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Archiv 2009

7. Oktober 2009

WohnQuartier4 Fachtagung

„Halbzeit“ - Vorstellung der Zwischenergebnisse und Fachdiskussion

Impressionen von der Veranstaltung

Verschiedene Fotos der Veranstaltung

Fotos: Volker König

Am 22. September 2009 wurden im Stadtmuseum Düsseldorf die ersten Ergebnisse der Umsetzung des Modellkonzeptes WohnQuartier4 an den Pilotstandorten nach 1 ½ Jahren Laufzeit der Fachöffentlichkeit vorgestellt.

Eingeladen waren Entscheidungs- und Einrichtungsträger sowie Fachpublikum aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Kommunen und kommunalen Spitzenverbänden, Wohlfahrtsverbänden, der Bau- und Wohnungswirtschaft, Kirchengemeinden, der Kranken- und Pflegekassen; die Teilnehmer kamen aus 26 Städten und mehreren Bundesländern.

Beispiel für „gelebte Solidarität“

Als gutes Beispiel für „gelebte Solidarität“ wertete Dr. Christoph Eichert,  Abteilungsleiter im  Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration (MGFFI), das Projekt „WohnQuartier4 = die Zukunft altersgerechter Quartiere gestalten“. Eichert sprach bei der Halbzeit-Tagung des Projektes im Düsseldorfer Stadtmuseum, das von 2008 bis 2011 an zwei städtischen Standorten – in Essen-Altenessen und Remscheid-Hohenhagen – und parallel auch in zwei ländlichen Gebieten (Grefrath-Oedt und Burscheid) im Praxistest erprobt wird. Für die mehr als 100 Teilnehmenden an der Fachtagung hatte Eichert auch eine ministerielle Einschätzung des Projekts zur Hand: „WohnQuartier4 hat in unserem Ministerium einen hohen Stellenwert. Weil es darin mehr um das Miteinander der Generationen geht, ist das Projekt auch nicht im Bauministerium angesiedelt.“

Ein Projekt von unten

Wolfgang Heiliger, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der das Projekt finanzierenden Stiftung Wohlfahrtspflege Nordrhein-Westfalen, der für die erkrankte Projekt-Patin Barbara Steffens, Landtagsabgeordnete der Grünen, einsprang, betonte in seinem Grußwort, die Mitglieder des Stiftungsrates habe seinerzeit besonders bei „WohnQuartier4“ beeindruckt, dass „ein Projekt von unten“ um Förderung nachgesucht habe, bei dem es darum gehe, „Teilhabe“ verschiedener Bevölkerungs- und Altersgruppen in einem überschaubaren Wohnumfeld zu organisieren und dabei durch die Beteiligung eines Baudienstleisters von Beginn an „Bauen und Soziales“ miteinander zu verknüpfen.

Christiane Grabe, Projekt-Verantwortliche für „WohnQuartier4“ in der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, und Martina Krause sowie Dietmar Fleischer, Vor-Ort-Koordinatoren in Remscheid und Essen, stellten die neueren Entwicklungen an den verschiedenen Standorten vor. An diesen beiden Standorten ist es zwischenzeitlich gelungen, ein neues Gefühl für nachbarschaftliches Miteinander im Quartier zu wecken. In Remscheid gelang das beispielsweise mit dem Kulturprogramm „Treppenhaus und Gartenzaun“, in Essen entstand mit Hilfe der Bänke aus einer aufgelassenen Kirche, das „internationale Bank(en)viertel“ Altenessen, und wird gerade im Rahmen eines Herbstfestivals „Zuhause in den 50er Jahren“ das vor zwei Jahren geschlossene Gemeindezentrum als „Kulturhaus der Generationen“ wieder für das Quartier geöffnet.  Krause und Fleischer berichteten von gelungenem Aktivieren alter und junger, einheimischer und zugewanderter Menschen.

Am Sozialraum orientierte Arbeit

An beiden Standorten sei es zwischenzeitlich gelungen, sowohl funktionierende Planungs- und Abstimmungsstrukturen mit allen relevanten Akteuren, als auch eine allseits akzeptierte „Nachbarschafts-Kultur“ zu etablieren, hoben Krause und Fleischer übereinstimmend hervor – eine Ansicht, die Filomena Merten, Mitglied der für Hohenhagen zuständigen Bezirksvertretung und selbst im Nachbarschaftsprogramm aktiv, uneingeschränkt bestätigte. Lob aus berufenem Munde erhielt „WohnQuartier4“ auch von Gabriele Micklinghoff vom Büro Stadtentwicklung der Essener Stadtverwaltung, die innerhalb der „Lokalen Runde“ die Rolle der „Gebietsbeauftragten“ übernommen hat.

Dr. Gaby Grimm, eine der Initiatorinnen von „WohnQuartier4“ und nunmehr Geschäftsführerin des Instituts für Stadtteilentwicklung, Sozialraumorientierte Arbeit und Beratung (ISSAB) der Universität Duisburg-Essen, lobte an dem Projekt die Bereitschaft, „auf neue, unkonventionelle Lösungen zuzugehen“ und dabei auch bereit zu sein, „Widerstand in den eigenen Reihen zu überwinden“, und wies gleichzeitig auf die Bedeutung der Stadtteilmoderation („intermediäre Ebene“)  als tragender Säule der notwendigen Vermittlungs- und Vernetzungsprozesse hin.

Die Nachhaltigkeit von WohnQuartier4

In der Diskussion nach den Vorträgen wurde immer wieder die Nachhaltigkeit des Projektes „WohnQuartier4“ thematisiert – vor allem, wenn die finanzielle Förderung von Stiftung und Land Nordrhein-Westfalen in anderthalb Jahren ausläuft. Das sei, so hieß es, auch eine Frage an die Projektpartner, sich schon jetzt deutlich zum Programm einer altersgerechten – nicht: altengerechten – Quartiersentwicklung zu bekennen. Hier seien vor allem die lokalen Träger – die jeweiligen Kirchengemeinden und diakonische Einrichtungen und Dienste – gefordert, nachhaltige und langfristige Angebote zu machen, die über die Projektlaufzeit hinausreichten und schon jetzt sehr gut angenommen würden. Angeregt wurde auch, die das Konzept tragenden Stadtteilmoderation bspw. im Verbund von lokalem Wohnungsbau, lokalem Träger und Kommune zu gewährleisten und/oder hierfür ein „Sozialraumbudget“ aufzustellen.

Die vier Faktoren

„WohnQuartier4“, das gemeinsame Konzept des Diakonischen Werkes Rheinland, des Essener Baukonzerns Hochtief Construction und des Evangelischen Erwachsenenbildungswerks Nordrhein, entstand in den Jahren 2005 / 2006 in einem interdisziplinären Prozess und ist im April 2008 in die Umsetzungsphase gestartet. Es wird von der Stiftung Wohlfahrtspflege Nordrhein-Westfalen für die Jahre 2008 bis 2011 finanziell gefördert; das MGFFI ist für die wissenschaftliche Begleitforschung und Evaluation des Modellprojektes zuständig.
Kernstücke von „WohnQuartier 4“ sind die zum einen die folgenden vier Faktoren und deren Zusammenwirken und Ineinandergreifen in einem Quartier: Wohnen und Wohnumfeld; Gesundheit, Service und Pflege; Partizipation und Kommunikation sowie Bildung, Kunst und Kultur, zum anderen das Organisationsmodell der altersgerechten Quartiersentwicklung.  Ziel dieses, so die Verantwortlichen, ist, „die Bedürfnisse aller in einem Quartier lebenden Generationen und Kulturen zu berücksichtigen, passgenaue Lösungen für ein möglichst lange selbstbestimmtes Leben im vertrauten Umfeld zu entwickeln und neue Akzente in der Gemeinwesen- und Altenarbeit zu setzen“. Mit „WohnQuartier4“ sollen vor dem Hintergrund des demografischen Wandels der soziale Sektor und der Baubereich stärker als bisher verzahnt werden.

Dr. Kurt A. Holz/Christiane Grabe

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