22. Juni 2009
Gemeinsam sind wir stark
Ehrenamtliche der Suchtselbsthilfe in NRW präsentieren Arbeit im Landtag

Ungewöhnlich für einen Samstag: der Plenarsaal und die Besuchertribüne des Landtags in Düsseldorf waren gefüllt bis auf den letzten Platz. Unter dem Titel „Gemeinsam sind wir stark“ trafen sich 900 Engagierte der Suchtselbsthilfe in Nordrhein-Westfalen. Regelmäßig kommen 30 000 Menschen in etwa 1 700 Suchtselbsthilfegruppen in NRW zusammen, um gemeinsam über ihre Probleme zu sprechen und einen ermutigenden Erfahrungsaustausch auf Augenhöhe untereinander und mit der Politik zu organisieren.
Investition in Prävention
„Investition in Prävention ist eine Investition in die Zukunft. Die finanziellen Rahmenbedingungen für die Suchtselbsthilfe müssen stimmen“, so Günther Barenhoff, Vorsitzender des Vorstandes der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe in seinem Grußwort. Die Suchtselbsthilfe sei gut organisiert und mit dem gemeinsamen Dach würden die vielfältigen Angebote gebündelt.
Wie breit die Palette der Suchtselbsthilfe in NRW ist, machte die Präsentation der verschiedenen Gruppen deutlich: Neben Gesprächskreisen gibt es Kreativgruppen, die sich Problemen mit Pinsel und Farben nähern, Sportgruppen oder Gruppen die gezielt Jugendliche mit ihren Problemen ansprechen.
„Zehn Prozent der Bundesbürger trinken 50 Prozent des Alkohols. Deutschland befindet sich beim Trinken von Alkohol im Spitzenfeld der Weltliga. Der Konsum ist eindeutig zu hoch“, so Ralph Seiler, Geschäftsbereichsleiter in der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe. Die Selbsthilfegruppen seien ein nicht wegzudenkender Bestandteil unseres Gesundheitssystems. In Krankenhäusern und Arztpraxen müsste das Personal auf Suchtselbsthilfegruppen hinweisen. Eine überwundene Sucht mache Entwicklungen möglich, an die die Betroffenen vorher oft selbst nicht mehr geglaubt hätten. Die Selbsthilfegruppe ermögliche, die eigene Geschichte zu erzählen, ohne gleich einen Rat zu bekommen. „Wir erleben immer wieder, wie gemeinsam Lösungen gefunden werden und sich neue Lebensperspektiven eröffnen mit neuen Freunden“, betonte Ralph Seiler.