Kompetenzen ausbauen und Perspektiven schaffen
Neue Fortbildungsreihe zur frühkindlichen Bildung
Die erste Fortbildungsreihe zur Frühkindlichen Bildung speziell für KinderpflegerInnen und sogenannte Ergänzungskräfte im Bereich Tageseinrichtungen für Kinder ist erfolgreich abgeschlossen. 20 Kinderpflegerinnen machten sich gemeinsam mit dem Fachverband für Tageseinrichtungen für Kinder in Westfalen und Lippe (evta.) auf den Weg, die geforderte „Nachqualifizierung“ auf die Beine zu stellen.
Neben der Vermittlung von Fachwissen ging es den Veranstaltenden um die Stärkung von Argumentations- und Diskussionsmethoden: „Gerade mit Blick auf die Kompetenzorientierung in der Beruflichen Bildung und auf dem Arbeitsmarkt wird es immer wichtiger, neben dem fachlichen Geschick auch die persönlichen Kompetenzen wie Teamfähigkeit, interkulturelle Kompetenz und Kooperationsfähigkeit weiter auszubauen.“, so Frau Dr. Annett Herrmann, Referentin für die Aus-, Fort- und Weiterbildung der Diakonie RWL.
Hintergrund
Die Fortbildungsreihe zur Frühkindlichen Bildung war für die Kinderpflegerinnen nach dem Kinderbildungsgesetz in NRW verpflichtend, um in den Gruppenformen I und II auch nach dem Jahr 2013 arbeiten zu können. Dr. Annett Herrmann: „Dieser Zwang schürte auf Seiten der Kinderpflegerinnen zunächst verständlicher Weise eine gewisse abwehrende Haltung und aus dem Qualifizierungsangebot entstand ein individuell empfundener Qualifizierungsdruck.“ Der konzeptionelle Dreiklang zwischen fachlicher Vermittlung, Kommunikationsstärkung und Gesundheitspräventionsmaßnahmen speziell für den Bereich der Tageseinrichtungen bewähre sich aber schon in den ersten Modulen. „In der Fortbildung kamen Frauen zusammen, die eine mindestens 15-jährige Berufserfahrung im Kita-Bereich mitbringen. Hier konnte spielend auf Kompetenzen aufgebaut werden und Perspektiven wurden geschaffen, die über den gesetzlich gesetzten Fortbildungsauftrag hinausgehen.“, betonte Frau Dr. Annett Herrmann, „In der Fortbildung ging es um mehr, als nur um die Vermittlung von pädagogischen Fachwissen und das zeigte sich auch in der Motivation und Begeisterungsfähigkeit der Teilnehmerinnen.“
Inhalte
Die Fortbildungsreihe setzte sich aus sieben Modulen zusammen, die jeweils drei Tage dauerten. Insgesamt waren 160 Unterrichtseinheiten speziell zu Themen zu absolvieren, die unter dreijährige Kinder betreffen. Am Ende der Fortbildungsreihe im April 2011 vergab der evta.-Fachverband zusammen mit der Geschäftsbereichsleitung des GB FABE, Frau Maria Loheide ein Zertifikat, das die Teilnehmerinnen befähigt im Sinne des Kinderbildungsgesetzes und der Personalvereinbarung mit unter dreijährigen Kindern zu arbeiten. „Dass es bei dieser Arbeit nicht nur um das Wickeln von Kleinkindern geht, steht spätestens nach dieser Fortbildungsreihe außer Frage!“, so Herrmann.
Auch wenn die Revision des Kinderbildungsgesetzes die Personalvereinbarung dahin gehend verändern sollte, dass eine 160UE-Fortbildung für Ergänzungskräfte nicht mehr verpflichtend sein sollte, hält der Fachverband evta. an diesem Fortbildungsangebot fest. „Im Grunde genommen widerspricht die Qualifizierungsverpflichtung dem Bildungsverständnis, das der Fachverband evta. und die Diakonie RWL verfolgen. Denn ein diakonisches Bildungsverständnis beruht auf Freiwilligkeit, Ungerichtetheit, Eigenmotivation und Selbständigkeit mit dem Wissen, zu nichts gedrängt zu werden. Bildung bleibt so stets Selbstbildung und kann sich als vielschichtig erweisen. Bildungsangebote der Diakonie RWL sollen Handlungskompetenz ermöglichen und sind an keine Altersstufe gebunden.“, erläuterte Annett Herrmann.
Aktuell bietet der Fachverband evta. zwei weitere Kurse zur Frühkindlichen Bildung an. Der erste, wie auch der dritte Kurs, der in Kooperation mit der Familienbildung stattfindet, werden zusätzlich aus ESF-Mitteln gefördert. Auch ein möglicher vierter Kurs, der im Jahr 2012 beginnen soll, findet großes Interesse bei Trägern und Mitarbeitenden in den Tageseinrichtungen für Kinder. „Alles in allem ist diese evta.-Fortbildungsreihe zur Frühkindlichen Bildung so erfolgreich, weil sie Lernen als einen ungerichteten Prozess begreift und begreifbar macht. Und dieser Prozess nimmt dabei einen konkreten Bezug auf die Lebenswelt und baut die Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeitenden in diakonischen Einrichtungen im Sinne der Personalentwicklung weiter aus.“ betont Frau Dr. Herrmann abschließend.
