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11. Oktober 2011

Immer mehr kleine Kinder in Heimen und Pflegefamilien

Projekt der Diakonie RWL und der Fachhochschule Münster untersucht neue Konzepte

Prof. Dr. Peter Hansbauer, Fachhochschule Münster

Immer mehr Kinder unter sechs Jahren müssen aufgrund von akuten Krisen in der Familie in Heimen und Pflegefamilien untergebracht werden. Deren Zahl stieg von 2005 bis 2009 um fast 70 Prozent. Nach Skandalfällen wie „Kevin“ in Bremen und „Lea-Sophie“ in Schwerin sowie einer Neufassung der gesetzlichen Rahmenbedingungen zum Schutz von Kindern im Jahr 2005 werden Jugendämter immer häufiger tätig. Außerdem sind Eltern zunehmend überfordert, haben psychische Probleme oder kämpfen mit Suchtproblemen.

Kleine Kinder werden überwiegend in Pflegefamilien, aber auch in Heimen untergebracht, wenn ihre Sicherheit im eigenen Elternhaus nicht gewährleistet werden kann. "Problematisch ist, wenn kleine Kinder vergleichsweise lange mit unklarer Perspektive untergebracht werden", so Maria Loheide, Geschäftsbereichsleiterin der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, auf einer Fachtagung. Deshalb habe die Diakonie RWL ein Praxisprojekt in Kooperation mit der Fachhochschule Münster angestoßen und Fallverläufe von kleinen Kindern in Pflegefamilien und Heimen untersucht. Daraus sind neue Konzeptbausteine entstanden, wie den Kindern besser und schneller geholfen werden kann.

"Kleine Kinder benötigen feste Ansprechpersonen, zu denen sie eine Beziehung und Vertrauen aufbauen können. Dies ist in Heimen und  Pflegefamilien möglich", so Dr. Nicole Knuth, Referentin der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe. Allerdings sei es zwingend notwendig, die besonderen Bedürfnisse von jüngeren Kindern bei Dienstplänen, Personalschlüsseln und -auswahl zu berücksichtigen. Je kleiner die Kinder sind, desto sensibler müsse man dafür sein, welches Problem ihnen gerade auf der Seele brennt, meinte Dr. Nicole Knuth.

 

Angebote für die leiblichen Eltern, die sie motivieren, sich zu beteiligen, sind entscheidend. Eltern müssen trotz aller Probleme eingebunden werden. "Begegnet man ihnen mit Respekt und sind die Entscheidungen der Fachkräfte transparent, können oftmals auch schwierige Eltern Hilfe annehmen und gut mit dem pädagogischen Personal zusammenarbeiten", so Professor Dr. Peter Hansbauer von der Fachhochschule Münster. Für kleine Kinder sei es wichtig, dass man ihnen Sicherheit biete, aber auch keine falschen Hoffnungen wecke.

 

"Entscheidend für das Gelingen einer Hilfe für Kinder und ihre Familien ist die Vernetzung der Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe mit Gerichten, Jugendämtern, Gutachtern und Therapeuten. Zudem müssen Fachkräfte für die Belange der kleinen Kinder sensibilisiert und entsprechend qualifiziert werden", meinte Maria Loheide.

 

Rückblick auf das Programm der Tagung:

Sandra Fendrich, Dr. Jens Pothmann: Der Fall "Yannik" im Horizont statistischer Befunde zu Hilfen zur Erziehung und Inobhutnahmen
Podiumsbeitrag im Rahmen der Fachtagung
Joachim Liebe-Freund: Familienberatung in der von Laer Stiftung
Arbeit mit Herkunftsfamilien
Sylke Richard und Beate Schindler: Netzwerke Jugendamt und freie Träger
Gemeinsame Arbeit im Pflegekinderwesen am Beispiel der Stadt Hamm
Sylvia Egelkamp und Gaby Schilling: Kleine Kinder in Bereitschaftspflege
Auswahlkriterien und Qualifizierung von Familien
Andreas Hornung, Richter am Amtsgericht Warendorf: Die Warendorfer Praxis
Eine Verantwortungsgemeinschaft von Jugendhilfe und Justiz
Prof. Dr. Peter Hansbauer und Laura Kress von der Fachhochschule Münster: Welche Konzepte brauchen wir für die Arbeit mit jüngeren Kindern in stationären Hilfen?
Praxisentwicklungsprojekt: Kleine Kinder in stationären Hilfen

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