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11. Oktober 2011

Reportage: Vater-Kind-Wochenenden

Männerarbeit in der Evangelischen Kirche im Rheinland organisiert Väterangebote in Kindertagesstätten

Vater übergibt einem Kind ein gebasteltes Schwert aus Pappe und Alufolie

Gruppenbild: Neun Väter mit Kindern, vorne eine Frau

Gruppenbild auf Klick größer

Ein Projekt der Männerarbeit in der Evangelischen Kirche im Rheinland organisiert Vater-Kind-Wochenenden und andere Väterangebote in Kindertagesstätten. Das mit Landesmitteln geförderte Angebot soll dazu beitragen, Väter zu mehr Mitwirkung in Kindertagesstätten zu ermutigen und KiTas "zu mehr Väterfreundlichkeit anzuregen". In 2011 wurden bereits über 25 Wochenenden organisiert. Ähnliche Angebote gibt es seit langem schon in der Männerarbeit der Ev. Kirche von Westfalen.

"Das da ist mein Papa", ruft der kleine Conner und zeigt auf ein Foto. Darauf sieht man ihn mit einem Mann auf Steinen an einem Lagerfeuer sitzen. Jeder von ihnen hat einen Stock mit Teig an der Spitze in der Hand, den sie über das Feuer halten. Sie backen Stockbrot. Das ist eines von knapp 20 Bildern, die auf einer Spanplatte als Fotocollage kleben. Ganz oben steht als Titel "Vater-Kind-Wochenende". Die Fotocollage steht im Flur der evangelischen integrativen Kindertagesstätte Lerchenweg in Monheim. Von dort aus haben sich am 06. Mai 2011 neun Väter mit ihren Kindern auf den Weg nach Kleve gemacht, um ein Wochenende lang auf Schatzsuche zu gehen. Begleitet wurden sie dabei von Oliver Jeremies, einem ehrenamtlichen, ausgebildeten Leiter für die Vater-Kind-Arbeit.

Jedes Jahr verschickt die Männerarbeit in der Evangelischen Kirche im Rheinland Flyer für das Vater-Kind-Wochenende an Kindertagesstätten im Einzugsgebiet der Diakonie RWL. Bei Iris Jerina, der Leiterin der integrativen Kindertagesstätte, ist das Interesse gleich geweckt. "So kann man auch die Väter mehr in den Blick nehmen. Die Kita ist ja schon eher ein Mütterschwerpunkt". Nach einem Telefonat mit dem zuständigen Referenten für Vater-Kind-Arbeit, Björn Lohe, ist Iris Jerina dann restlos überzeugt. Zusammen mit Björn Lohe sucht sie einen Termin aus und bewirbt das Wochenende in ihrer Kindertagesstätte. Flyer verteilen sie und ihre Mitarbeiter, die Mütter sprechen sie an: Sie sollen doch bitte ihre Männer fragen, ob Interesse an einem solchen Wochenende bestünde. "Nach einer Woche hatten wir schon neun Anmeldungen. Und die sind auch alle mitgefahren", erinnert sich Iris Jerina.

 

Männer im Kreis stehend gucken von oben in die Kamera

Teilnehmende der Fortbildung "Erziehungskompetenzen stärken".
Vorne im Bild Jürgen Rams

Von Anfang an aktiv eingebunden: die Väter

Diese neun Väter treffen sich vor dem Wochenende zweimal in den Räumen der Kindertagesstätte, um das Wochenende zu planen. Beim ersten Treffen ist Iris Jerina mit dabei gewesen. "Ich wollte die Väter begrüßen, schließlich sind sie ja hier in meiner Kita zu Gast. Und neugierig war ich natürlich auch", erzählt sie. Geleitet werden diese ersten Treffen von Oliver Jeremies, der die Väter mit ihren Kindern auch an besagtem Wochenende begleitet. Er ist einer von mittlerweile 32 Männern, die sich in einer einjährigen Fortbildung zum Gruppenleiter in der Vater-Kind-Arbeit haben ausbilden lassen, mit Zertifikat, das auch von der evangelischen Fachhochschule Bochum.

Beim ersten Vortreffen geht es um viel Organisatorisches: Welche Jugendherberge kommt in Fragen, unter welchem Thema soll das Wochenende stattfinden, wie soll die Andacht am Sonntagmorgen gestaltet werden? Und es werden die wirklich wichtigen Fragen gestellt: Warum sind die Väter da? Für Falko Tittelbach gibt es gleich zwei gute Gründe: Sein Sohn Conner wollte unbedingt mitfahren, "und so ein Wochenende zusammen mit dem Kurzen, das nimmt man sich doch gerne!" Andere haben noch gute Erinnerungen an Wochenendfreizeiten aus ihrer Jugend und wollen diese Erfahrungen an ihre Kinder weitergeben. Ein Thema für die Freizeit ist auch schnell gefunden: Schatzsuche. Aufgaben werden verteilt, E-Mail-Adressen ausgetauscht und ein nächstes Treffen verabredet.

Bei dem zweiten Treffen ist Iris Jerina dann nicht dabei. "Ich hatte damit gerechnet, dass wir von der Kita viel mehr machen müssen, aber das übernehmen die Väter alles selbst", freut sich die Leiterin. Der Kindertagesstätte kommt insgesamt mehr eine Vermittlerposition zu. Sie ist das Forum, über das die Männerarbeit auf die Väter zugeht. Die Organisation des Wochenendes, der Vor- und Nachtreffen und aller sonstigen Fragen übernehmen die Referenten und ehrenamtlichen Leiter der Männerarbeit.

 

"Das Projekt ist in den Tageseinrichtungen im Rheinland stark nachgefragt und kommt bei Vätern sehr gut an. Gerade die Kombination des ´Gemeinsamen Tuns´ mit gemeinsamen Themen ist gelungen. Die Rückmeldungen aus der Praxis sind ein gutes Zeichen gelingender und gelebter evangelischer Ausrichtung eines gemeinschaftlichen Anliegens, Väter näher in den Blick und mit in den Dialog zu bringen."

Jörg Walther, Diakonie RWL / Rheinischer Verband Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder e.V.

Das Projekt Vater-Kind-Wochenende

"Wir verfolgen mit diesem Projekt mehrere Ziele", sagt Jürgen Rams, Leiter des Zentrums für Männerarbeit in der Evangelischen Kirche im Rheinland und Entwickler dieses Projekts. "Wir wollen die Väter aktiv in die Planung mit einbeziehen, um sie zu ermutigen, ihre Erziehungsverantwortung wahrzunehmen", so der Sozialpädagoge, "und wir wollen die Kindertagesstätten zu mehr Väterfreundlichkeit anregen."

2008 stellte Jürgen Rams den Antrag auf Förderung für dieses Projekt beim Land Nordrhein-Westfalen. Mit Bewilligung der Förderung wurde im Oktober 2009 der Gemeindepädagoge Björn Lohe als Referent für Vater-Kind-Arbeit eingestellt. Seine Aufgabe: das Projekt bei Kindertagesstätten bekannt machen und letztlich die Wochenenden durchführen. Er macht seine Aufgabe gut: 170 Kindertagesstätten haben bisher mit der Männerarbeit in der EKiR Kontakt aufgenommen. Jürgen Rams sieht sich bestätigt: "Der Bedarf ist da und wächst stetig." In 2011 finden knapp 25 Vater-Kind-Wochenenden statt, Tendenz steigend. "Wir wollen den Vätern Gelegenheit geben, Zeit mit ihren Kindern zu gestalten, aber auch Raum für den Austausch mit anderen Vätern", erklärt Jürgen Rams das Konzept des Wochenendes, das er bewusst nicht als Freizeit, sondern als Seminar verstanden wissen will: "Die Väter sollen Erfahrungen mit ihren Kindern, aber auch mit sich selbst sammeln. Wir wollen ihnen helfen, ihre Rolle als Vater zu definieren."

Das zweite Vortreffen fällt dann etwas praktischer aus. "Da haben wir dann gebastelt", erzählt Falko Tittelbach, "wir wollten ja auch mal wissen, was sich die Frauen da immer antun." Und so entstehen eine Schatzkarte mit Aufgaben, Ritterrüstungen und Schwerter aus Pappe und Holz. "Der Schatz war eine große Kiste Gummibärchen, die wir abends am Lagefeuer mit den Kindern gegessen haben", erinnert sich Falko Tittelbach.

Endlich Wochenende

Am Freitagnachmittag geht es dann los. Alle Väter fahren mit ihrem Kind oder ihren Kindern in Richtung Kleve zur Jugendherberge. "Freitags im Berufsverkehr um Düsseldorf rum zu fahren, das war nicht so angenehm", Falko Tittelbach. Nach dem ein oder anderen Stau ist es dann aber geschafft und die Familien beziehen ihre Zimmer. Dann geht es wieder ans Basteln. Diesmal Namens- und Türschilder, mit ganz praktischem Hintergrund: viele der Kinder können noch nicht lesen, aber einen schwarzen Papp-Drachen an der Zimmertüre erkennen sie wieder und wissen so genau wo ihr Kumpel wohnt, und hinter welcher Türe der Papa am Samstagmorgen noch schläft. Der erste Tag endet für die Kinder dann mit einer Gute-Nacht-Geschichte. Die Väter treffen sich zur ersten Väterrunde und klären noch einmal Organisatorisches für das Wochenende. "Eigentlich setzen wir dafür immer so anderthalb Stunden an, aber meistens sitzen die Väter dann noch bis knapp ein Uhr zusammen", berichtet Björn Lohe.

Vater mit Kind auf Schulter und weiterem Kind im Arm

Foto: BCantrall / WikimediaCommons

Da ist zehn Uhr am nächsten Morgen schon ganz schön früh für die erste Einheit. Je nach Gruppenstimmung geht es dann ans Themen-Verkleidungen-Basteln oder direkt raus zu einem ersten Großgruppenspiel. Die wohlverdiente Mittagspause verbringen Väter und Kinder dann ganz ohne Seminarleiter oder Teamer. Die sind erst am Nachmittag wieder mit dabei, wenn die erlebnispädagogischen Angebote stattfinden. "Das ist immer ein Wunsch von den Vätern: etwas draußen machen, Lagerfeuer, Stockbrot, so was eben", weiß Björn Lohe von den vielen Seminaren, die er schon geleitet hat. So klingt dann der Samstag Abend zumeist am Lagerfeuer aus. Wie am Freitag gibt es noch eine Gute-Nacht-Geschichte und dann geht es für die Kinder auch wieder in die Falle.

Die Väter treffen sich dann noch einmal zu einer Väterrunde. Diesmal dreht es sich um ihre Erfahrungen der vergangenen zwei Tage: Wie habe ich mich erlebt? Wie habe ich mein Kind erlebt? Wie war der Umgang mit anderen Kindern und Vätern? Björn Lohe erklärt den großen Gesprächsbedarf der Väter: "Häufig erleben die Väter ihre Kinder zuhause ja nicht im Umgang mit anderen, also unbekannten Kindern. Ein Vater war mal ganz erstaunt, dass sein Sohn so lebhaft war. Zuhause war der immer eher still, aber draußen mit den anderen Kindern hat der richtig aufgedreht." Eine solche Runde kann auch schon mal richtig lange dauern. "Manchmal geht´s erst so zwischen zwei und drei Uhr ins Bett", erinnert sich der Gemeindepädagoge.

Am Sonntag Vormittag findet dann eine Andacht mit allen Vätern und Kindern statt. Auch hier werden die Väter in die Planung mit einbezogen, schließlich soll es eine Andacht für jeden werden. Danach ist bis zum Mittagessen noch Zeit sich zu unterhalten, oder das beste Spiel vom Vortag noch einmal zu spielen. Nach dem Mittagessen findet eine Abschlussrunde für Väter und Kinder statt. Dabei werden auch Familienfotos gemacht. "Die finden dann später auch meisten ihren Platz in den Familienalben", freut sich Björn Lohe. Auch die Väter geben ein positives Feedback. Falko Tittelbach kommt zu dem Schluss: "Wir waren mit dem ganzen Programm rundum zufrieden."

Nach dem Wochenende geht es weiter

Nach dem Wochenende treffen sich die Väter noch einmal zu einer Nachbesprechung. Aus dieser Reflexionssitzung werden oftmals Wünsche an die Kindertagesstätten herangetragen. "Sie wollen mehr vätergerechte Termine, also Treffen erst am frühen Abend, damit die berufstätigen Väter auch teilnehmen können. Und mehr Veranstaltungen wie ‚Großvätertage´ oder ‚Vätersamstage´", zählt Iris Jerina die Wünsche der Väter an ihre Einrichtung auf. Bei der Umsetzung lässt die Männerarbeit in der EKiR die Einrichtungen aber nicht alleine. Es finden Reflexionsgespräche statt, in denen Angebote für Väter mit entwickelt werden.

Foto vor grünen Bäumen

Jürgen Rams und Björn Lohe

Für das nächste Jahr stehen schon wieder etliche Termine an. Jürgen Rams und Björn Lohe sind froh, dass das Projekt so gut ankommt, und dass sie mittlerweile genug ehrenamtliche Gruppenleiter ausgebildet haben, um den Ansturm zu bewältigen. Der nächste Termin für die Väter der Evangelischen integrativen Kindertagesstätte Lerchenweg steht schon. Im nächsten Frühjahr wollen sie wieder ein Wochenende mit ihren Kindern verbringen. Falko Tittelbach und sein Sohn Conner freuen sich auch schon: "Ich habe ihn letztens noch mal gefragt und er will auf jeden Fall wieder fahren." Da sind die beiden nicht die einzigen. Der Mailverteiler der ersten Gruppe ist noch aktiv: Die Väter haben sich seit dem Wochenende schon zweimal zu einem Stammtisch auf ein Bierchen getroffen. Und die Väter, deren Kinder mittlerweile schon in die Schule gehen, wollen gerne wieder mitfahren. Ein letztes Statement von Conners Vater: "Also, da sind wir uns eigentlich alle einig: das ist absolut empfehlenswert!"

Kontakt:
Wer sich genauer über das Projekt Vater-Kind-Wochenende oder andere Projekte der Vater-Kind-Arbeit informieren möchte, kann sich bei Jürgen Rams (Tel 0211 3610 214, ) und Björn Lohe (Tel 0211 3610 213, ) weiter informieren.

Reportage: Christina Gigowski

 

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