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Archiv 2009

30. April 2009

"Kinderarmut muss skandalisiert werden"

Auftaktveranstaltung zum Aktionsprogramm gegen Kinderarmut

Nikolaus Schneider, Uwe Becker, Uta Meier-Gräwe, Heinz Hilgers auf dem Podium

Präses Nikolaus Schneider, Dr. Uwe Becker, Prof. Dr. Uta Meier-Gräwe und Heinz Hilgers in der Diskussion
Foto: Michael Janowicz

Die Evangelische Kirche im Rheinland hat, gemeinsam mit der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, der Evangelischen Aktionsgemeinschaft für Familienfragen und weiteren Partnern, ein Aktionsprogramm gegen Kinderarmut auf Landesebene gestartet. Bei der Auftaktveranstaltung am 30. April, die von Präses Nikolaus Schneider eröffnet wurde, haben sich u.a. Sozialminister Karl-Josef Laumann, Pfarrer Dr. Uwe Becker, Vorstand der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, die Armutsforscherin Prof. Dr. Uta Meier-Gräwe und der Präsident des Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, zum Thema Kinderarmut geäußert.

Forderungen nach besseren Bildungschancen, zugehenden sozialen Angeboten und der umfassenden Förderung der gesellschaftlichen Teilhabe von Kindern aus allen Schichten bildeten einen roten Faden durch die Stellungnahmen. "Die Teilhabe von Kindern muss neu buchstabiert werden", so Präses Schneider in seiner Eröffnungsrede.

Zunehmende Kinderarmut

"Kinderarmut muss mehr skandalisiert werden", erläutert Pfarrer Dr. Uwe Becker die Bedeutung der Veranstaltung. Hintergrund ist eine zunehmende Kinderarmut in Deutschland. Besonders häufig betroffen sind Kinder von Alleinerziehenden, in großen Familien und in Familien mit Zuwanderungsgeschichte. Hier hatte die Konjunktur der letzten Jahre die Zahlen nicht verbessert - die Armut von Kindern ist selbst da noch angewachsen, so Uwe Becker.

Theaterprobe mit Jugendlichen

Jugendtheater auf der Veranstaltung

Foto: Michael Janowicz

Initiativen vor Ort

"Wir greifen jetzt endlich auf Landesebene das auf, was vor Ort bereits in vielen Kirchengemeinden und Diakonischen Werken praktiziert wird: auf die Ausgrenzung armer Kinder hinzuweisen und sich nach Kräften dagegen zu wehren", sagt Nikolaus Immer, für die Diakonie im Vorbereitungskreis der Aktion. Dabei sei es Überzeugung der rheinische Kirche, der Diakonie und auch der EAF, dass es neben den Forderungen zu einem angemessenen Regelsatz im Hartz IV-Bezug auch darum gehen muss, vor Ort über Sozial- und Familienpässe, über entsprechende Hilfen für junge Familien und über andere Hilfsmassnahmen die Ausgrenzung von armen Kindern zu bekämpfen. Kirchengemeinden und diakonischen Einrichtungen könnten dazu ein dichtes Netz vor Ort anbieten. Auf der Auftaktveranstaltung wurden Beispiele präsentiert, wie Diakonie und Kirchengemeinden betroffene Kinder und Familien unterstützen.

Zugehende Angebote

Reagiert wird dabei auch auf die Notwendigkeit, mehr niedrigschwellige und zugehende Angebote für betroffene Kinder und Familien zu initiieren: "Es gibt zu viele soziale Institutionen, zu denen die Menschen hingehen müssen, und zu wenige, die zu den Betroffenen kommen. Wir müssen die soziale Infrastruktur verändern, damit wir betroffene Familien besser erreichen", so Minister Laumann auf der Veranstaltung.

Internetportal zu Projektbeispielen

Für die Darstellung von Projektbeispielen baut die Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe im Rahmen des Aktionsprogramms auch ein Internetportal auf. Das Portal soll Möglichkeiten aufzeigen, wie Gemeinden, Kirchenkreise und diakonische Einrichtungen die Situation von armen Kindern vor Ort verbessern können.  Ein interner Arbeitsbereich bietet Haupt- und Ehrenamtlichen aus Diakonie und Kirchengemeinden die Möglichkeit, sich untereinander zu vernetzen und sich über Konzepte, Finanzierungsmodelle und Praxiserfahrungen auszutauschen.

Material zum Herunterladen

Kinderarmut in einem reichen Land - Von der Analyse zum vernetzten Handeln vor Ort
Impulsreferat von Professorin Dr. Uta Meier-Gräwe, Uni Gießen
Impulsreferat.pdf

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