Kindern kein Euro für Windeln, aber rechnerisch für Tabakwaren, weniger Geld für’s Essen für einen 15-jährigen Jungen im Vergleich zu seiner 35-jährigen Mutter, und zu wenig für Schuhe, Schule usw.“ führt Nikolaus Immer aus.

Die Tafelbewegung hat sich in den 15 Jahren weiter entwickelt. Aus reinen Essensausgabestellen wurden umfangreichere Konzepte wie Tafel+, die um Beratungs- und Bildungsangebote ergänzt werden. Zur Tafelarbeit heute gehöre es auch, sich gemeinsam gegen die Auseinanderentwicklung zwischen Arm und Reich zu sperren, für höhere Regelsätze gerade für Kinder zu kämpfen, um Ausgrenzungen entgegen zu treten.

Tischleindeckdich für Nicht-Bedürftige?

Die Tafeln sehen aber auch starker Kritik ausgesetzt. „Sie werden von den einen verdächtigt, auch Nicht-Bedürftigen ein Tischleindeckdich zu bieten, eine Versorgung sicher zu stellen, ohne dass man sich selbst bemühen muss. Von anderen werden sie bezichtigt, eben Fürsorgeleistungen zu ersetzen, also vom Staat benutzt zu werden, der sich eines Teils seiner Pflichten entledigt und dieses Abschieben auf die Bürger auch noch als zivilgesellschaftliches Engagement verkauft“, so der Vortragende.

Diese und weitere Aspekte der Tafelarbeit diskutiert Nikolaus Immer ausführlich in seinem Vortrag anlässlich des Neujahrempfangs des Kirchenkreises Altenkirchen. Nikolaus Immer ist Geschäftsbereichsleiter des Fachbereichs Soziales und Integration bei der Diakonie RWL und dort Hauptverantwortlicher für das Projekt CHANCENREICH.

Dokument zum Download

Vortrag "Essen - und mehr" von Nikolaus Immer
Nikolaus_Immer_Vortrag-Essen_und_Mehr.pdf

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