Hintergründe und Analysen
Unter unseren Verhältnissen …
Der erste Armutsatlas für Regionen in Deutschland

Die Bundesländer mit ihren Armutsquoten.
Der Armutsatlas für Deutschland von dem Paritätischen Gesamtverband zeigt durch das Kartenwerk, in welchen Bundesländern und Regionen besonders viel Armut herrscht. So kann auf leichtem Wege ein Überblick darüber gewonnen werden, wo die Armut in Deutschland wohnt. Wer nur bis zu 60% des Durchschnittseinkommens erreicht, gilt als arm.
Für die benötigenden Daten hat das Statistische Bundesamt für den Paritätischen regionalisierte Armutsquoten in einer Sonderauswertung berechnet. So konnten die Karten erstellt werden, an denen nicht der Durchschnitt gelesen, sondern die Farben der Regionen verstanden werden. Zudem wurde für jedes Bundesland auf einer knappen Seite eine Sammlung an konkreteren Daten von der Armutsentwicklung über längerem Zeitraum und hilfreiche Informationen über Strukturwandel und Demographie zusammengestellt.
Nordrhein-Westfalen
Nordrhein-Westfalen ist das bevölkerungsreichste Bundesland, das mit 528 Einwohnern pro km² mit Abstand das am dichtesten besiedelte Flächenland darstellt. Die Region Rhein-Ruhr zählt mit 10 Mio. Einwohnern zu den 30 größten Metropolregionen der Welt.
Die industriellen Zentren an Rhein und Ruhr haben ihre Wurzeln in der Montanindustrie. Sie waren aufgrund der häufigen Krisen in der Stahlindustrie und dem Steinkohlenbergbau einem tiefgreifendem Strukturwandel ausgesetzt. Auch wenn der Strukturwandel in den industriellen Kernen in den letzten Jahrzehnten fortgeschritten ist, vor allem durch den Aufschwung im Maschinenbau und in der Eisen – und Metallindustrie, zeigen sich in den alten industriellen Kernen die höchsten Armutsquoten. Die Raumordnungsregion Dortmund hat eine Quote von 18%, Duisburg, Essen und Emscher-Lippe 16- 17%. Auch wenn von dem umsatzstärksten Unternehmen in Deutschland, zehn ihren Sitz in Nordrhein-Westfalen haben, bewegen sich die Armutsquoten nur wenig und verharren 2005 und 2007 auf dem gleichen Niveau. Jeder siebte Bürger lebt in Nordrhein-Westfalen unterhalb der Armutsschwelle.
Rheinland-Pfalz
Mit einer Exportquote von 46% liegt das Land im Bundesvergleich an der Spitze. Der Tourismus, die Chemische Industrie um Ludwigshafen am Rhein, die Fahrzeug- und Maschinenbauindustrie, die einheimischen Bodenschätze, die land- und forstwirtschaftlichen Produkte (Wein, Holz, Ton, Steine) und die Edelsteinindustrie in Idar-Oberstein haben zum Wirtschaftswachstum beigetragen. So hat Rheinland-Pfalz nach Niedersachsen den zweitstärksten Zuwachs (um 11,1% zwischen 1991 und 2008) von Erwerbstätigen (1,9 Mio.) unter allen Bundesländern. Die Armutsquoten variieren in den verschiedenen Regionen in Rheinland-Pfalz moderat um den Landesdurchschnitt zwischen 12% in Rheinpfalz und 15% Rheinhessen-Nahe, einschließlich Mainz und Umgebung. Die Armutsquote sinkt in diesem Bundesland zwischen 2005 bis 2007 immerhin um 0,7% und liegt somit um 0,8% unter dem Durchschnitt von Deutschland, was aber immer noch bedeutet, dass 13,5% der Menschen in Rheinland-Pfalz unter der Armutsgrenze leben.
Saarland
Das Saarland ist mit einer Fläche von 2.569 km² das kleinste Flächenland unter den Bundesländern. Es wird aber mit seinen 405 Einwohnern pro km², einer überdurchschnittlich hohen Bevölkerungsdichte, raumstrukturell zu großen Teilen als „Verdichtungsraum“ beschrieben.
Auch wenn der bedeutendste wirtschaftliche Bereich im Saarland die Automobilindustrie ist, befindet sich dieses Bundesland noch immer in einem Strukturwandel von einer alten Industriegesellschaft (traditionell Stahlindustrie und Steinkohlenbergbau) zu einer wissensbasierten Dienstleistungsgesellschaft. Die Anzahl der Erwerbstätigen ist von 1991 bis zum Jahre 2008 um 7,0 % gestiegen. Bei den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen zwischen 1993 und 2008 ist jedoch eine Stagnation zu verzeichnen. Mit einer Armutsquote von 16,8 % weist Saarland im Vergleich zu Westdeutschland die zweithöchste Quote nach Bremen auf. Zwischen 2005 und 2007 konnte Saarland seine Armutsquoten nicht verbessern und zeigt sogar einen Anstieg um 1,4 %. Demnach lebt jede sechste Person im Saarland unterhalb der Armutsgrenze.
Link zur Website vom Armutsatlas: http://www.armutsatlas.de/
Material zum Herunterladen
- Herausgeber: Der PARITÄTISCHE Gesamtverband
- Armutsatlas als PDF-Datei