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Archiv 2009

8. Juni 2009

Nach dem Hirntod die Organspende?

Einsatz Evangelischer Krankenhäuser für Organspende

Foto: flickr.com

Die Bereitschaft Organe zu spenden ist im internationalen Vergleich in Deutschland eher gering. Pro eine Million Einwohner finden sich in Deutschland nur 16 Spender, in Frankreich hingegen sind es 25 und in Spanien sogar 34. Seit Jahren bemühen sich Politik, Ärzte- und Patientenverbände, Krankenkassen und Wohlfahrtsverbände darum, diese Quote zu erhöhen. Das geschieht zum Beispiel durch einen bundesweiten Aktionstag immer Anfang Juni oder durch Auszeichnungen für vorbildliche Arbeit in Krankenhäusern. Vor wenigen Tagen hat das Gesundheitsministerium von Nordrhein-Westfalen und die Deutsche Stiftung Organtransplantation neun Häuser ausgezeichnet für Erfolge und besondere Konzepte im Bereich der Organspende.

Auszeichnungen für Engagement

Prämiert wurden auch die beiden evangelischen Einrichtungen Jung-Stilling-Krankenhaus (JSK) in Siegen und das Evangelische und Johanniter Klinikum Niederrhein (EJK) in Duisburg. Für das Duisburger Haus ist es schon die zweite Auszeichnung. Hier lobte das Ministerium vor allem die exzellenten Abläufe im Akutfall, die regelmäßigen Fortbildungen und die klaren Leitlinien für Mitarbeitende. Im letzten Jahr meldete das EJK zwölf Organspenden.

Minister Laumann überreicht die Auszeichnung an Vertreterinnen und Vertreter des JSK. Foto: diakonie-sw.de

Seelsorge und Organspende

Die Klinik in Siegen zeichnet sich durch ein besonderes Konzept der Gesprächsführung mit Angehörigen von potentiellen Spendern aus. Die Krankenhausseelsorge ist immer involviert, wenn Ärzte Angehörigen mitteilen müssen, dass bei Patienten der Hirntod diagnostiziert wurde. „Es ist eine sehr emotional aufgewühlte Situation, wenn die Angehörigen diese traurige Nachricht bekommen und dann die sensible Frage nach der Einwilligung zur Organspende gestellt werden muss. Da ist es gut, wenn mit dem Mediziner auch ein Seelsorger das Gespräch führt", berichtet Günter Jochum, Krankenhauspfarrer am JSK. Viele Angehörige kommen in ein Dilemma, wenn sie den mutmaßlichen Willen des Patienten ergründen sollen, sie selbst als nächste Angehörige aber anderer Meinung sind. Hier versucht der Theologe auch seelsorglich zu helfen. „In der evangelischen wie in der katholischen Kirche gilt: Jeder hat das Recht zu spenden. Jeder hat aber auch das Recht vollständig bestattet zu werden."

 

Jochum wird rund 16mal im Jahr zu solchen Gesprächen gerufen. „Wir dachten anfangs, es wären mehr Einsätze und hatten ein Bereitschaftsteam aus Seelsorgern und Psychologen zusammengestellt. Jetzt liegt die Aufgabe allein bei mir." Nicht nur für die Angehörigen, auch für die Ärzte ist es eine Entlastung, dass ein Seelsorger beim Gespräch dabei ist. Dieses Konzept für Angehörigengespräche ist nur ein Teil des umfassenden Engagements des JSK für Organspenden.

 

Das öffentliche Werben für Organspenden scheint sich auszuzahlen. Seit 2000 sind die Spenderzahlen in Deutschland deutlich gewachsen. Dass damit aber nicht nachgelassen werden darf, zeigt die Statistik aus dem letzten Jahr. 1200 Menschen haben nach ihrem Tod knapp 4000 Organe gespendet, aber 12.000 Patienten warten immer noch auf ein Spenderorgan.

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