27. Oktober 2011
Fachtagung Migration und Familie
Impulse für Familienbildung und Soziale Arbeit

Ioanna Zacharaki, Referentin für Integration und Interkulturalität in der Diakonie RWL
Auf eine enorm große Resonanz stieß die Fachtagung: „Migration und Familie“, die von der Fachhochschule Düsseldorf in Kooperation mit der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe und dem paritätischen Bildungswerk NRW am 19. Oktober 2011 in der FH Düsseldorf stattgefunden hat. Von den über 200 Anmeldungen durften nur 140 teilnehmen.
„Das Thema beschäftigt viele Akteure vor Ort. Die Teilnehmenden kamen aus unterschiedlichen Fachbereichen, wie Familienzentren, Jugendämter, Erziehungs-, und Familienberatungsstellen, Migrationsfachdienste, Bildungseinrichtungen u. a.“, berichtet Ioanna Zacharaki, Referentin für Integration und Interkulturalität der Diakonie RWL, die die Fachtagung mitorganisiert hat.
„Nach dieser Resonanz denken wir jetzt an eine Anschlusstagung, damit allen Interessierten die Auseinandersetzung mit der Thematik ermöglicht wird“, ergänzt Frau Zacharaki.
„Die Tagung hat vor allem den Integrationsdiskurs kritisch beleuchtet, ausgewählte Ergebnisse aus der Familienforschung vermittelt, sowie Ansätze für die Soziale Arbeit mit Familien aufzeigt“.
Neben dem Einführungsstatement konnten die Teilnehmenden zwischen fünf Workshops zu Sozialpädagogischen Methoden und Arbeitsfeldern ihren Schwerpunktbereich aussuchen.
Die Bedeutung des Themas ist in den vergangenen Jahren gestiegen. So werden Familien im 7. Familienbericht (2005) als „Investoren“ in die Zukunft eines Gemeinwesens gesehen und die zukünftige Entwicklung der Gesellschaft auch von den familiären Ressourcen und der Gestaltungskraft von Familien abhängig gemacht. Allerdings wurden Zugewanderte und ihre Familien in der Vergangenheit häufig negativ wahrgenommen. Lange Zeit hat man ihren Aufenthalt mit Blick auf eine Anwerbepolitik, die nach dem Prinzip der Rotation funktionierte, als vorübergehendes Phänomen eingestuft. Des Öfteren wurden sie als Belastung des sozialen Netzes und des Bildungssystems gesehen. Auch im wissenschaftlichen Diskurs lassen sich einseitige Sichtweisen identifizieren. So werden Migrationserfahrungen häufig defizitär beschrieben in der Annahme, dass Migrantenfamilien Probleme haben und Probleme machen. Erst allmählich setzt vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und im Zuge einer nachholenden Integration ein Umdenken ein, werden auch die Entwicklungspotenziale von Einwanderung gesehen. Pädagogische Fachkräfte aus der Eltern- und Familienbildung sowie aus anderen Arbeitsfeldern der Sozialen Arbeit sind jetzt dabei, ihre Angebote konzeptionell auch für die Bedarfe der zugewanderten Familien auszurichten, um ihre vorhandenen Potenziale stärken und einbinden zu können.