25. März 2009
Von einander lernen
Europaprojekt entwickelt Standards für Werkstätten
Wie erleichtert man den Übergang von der Beschäftigung in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt. Das ist die zentrale Frage der europäischen Lernpartnerschaft ability@work. Unter der Federführung der Diakonie RWL kooperieren Einrichtungen aus drei Ländern miteinander.
Die Integration von Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt wird in den europäischen Ländern sehr unterschiedlich betrieben. Diese Erfahrung machen die Teilnehmer der Lernpartnerschaft ability@work, ein von der EU mit rund 17.000 Euro gefördertes Projekt. Neben der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe als Initiatorin des Projektes und koordinierende Stelle beteiligen sich außerdem Bethel – Stiftungsbereich proWerk, die Diakonie Kärnten (Klagenfurt/Österreich), die swb Group (Hengelo/Niederlande) und der Verein autArK (Klagenfurt/Österreich) beteiligt.
So unterschiedlich die Ausgangsvoraussetzungen in den einzelnen Ländern sind – ein Werkstattsystem wie in Deutschland gibt es in Österreich und den Niederlanden nicht – haben doch alle das gemeinsame Ziel, Qualitätsstandards für die berufsfeldübergreifende und betriebsnahe Qualifizierung von Menschen mit Behinderung zu entwickeln. Diese Qualitätsstandards sollen anschließend der Formulierung und Umsetzung von einrichtungsbezogenen Prozessabläufen zur Qualifizierung in den so genannten Schlüsselqualifikationen (z.B. Kommunikation, Konfliktbewältigung) dienen. Insbesondere für die Umsetzung von Übergängen der Beschäftigten aus den Werkstätten auf den allgemeinen Arbeitsmarkt bedarf es besonderer Programme, wie zum Beispiel spezielle Schulungen.
Die Fachleute aus den an der Lernpartnerschaft beteiligten Einrichtungen trafen sich zu einem zweitägigen Workshop bei der Diakonie Kärnten. Während des Workshops tauschten sich die Teilnehmenden über die in den einzelnen Ländern verwendeten Diagnoseinstrumente im Bereich der beruflichen Bildung für Menschen mit Behinderung aus. Da es in Österreich und den Niederlanden kein vergleichbares Werkstattsystem wie in Deutschland gibt, sind dort die Erfahrungen um eine Integration von Menschen mit Behinderung in den allgemeinen Arbeitsmarkt besonders groß. Von dieser Ausrichtung auf den ersten Arbeitsmarkt können die Einrichtungen in Deutschland etwas lernen. „Von den unterschiedlich ausgerichteten Systemen lernen wir, ohne diese direkt etwas übertragen zu wollen. Es gibt auch eine Reihe von ähnlichen Erfahrungen, die es uns ermöglichen gemeinsame Standards zu entwickeln“, so Michael Dreiucker von der Diakonie RWL.
Zentrale Themen waren darüber hinaus auch die Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) und die in Deutschland kürzlich verabschiedete UN-Behindertenrechtskonvention. Die Lernpartnerschaft wird nach der Tagung in Kärnten weiter fortgesetzt. Geplant sind weitere Workshops in denen konkrete Standards für Einrichtungen erarbeitet werden und Konzepte entwickelt werden, wie die Beschäftigten in ihrer persönlichen Zukunftsplanung unterstützt und bestärkt werden können.