Sie sind hier: Start >

Chancenreich gegen Kinderarmut

>

Materialien

20. September 2011

Sucht und Sport

Fachtag des Fachverbandes Sucht RWL

Zwei Männer beim Fitnesstraining an Geräten

Bereits zum achten Mal fand der Fachtag Sucht und Sport statt, in diesem Jahr zum ersten Mal in der Deutschen Sporthochschule Köln. Die Resonanz war groß: Knapp 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten der Einladung des Evangelischen Fachverbandes Sucht RWL und des Behindertensportbundes NRW.


Mit Sport und Spiel die Therapie unterstützen

Der Fachtag bot den (sportlich-) interessierten Mitarbeitenden aus der professionellen und ehrenamtlichen Suchthilfe NRW praxisorientierte Workshops, in denen sie neue Sportarten und deren Einsatz in der Rehabilitation von Suchtkranken kennenlernten. Mittlerweile wurden knapp 30 Sport- und Spielarten im Rahmen der Fachtage vorgestellt. Neu dazu kamen in diesem Jahr das Training mit dem Schwing-Stab, Springen auf dem Trampolin, Klettern, Body Mind Centering und DiscGolf.

Im Vordergrund steht der Aspekt der Gemeinschaft bei allen Sportarten. Sie können und sollen allesamt in Gruppen ausgeführt werden. „Das Ziel dieser Übungen ist es, die soziale Kompetenz der oftmals einsamen Suchtkranken wieder auszubauen. Sie sollen im Sport auf spielerische Weise wieder lernen Verantwortung zu übernehmen, ihren Körper wieder wahrzunehmen, ihr Körperbewusstsein zu stärken und neues Durchhaltevermögen entwickeln. Sport soll in der Rehabilitation zu einer sinnvollen, gemeinschaftlichen Freizeitbeschäftigung werden“, so Beate Schröder, Referentin der Suchthilfe in der Diakonie RWL.

 

Praxis und Theorie

Wer mehr über die Rolle des Sports bei der Rehabilitation von Suchtkranken wissen wollte, konnte sich am 16.09.11 in der DSHS Köln informieren und mit denen austauschen, die bereits die Zusatzqualifikation "Fachübungsleiter(in) für Rehabililtationssport bei Suchterkrankungen" des Evangelischen Fachverbandes Sucht RWL erworben haben. Für sie bietet der Fachtag nicht nur die Möglichkeit, neue Sportarten auszuprobieren, sondern auch ihre Übungsleiterlizenz zu verlängern. Alle zwei Jahre müssen die Übungsleiterinnen und Übungsleiter den Fachtag besuchen, um danach eine Verlängerung ihrer Lizenz beim Behindertensportbund NRW beantragen zu können. Die Übungsleiterlizenz ermöglicht es den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden der Suchthilfe, Turnhallen für ihre Sportangebote zu nutzen.

Neben den praktischen Erfahrungen fanden am Fachtag auch Referate zu theoretischen Aspekten der Sportrehabilitation statt. Der Sportmediziner Professor Dr. Wilhelm Bloch wies in seinem Vortrag über „Neurobiologische Aspekte zum Training bei Menschen mit Alkoholabhängigkeit“ darauf hin, dass Bewegung und sportliche Aktivitäten positive Ergebnisse im Gehirn auslöse und dass Sport gerade für langjährig trinkende Menschen sehr erfolgversprechend sei. Er unterstützte die Zuhörenden darin suchtkranke Kinder, Frauen und Männer im Rehabilitationsbereich an den Sport heranzuführen. Denn laut einer Studie des Sportmediziners Professor Dr. Hubertus Deimel, betreibt immerhin ein Drittel der ehemals Suchtkranken nach der Rehabilitation regelmäßig eine Sportart und ein weiteres Drittel bleibt unregelmäßig dabei. Denn der Sport eröffnet einige Perspektiven für ein abstinentes Leben: Er kann den Kontakt zu anderen Menschen erleichtern und helfen, die eigenen Grenzen und Ängste zu überwinden und so das Selbstbewusstsein der Suchtkranken stärken.

 

Zusatzqualifikation zum Fachübungsleiter geht weiter

Beate Schröder erklärte, dass die Diakonie RWL diese in Deutschland einmalige Fortbildung und Zusammenarbeit mit dem Behindertensportverband NRW weiterhin unterstützen werde. "So wollen wir suchtkranken Menschen eine Vielfalt an Möglichkeiten aufzeigen, die ihnen die Hilfe zur Selbsthilfe erleichtert" sagt Beate Schröder. Nach ihrer Einschätzung hat sich die Deutsche Sporthochschule Köln als idealer Ort für einen solchen Fachtag erwiesen.

 

Die Zusatzqualifikation "Fachübungsleiter(in) für Rehabililtationssport bei Suchterkrankungen" beginnt im Herbst 2012. Bei Interesse bitte vormerken unter , 0211 63 98-293.

 

zurück zur Übersicht