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Chancenreich gegen Kinderarmut

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Materialien

Hintergründe und Analysen

Standortbestimmung und Perspektiven

Zwischenbilanz der Entwicklung des Kinderschutzes in NRW

Die Zwischenbilanz der Entwicklung des Kinderschutzes in NRW wurde erstellt vor dem Hintergrund dramatischer Einzelschicksale der Kindeswohlgefährdung und der darauf folgenden Entwicklung der Schutzsysteme in Kommunen, Ländern und Bund. In NRW entstanden z.B. in fast allen Kommunen soziale Frühwarnsysteme, neue Programme „Früher Hilfen“ und neue Konzepte für den Kinderschutz. Diese Entwicklungen der letzten Jahre werden bilanziert. Auf dieser Grundlage wird beschrieben, welche Anforderungen sich daraus für die Zukunft ergeben. Das Papier ist das verdichtete Resultat des gemeinsamen Nachdenkens von Fachkräften und Verantwortlichen der Freien und Öffentlichen Träger. Es ist in einem Kooperationsprozess im Rahmen der Vorbereitung und Durchführung der Fachtagung „Kindesschutz gemeinsam gestalten“ enstanden.

 

Rahmenbedingungen und Orientierungen

Die Autoren beleuchten dabei mehrere Aspekte. Unter Rahmenbedingungen und Orientierungen im Kinderschutz wird die zunehmende Armut und Verelendung z.B. durch Arbeitslosigkeit/ Überschuldung, komplexe psychosoziale Problemlagen und Perspektivlosigkeit gepaart mit sozialer Desintegration skizziert. Es wird darauf verwiesen, dass neben der Armutsbekämpfung besonders frühe, präventive Hilfen eine gute Basis für einen strukturellen Kinderschutz bieten können. Dabei spielten niederschwellige, sozialräumlich verankerte Angebote (z.B. Familienzentren) eine wichtige Rolle. Da sehr unterschiedliche öffentliche Akteure mit den Aufgaben des Kinderschutzes betraut sind – z.B. Jugendhilfe auf der einen und Polizei auf der anderen Seite – sei es entscheidend und dringend, eine gemeinsame Leitorientierung und Strategie für den Kinderschutz zu entwickeln.

 

Entwicklungen des Hilfesystems

In der Bewertung der aktuellen Entwicklungen des Hilfesystems werden nach dem tragischen Vorfall von Kevin aus Bremen von 2006 laut der Verfasser steigende Fallzahlen der Kindeswohlgefährdung bei den Jugendämtern verzeichnet. Der Fall habe zu dem Anstieg systemübergreifender Zusammenarbeit und zu der Einrichtung neuer Stabstellen geführt, ebenso wurden die Qualifizierungsangebote der Fachkräfte verstärkt. Diese Entwicklung des Fachpersonals habe aber einen enormen Mehraufwand einhergebracht und zu neuen Problemlagen geführt. Diese sind laut der Autoren in der verbreiteten Überlastung der einzelnen Fachkräfte bzw. der strukturellen Ressourcen begründet.

 

Kooperation und Netzwerkarbeit

Unter der Überschrift Kooperation und Netzwerkarbeit im Kinderschutz gehen die Autoren auf die Krise des Kinderschutzes ein, die als eine Krise der Zusammenarbeit (kollegiale Beratung, Supervision) dargestellt wird.  „Es finden zwar Besprechungen statt, aber diese Gespräche sind weder für die fallführende Fachkraft hilfreich und stützend, noch dienen sie als kritisches Korrektiv in Fällen, in denen das Kindeswohl gefährdet ist und keine positive Entwicklung gelingt“ (S. 8). Als mögliche Perspektive wird der Aufbau interdisziplinärer Netzwerke des Kinderschutzes im Sozialraum vorgeschlagen. Ihre besondere Herausforderung bestehe darin, sie zu nachhaltigen demokratischen, bürgernahen, offenen und partizipativen Organen zu machen.

 

Konkrete Anforderungen und Fazit

Im letzten Punkt Konkrete Anforderungen an den Kinderschutz in NRW schicken die Verfasser voraus, dass weder die Öffentliche noch die Freie Wohlfahrtspflege ein eigenes Kinderschutzgesetz für nötig hält. Vielmehr wird ein politischer Wille zum sozialstaatlichen handeln gefordert sowie „eine offensivere Unterstützung armer und benachteiligter Familien, eine gute Ausstattung der Sozial- und Gesundheitsdienste
und den Mut, Kinderschutz als eine positive öffentliche Aufgabe gemeinsam mit den
betroffenen Familien zu betrachten“ (S. 11).

Als Fazit werden sechs Thesen aufgestellt:
- Kinderschutz kann gelingen
- Kinderschutz braucht einen politischen Willen
- Kinderschutz braucht die Zusammenarbeit
- Kinderschutz braucht eine Kultur des Hinschauens und der Zivilcourage
- Kinderschutz muss alle Kinder in den Blick nehmen
- Kinderschutz braucht einen langen Atem

Die Standortbestimmung soll einen Diskussionsbeitrag leisten und vor Ort in den Kommunen Diskurse zwischen politisch Verantwortlichen, Verwaltungen und Freien Trägern anregen.

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