12. September 2011
"Modellhafte Fortbildung"
Abschluss einer Qualifizierung zur Interkulturellen Mediation
"Konflikte sind nicht nur Gefahr und Bedrohung. Sie haben wie ein Gewitter eine reinigende Kraft, bringen Wandel, Abkühlung und Erfrischung" - so lautete eine der Grundbotschaften eines 200stündigen Qualifizierungsangebots zur Interkulturellen Mediation, das von der Diakonie RWL organisiert wurde. Mit einer Zertifikatsübergabe an 15 Teilnehmende aus der Integrationsarbeit wurde die zweijährige Qualifizierungsmaßnahme am 9. September in der Wolfsburg in Mühlheim abgeschlossen. Ralph Seiler, Geschäftsbereichsleiter für Soziales und Integration bei der Diakonie RWL, zeigte sich beeindruckt von den Ergebnissen und dem Erfolg: "Das, was Ihnen keiner mehr nehmen kann, ist Ihre veränderte Haltung und weiterentwickelte Persönlichkeit."

Ralph Seiler, Geschäftsbereichsleiter Soziales und Integration
Mediation und Gewaltfreie Kommunikation seien nicht nur ein viel versprechender Ansatz in der sozialraumbezogenen Integrationsarbeit, sondern auch für andere Handlungsfelder der sozialen Arbeit, so Seiler weiter.
Viele Konflikte im Hintergrund
In der Integrationsarbeit gilt es eine Vielzahl von Interessen und Sichtweisen zu berücksichtigen. Es gibt die Vorstellungen der Menschen mit Migrationshintergrund, die Anliegen der Verwaltung, den Auftrag der Wohlfahrtsverbände und die Vorstellung der Politik. Dabei gliedern sich die einzelnen Gruppen jeweils immer weiter auf, so dass es gerade in diesem Handlungsfeld immer wieder zu Missverständnissen und Konflikten kommt - so ein Ergebnis der Sozialraumanalysen der Integrationsagenturen.

Anne Gudjons-Römer, Referentin für Migration und Flucht
"Allerdings fand diese Feststellung bislang erst wenig Berücksichtigung in der Aufgabenplanung der Integrationsagenturen. Dies hat uns motiviert, eine spezielle Methode der Konfliktbearbeitung - die Interkulturelle Mediation - in einer zweijährigen Qualifizierung zu vermitteln", sagte Anne Gudjons-Römer, Referentin für Migration und Flucht in der Diakonie RWL. Durch Fördermittel des Landes NRW konnte die Maßnahme realisiert werden.
In der Mediation nimmt der Vermittelnde nicht nur eine neutrale Haltung ein, die zwischen den Parteien steht. "Er steht auf der Seite jeder Konfliktpartei und hilft, die zugrunde liegenden Interessen und Bedürfnisse nachzuvollziehen", so Franz-Josef Franke, ein Teilnehmer der Qualifizierung. Diese Erkenntnisse bildeten die Grundlage, damit wechselseitiges Verständnis erzeugt wird und die Möglichkeit zu Lösungen besteht, die die beteiligten Konfliktparteien jeweils als positiv und nicht als faulen Kompromiss erlebten.
Die beiden Dozenten der Qualifizierung, Dr. Lukas Wahab und Stefan Rech, vermittelten die Grundlagen und das "Handwerkszeug", um in interkulturellen Konflikten in solcher Weise agieren zu können. "In der sehr anspruchsvollen und anstrengenden Qualifizierung arbeiteten wir vor allem auch an unseren eigenen Haltungen", berichtet Franz-Josef Franke. Dazu gehöre die Überzeugung, dass es für jedes konflikthafte Verhalten einen guten Grund gebe. Dies sei eine Basis einer erfolgreichen Konfliktvermittlung. "Besonders wichtig war für uns das Einüben der gewaltfreien Kommunikation", berichtet Gisela Kohlhage, eine andere Teilnehmende der Qualifizierung.

Zeichnung von der Weiterbildung: Aufgaben eines "Integrationsagenten"
Zeichnung: Franz-Josef Franke
Das Rüstzeug, die Haltung und Herangehensweise, die durch diese Qualifizierung vermittelt wurde, bilde eine wesentliche Voraussetzung um dauerhaft und angemessen in der Integrationsarbeit zu agieren. "Dabei wäre es hilfreich, wenn sich kommunale Integrationsbeauftragte und Integrationsagenturen der Wohlfahrtsverbände in ihren unterschiedlichen Rollen ergänzten", erklärte Norbert Scherpe, Integrationsbeauftragter der Stadt Minden. Norbert Scherpe absolvierte bereits vor 10 Jahren eine Qualifizierung bei den beiden Referenten und kennt die Einsatzfelder bei freien Trägern und Kommune aus eigenem Erleben.
Kontakt bei der Diakonie RWL: Anne Gudjons-Römer, Referentin für Migration und Flucht in der Diakonie RWL, Telefon 0251 2709-261, a.gudjons-roemer@diakonie-rwl.de
