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Archiv 2009

18. April 2009

Computerspieler im Seniorenheim

Die Diakonie Ruhr bietet Konsolenspiele für Senioren

Alois Lindemann holt mit dem hellgrauen Controller in der Hand aus, schwingt den rechten Arm nach vorn und beugt sich dabei in seinem Rollstuhl vor. Das Männchen auf der Leinwand lässt die Kugel los, sie kullert mit leichtem Linksdrall über die virtuelle Holzbahn. Vier Kegel fallen um. Im Wittener Feierabendhaus der Diakonie Ruhr gehen Senioren der gleichen Freizeitbeschäftigung nach wie ihre Enkel. Nintendos Spielkonsole gehört dort inzwischen zum regelmäßigen Betreuungsangebot. Mindestens zweimal pro Woche bitten Altentherapeutin Angelika Wagener-Heidl und Diakonisse Manuela Söhnchen zum Bowling an der Wii-Konsole.

Virtuelles Kegeln

Die Bewohner werfen mit Begeisterung in die virtuellen Vollen. „Es ist eine Generation, die gerne gekegelt hat“, erklärt Bettina Greese vom Sozialen Dienst des Feierabendhauses. Damit knüpft das Videospiel an Bekanntes an. Ruth Bodenhausen (85), Christa Varga (77), Alois Lindemann (80) – die heutigen „Silver Gamer“ erzählen, dass sie früher im Kegelverein waren. „Wer keinen Bauer getroffen hat, musste Spanferkel ausgeben“, sagt Lindemann. Bowling auf der Videoleinwand findet der frühere Busunternehmer sehr praktisch: „Man muss keine Kegel mehr aufstellen.“

Trainig für Kopf und Körper

Bei der Beschäftigung mit der Konsole geht es aber nicht nur um Spaß und Geselligkeit. „Durch die Spiele mit der Wii-Konsole können zusätzlich geistige und motorische Fähigkeiten unserer Bewohner trainiert werden“, erklärt Manuela Söhnchen. Weshalb die bewegungsgesteuerten Videospiele eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung für ältere Menschen seien. „Man merkt gar nicht, dass man etwas tut, aber ist in Bewegung.“ Und da die Senioren beim Bowling an der Konsole im Gegensatz zum echten Kegeln keine schwere Kugel heben müssen, können bei der virtuellen Variante auch Menschen mitmachen, deren Kraft und Beweglichkeit eingeschränkt ist. Außerdem wird die Koordination geschult: Die Knöpfe im richtigen Moment loszulassen, ist gar nicht so einfach. „Wir haben uns am Anfang auch dumm angestellt“, sagt Manuela Söhnchen und lacht.

Die Senioren haben den Dreh inzwischen raus. Ruth Bodenhausen räumt mit einem perfekten Wurf alle zehn Pins ab. Und Alois Lindemann hat seinen Linksdrall überwunden. „Super, der kommt guuut“, schallt es durch den Saal, als auf der Leinwand die Kugel wie am Strich gezogen auf die Kegel zurollt.

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