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Archiv 2009

17. Oktober 2009

Kein Bock auf Schule

Projekt der Diakonie Leverkusen für Schulverweigerer

Foto: dreamstime.com

„Time Out“ sei die letzte Chance für neun Jugendliche, die aus den unterschiedlichsten Gründen nicht mehr ausreichend an der Schule angelangt sind, ihren Schulabschluss doch noch zu erreichen, sagt Daniela Wittwer, Projektbetreuerin und Mitarbeiterin der Ambulanten Erziehungshilfen der Diakonie in Leverkusen. Die Zahl der Jugendlichen, die kaum noch oder gar nicht am Schulunterricht teilnehmen, steigt immer weiter. „Die Stadt Leverkusen hat Befragungen an ortsansässigen Schulen durchgeführt und dabei wurde deutlich, dass viele Jugendliche immer schulmüder werden, bis dahin, dass sie der Schule völlig fernbleiben. Die Schulen berichteten, dass die Lehrer mehr und mehr damit befasst sind Klassenkonferenzen einzuberufen, Berichte zu schreiben und Ordnungsstrafen verhängen zu lassen“, so die Erziehungsexpertin weiter.

 

Schrei nach Hilfe

Die Gründe dafür sind verschieden: Sei es die häusliche Situation, sei es eine Überforderung in der Schule, sei es Mobbing in der Klasse – Schulverweigerung steht meist am Ende eines langen Weges und ist oft ein stiller Schrei nach Hilfe. Die Jugendhilfe stellt fest, dass auch sie überfordert ist: Vereinbarte Ziele werden gebrochen, häufig bleibt nur die so genannte „Fremdunterbringung“ außerhalb der Ursprungsfamilie. In dem Modellprojekt „Time Out“ holt die Diakonie in Leverkusen – zusammen mit vielen Partnern – jugendliche Schulverweigerer zurück in die Schule: „Wir wollen hier zusammen mit den Familien, mit der Schule und der städtischen Jugendhilfe, die Jugendlichen motivieren und unterstützen, ihr Leben neu in die Hand zu nehmen. Denn ohne Schulabschluss und Bildung hätten sie überhaupt keine Chance, vom Berufseinstieg ganz zu schweigen“, berichtet der Leiter der Diakonie, Hans Höroldt.

 

Den halben Unterricht verpasst

Das Pilotprojekt des Diakonischen Werkes und der Stadt läuft bereits seit Mai. Neun Schülerinnen und Schüler der Theodor-Wuppermann-Schule, fünf Jungen im Alter von 14 bis 17 Jahren und vier von ursprünglich fünf Mädchen im Alter von 14 bis 16 Jahren, sind dabei. Diese Jugendlichen fielen vorher als Schulverweigerer auf: „Einige wurden gemobbt und haben sich in der Schule nicht mehr sicher und wohl gefühlt, andere haben erhebliche Probleme mit den Lehrern, was für sie zur Verweigerung geführt hat und wieder andere haben nach ihren Aussagen einfach keine Lust auf Schule“, erklärt Daniela Wittwer. Stundenweise oder ganz schwänzten sie den Unterricht: Einige haben weniger als die Hälfte am Schuljahr teilgenommen.

 

Der Ansatz des Projektes, das über ein Jahr läuft: „Wir versuchen, die Jugendlichen zu motivieren wieder zur Schule zu gehen. Dazu gehört, dass wir uns mit den Geschichten der Jugendlichen und deren Familien auseinandersetzen.“ Die Projektbetreuerinnen der Diakonie, eine langjährig aktive Sozialpädagogin aus der Sozialpädagogischen Familienhilfe und ein Sozialpädagoge aus der offenen Kinder- und Jugendarbeit, arbeiten nicht nur mit den Jugendlichen, sondern auch mit den Eltern und der Schule zusammen. Sie kooperieren mit der öffentlichen Jugend-hilfe, mit dem Jugendhaus Lindenhof und weiteren Institutionen, wie z. B. dem Schulpsychologischen Dienst.

 

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