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Freiwilligenmanagement

Das Freiwilligenmanagement ist ein prozessorientiertes Vorgehen, bei dem sich Organisationen den Motivationen, Erwartungen, Bedürfnissen und Kompetenzen von Freiwilligen öffnen. Dabei soll das Zusammenpassen der Interessen der Freiwilligen und der Organisationen entwickelt werden. Für das Gelingen eines Freiwilligenmanagements ist erforderlich, dass alle Mitarbeitenden (bereits ehrenamtlich Tätige, Hauptamtliche, Vorstand etc.) in den Prozess einbezogen werden. Besonders die Hauptamtlichen sind anzusprechen, um ihre Ängste und Bedenken ernst zu nehmen.. Die Leitung muss grundsätzlich die Arbeit mit Freiwilligen befürworten und ein Budget bereitstellen.   

Konzept

Hier stellen sich die Fragen, ob es ein Konzept zur systematischen Zusammenarbeit mit Freiwilligen gibt. Eine Willenserklärung aller Beteiligten, eine systematische Zusammenarbeit mit Freiwilligen zu gestalten, ist wichtig. Die Fragen: Wollen wir mit Freiwilligen arbeiten, warum wollen wir mit Freiwilligen arbeiten, sollten diskutiert werden.

Bedarfseinschätzung/Programmplanung

Anhand der Analyse einer Einrichtung kann eine Bedarfseinschätzung vorgenommen werden. Es geht darum, die noch zu benötigenden oder bereits bestehenden Aufgabenfelder zu analysieren: Sollen neue Felder entwickelt werden, für welche Felder können denn überhaupt Freiwillige eingesetzt werden, welche Tätigkeiten können nur von Hauptamtlichen übernommen werden, wo brauchen Hauptamtliche Unterstützung, wo können ergänzende Angebote entwickelt werden, welche Bedürfnisse haben die "Nutzer" der Angebote etc. Nach der Bedarfsanalyse sollte dann deutlich sein, wie viele Freiwillige schon tätig sind, ob sie zufrieden sind, wie viele neue Freiwillige geworben werden etc. Damit verbunden ist die Programmplanung, die die inhaltliche Richtung einer Einrichtung beschreibt.

Aufgabenentwicklung/Aufgabenbeschreibung

Aus der Bedarfseinschätzung ergibt sich die Aufgabenentwicklung und die Aufgabenbeschreibung. Für eine gelingende Freiwilligenarbeit ist es sinnvoll, die Aufgaben möglichst konkret zu beschreiben. Bei den Aufgabenbeschreibungen sollte beachtet werden, dass sie nicht zu einer Über- oder Unterforderung führen, einen zu hohen Zeitaufwand erfordern oder zu eintönig sind. Sinnvoll ist es, die Aufgaben an Ziele zu knüpfen. Zur Aufgabenentwicklung gehört auch, Voraussetzungen für ein partnerschaftliches Miteinander zwischen Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen zu schaffen, d.h. Aufgaben, Zuständigkeiten und Verantwortungsbereiche sind voneinander abzugrenzen und die Rollen beider klar zu beschreiben. Hauptamtliche sind unbedingt in die Aufgabenentwicklung einzubeziehen.

Rahmenbedingungen

Es muss geklärt werden, wo z.B. der Arbeitsplatz für die Ehrenamtlichen ist, ob sie einen PC benötigen, einen Schlüssel, Fahrtkostenerstattung, ob sie versichert sind etc..

Ansprechpartner/-in

Eine Ansprechpartnerin/ ein Ansprechpartner koordiniert und begleitet die Freiwilligen. Sie /Er ist da für die Ehrenamtlichen und die Hauptamtlichen bei allen Fragen rund ums Ehrenamt.

Gewinnung

Wenn die notwendigen internen Voraussetzungen geklärt sind, kann gezielt geworben werden. Es sollte eine überzeugende Botschaft entwickelt werden, die gezielt motiviert, die Wichtigkeit, die Anforderungen und den Nutzen des Engagements aufzeigt, Zugangsbarrieren mindert und den Ansprechpartner nennt. Gute Strukturen, gutes Klima wirken anziehend .Persönliche Kontakte sind oft Anstoß, sich zu engagieren. Die beste Werbung sind begeisterte Freiwillige. Flyer, Postkarten, Faltblätter und der richtige Ort der Werbung helfen ebenfalls.

Vorstellungsgespräch/ Matching/ Erstgespräch

In diesem Gespräch werden Engagementmöglichkeiten und Profile des Feldes mit den Motivationen, Bedürfnissen und dem Profil des Freiwilligen abgeglichen. Die künftige Zusammenarbeit und das Zueinanderpassen sollten hier besprochen und entwickelt werden. Das Leitbild und die Ziele der Organisation sollten an dieser Stelle dargestellt werden. Hier ist die erste Möglichkeit, sich für ,aber auch gegen die Arbeit auszusprechen.

Schnupperphase, Orientierung, Einarbeitung

Orientierung bietet z.B. ein Einführungsprogramm, im Rahmen dessen Freiwillige willkommen geheißen werden, erste Kontakte knüpfen können, über Arbeitsabläufe, Sicherheitsbestimmungen ,räumliche Gegebenheiten etc. informiert werden. Daran schließt sich die Einarbeitungszeit an, die von Hauptamtlichen oder Ehrenamtlichen übernommen werden kann. Eine Schnupperphase kann vereinbart werden, an dessen Ende (z.B. nach 2 Monaten) sich ein Reflexionsgespräch anschließen sollte.

Begleiten, Unterstützen, Motivieren, Beraten

Neben dem Austausch mit anderen Mitarbeitenden sind regelmäßige Treffen in Form von Einzel- oder Gruppengesprächen Momente motivierender Begleitung. Hier ist der Raum für Anregungen, Kritik, Unzufriedenheit etc. Regelmäßige Austauschtreffen, an denen Wissen vermittelt oder einfach Anregungen ausgetauscht werden können, fördern die Integration und Identifikation mit der Einrichtung.
Zur Begleitung gehört auch, über den Abschied zu sprechen. Abschied ist ein schwieriges Thema, deshalb sollte ihm Aufmerksamkeit geschenkt werden. Ein kleines Abschiedsfest und ein vertrauensvolles Gespräch drücken dies aus.

Qualifizierung

Für viele Arbeitsfelder sind Methoden -, Fach- und Sozialkompetenz wichtig.
Für manche Arbeitsfelder sind als Vorbereitung Qualifizierungen notwendig (z.B. Telefonseelsorge). Begleitende Angebote sind supervidierende Angebote, kollegiale Beratungen, Austauschtreffen, sind gezielte, dem Arbeitsfeld entsprechende  Angebote (siehe Broschüre "Qualifizierung" des BBE)

Anerkennung

Die Anerkennung der Leistungen Freiwilliger ist ein zentraler Bestandteil für die Motivation und die Bindung Freiwilliger. Die Einrichtung sollte eine Anerkennungskultur entwickeln. Die "Anerkennungsmacht" hat im Prinzip jeder Mitarbeitende in der Einrichtung. Sie erfolgt einerseits durch die Nutzer der Einrichtung, muss aber auf jeden Fall auch durch die Hauptamtlichen bzw. die Leitung der Einrichtung erfolgen. Anerkennung bedeutet, tatsächlich wahrzunehmen, welches Engagement jeder Ehrenamtliche erbringt. Dies kann erfolgen durch Danke-Schön-Veranstaltungen, durch unzählige Signale im Alltag, sie kann durch das Einbeziehen in Entscheidungen, durch Partizipation , durch die vertauensvolle Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen, durch Zertifikate und Zeugnisse und durch die Möglichkeit, selbstständig arbeiten zu können, sich einbringen zu können, realisiert und ausgedrückt werden.

Evaluation

Die  Evaluation ist nicht die letzte Phase, sondern integrierter Bestandteil des Prozesses. Sie dient dazu, qualitative (z.B. sind die Erwartungen erfüllt worden) und quantitative Aussagen (z.B. Zahl der Ehrenamtlichen) auszuwerten. Entsprechende Veränderungen des Konzeptes sind dann vorzunehmen.

Karen Sommer-Loeffen, Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe

 

Material zum Herunterladen

Ehrenamtsspirale
Im folgenden Schaubild werden die Bausteine einer systematischen Freiwilligenarbeit dargestellt. Die Form der Spirale stellt die Lebendigkeit eines solchen Prozesses dar. Der Prozesse einer systematischen Ehrenamtsarbeit ist nie abgeschlossen, sondern verändert sich, bewegt und entwickelt sich.
Ehrenamtsspirale.pdf

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