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4. Januar 2012

Rente mit 67?

Prof. Dr. Uwe Becker kritisiert aktuelle Debatte zum Renteneintrittsalter

Portraitfoto

Prof. Dr. Uwe Becker

Prof. Dr. Uwe Becker hat in einem Gespräch mit dem epd die Äußerungen von Horst Seehofer (CSU) an der Rente mit 67 als „sozialpolitische Kosmetik“ kritisiert. „Der Aufruf an die Wirtschaft, mehr ältere Menschen zu beschäftigen, ist ein ergebnislos verhallender Appell“, sagte Becker, Vorstand der Diakonie RWL, dem epd am Montag in Düsseldorf. Nötig seien vielmehr humane Arbeitsverhältnisse, damit Menschen bis ins Rentenalter berufstätig bleiben können.

Die Belastung von Arbeitnehmern hat sich nach Beckers Ansicht durch die gestiegene Wochenarbeitszeit und die Forderung nach Flexibilität und Mobilität stark erhöht: „Wenn man in der Erwerbsbiografie das Letzte aus den Leuten herauspresst, muss man sich nicht wundern, dass sie den Marathon nicht schaffen“. Die Rente mit 67 sorge dafür, dass Arbeitnehmer dieses finanzielle Risiko immer stärker selbst tragen müssten. „Wenn die Belastung der Arbeitnehmer nicht sinkt, wird sich diese Problematik im Zuge der Umsetzung der Rente mit 67 nur noch verschärfen“, sagte Becker. Damit Menschen länger im Beruf bleiben könnten, seien unter anderem eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit und die Möglichkeit zu qualifizierten Auszeiten während des Arbeitslebens nötig.

Mit Jahresbeginn hat die schrittweise Anhebung der Altersgrenze für die Rente begonnen. Wer Jahrgang 1964 und jünger ist, muss bis 67 arbeiten, um ohne Abzüge in den Ruhestand gehen zu können. Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hatte am Wochenende kritisiert, es gebe bislang zu wenig Arbeitsmöglichkeiten für Ältere. Falls sich das nicht ändere, führe der spätere Rentenbeginn zu einer Rentenkürzung.

 (c) epd

Weitere Informationen

erf-Interview mit Prof. Dr. Becker zum Thema "Rente mit 67"
In einem weiteren Interview, mit erf-Radio am 3. Januar 2012, erläutert Prof. Dr. Becker seine Kritik ausführlicher
"Nötig sind humane Arbeitsverhältnisse, damit Menschen bis 67 berufstätig bleiben können.“ Prof. Dr. Uwe Becker im Gespräch mit Inken Behrmann vom erf (mp3)
Dossier
Dossier zum Thema Arbeitslosigkeit und Arbeitsmarktpolitik

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