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31. März 2012

Das Recht auf Leben ist keine Pflicht

Ulrich Christofczik kommentiert aktuelle Entwicklungen beim Thema Sterbehilfe

Für das Monatsmagazin "chrismon plus rheinland" kommentiert Ulrich Christofczik, Geschäftsbereichleiter für Pflege, Alten- und Behindertenhilfe bei der Diakonie RWL, die Gründung von Sterbekliniken in den Niederlanden. Er spricht sich dafür aus, die Bedürfnisse der betroffenen Menschen ernst zu nehmen und sie nicht moralisch zu verdammen. Deshalb habe die Hospizbewegung noch viel zu tun, in vielen Einrichtungen der Altenhilfe wie auch im häuslichen Bereich bedürfe es weiterer Anstrengungen.

„Es gibt ein Recht auf Leben, aber keine Pflicht zu leben“, so formulierte es der Ethiker Ulrich Körtner im Januar auf der rheinischen Landessynode. Welche Herausforderungen für uns als Kirche hinter diesem simplen Satz stecken, lassen sich nur erahnen. Ich will nicht einfach in die reflexhafte Verdammung niederländischer Sterbehilfspraxis mit einfallen. Das ist mir zu einfach.

Vielmehr müssen wir als Kirche und ihre Diakonie die Sorgen und Nöte der betroffenen Menschen Ernst nehmen. Ein moralisches Verdammen wäre dabei der falsche Weg, denn ein schlechtes Gewissen, ist das Letzte, was diese Menschen brauchen. Sie brauchen unseren Beistand, unsere Begleitung, unsere Lobby, unsere Pflege, unsere Schmerztherapie und unsere christliche Hoffnung.

Die Vision der Hospizbewegung war, sich selbst irgendwann überflüssig zu machen. Angesichts der Entwicklung in unseren Nachbarländern muss man sagen, von dem Ziel sind wir weit entfernt. Selbstkritisch müssen wir erkennen, dass immer noch viel zu viele Menschen unwürdig sterben müssen. In vielen Einrichtungen der Altenhilfe, wie auch im häuslichen Bereich bedarf es weiterer Anstrengungen, damit eine bewusste Sterbekultur ermöglicht werden kann. Leider fehlen dazu an vielen Stellen die finanziellen Ressourcen um der steigenden Zahl schwerstpflegebedürftiger Menschen eine angemessene Palliativpflege – ambulant wie stationär – bieten zu können. Daher ist und bleibt das ehrenamtliche Engagement unverzichtbarer und wesentlicher Bestandteil unserer Hospizarbeit.

Dieser Kommentar ist in der April-Ausgabe 2012 der Zeitschrift "chrismon plus rheinland" erschienen.

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