Sie sind hier: Start >

Aktuelles

> Archiv >

Archiv 2009

18. November 2009

Vielfalt bringt Bereicherung

Präses Buß auf der Trägerkonferenz Migration der westfälisch-lippischen Diakonie

Der leitende Geistliche der westfälischen Kirche überraschte die Teilnehmenden der Trägerkonferenz Migration mit einer neuen Auslegung der Geschichte vom Turmbau zu Babel. Gott rettet die Vielfalt, "denn Uniformität riecht nach Gewalt, Unterdrückung und Assimilation." Der zweite biblische Impuls liege darin, Migration und Mobilität als Grundkonstanten der Menschheitsgeschichte zu verstehen.

 

Beharrliche Arbeit an der Seite der Schwächsten

Präses Buß sprach vor etwa 40 Trägern aus dem Handlungsfeld Migration und Flucht der Diakonie in Westfalen und Lippe. Nikolaus Immer, Leiter des Geschäftsbereiches Soziales und Integration der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, würdigte den Einsatz des Präses, der nicht nur Vorsitzender der EKD-Kommission für Migration und Integration ist, sondern sich auch persönlich als Mann der klaren Worte in Politik und Kirche stark dafür einsetze, dass Flüchtlinge geschützt  und Zugewanderte mit ihren Familien gleichberechtigt teilhaben können. Der Präses wiederum dankte den Trägern und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Migrationsdienste für ihre beharrliche Arbeit an der Seite der Schwächsten und Ausgegrenzten. Anwaltschaftliche Diakonie, so der Leiter der westfälischen Kirche, stehe nicht zur Disposition, auch wenn hier Vieles nicht refinanziert wird.

 

Vielfalt in der diakonischen Kirche

Vielfalt gerecht zu gestalten, das machte Präses Buß deutlich, beschränkt sich aber nicht nur auf Forderungen an Politik, Kommune und Bürgerschaft. Hier liegen auch Herausforderungen an Kirchengemeinde und organisierte Diakonie. Eine diakonische Kirche muss die Realitäten der Einwanderungsgesellschaft an sich heranlassen. Das gilt für Diakoniestationen, Altenheime und Kindertagesstätten, aber auch für die Zusammensetzung von Gremien, für Gemeindekonzeptionen und für  die kirchlich-diakonische Personalentwicklung. Diese "Kirche mit anderen" biete Chancen, die noch nicht genug genutzt werden.

Auf politischer Ebene müsse Ernst gemacht werden mit echter Integration. Integration sei dabei als wechselseitiger, dialogischer Prozess zu verstehen.  Berufs- und Bildungsabschlüsse von Einwanderern seien anzuerkennen. Buß warnte vor einem drohenden "Integrationsparadox". Einerseits setze sich eine zunehmend pragmatische Haltung im Blick auf die Entwicklung und die Alltagskonflikte der Einwanderungsgesellschaft durch, andererseits drohe wachsende soziale Polarisierung. Buß unterstrich die hohe Bedeutung des kirchlichen Engagements in Sachen Bleiberecht und wandte sich gegen die Abschottung der Festung Europa. Auch wenn durch Klimawandel und Weltwirtschaftskrise die Wanderungs- und Flüchtlingszahlen noch stark anwachsen, wesentliche Aufgabe für Politik und Gesellschaft sei es, eine offensive und einladende, gerechte Migrationspolitik zu gestalten.

zurück zur Liste