16. Dezember 2009
Bekämpfung der Armut bleibt Thema
Diakonie übernimmt Federführung der Freien Wohlfahrtspflege Saar

In seinem Ausblick nannte der saarländische Diakonie-Pfarrer Udo Blank Schwerpunkte für die Arbeit der LIGA in den nächsten zwei Jahren: den demografischen Wandel, Armut und Arbeitslosigkeit, Bildung für Benachteiligte sowie Integration. Ferner lenkte der Vertreter der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe den Blick auf den Fachkräftemangel in nahezu allen Handlungsfeldern der sozialen Arbeit: der Pflege, der Erziehung wie auch der Sozialarbeit. Seine Forderung an die Politik lautete: „Die Ausbildungskapazitäten, ob in Fachschulen oder Fachhochschulen müssen massiv ausgeweitet werden. Wir brauchen die Leute“, sagte Blank. Dabei gehe es um zukunftssichere Berufe. Dies zeigten alle Prognosen. Es sei für die Träger überhaupt nicht nachvollziehbar, dass bei einer großen Nachfrage von Bewerbern für soziale Berufe der größere Teil mit Blick auf die fehlenden Kapazitäten abgewiesen werde.
Krise als Herausforderung des Sozialstaates
Im Mittelpunkt der Feier stand ein Fachreferat von Dr. Uwe Becker vom Vorstand der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe zum Thema „Die Krise als Herausforderung des Sozialstaates“. Hauptursache der sozialen Verwerfungen in unserer Gesellschaft seien der Mangel und die zum Teil desolaten Bedingungen unter denen Erwerbsarbeit stattfinde. Becker kritisierte ein gesellschaftliches Klima, das nicht zuletzt von namhaften Politikern geschürt werde, in dem von Armut und Arbeitslosigkeit Betroffene diskreditiert würden. „Wenn Sozialpolitik meint, die Strukturproblematik des Arbeitsmarktes uminterpretieren zu können zur Verhaltensproblematik der von Arbeitslosigkeit Betroffenen, dann wird sie zum Inbegriff staatlich gelenkter Sanktions-Pädagogik, die Sozialstaatlichkeit verwechselt mit aktivierendem Verhaltenstraining und insofern tatsächlich mit Begrenzung von Freiheit“, sagte der Theologe.
Chancen zu mehr sozialer Teilhabe
Wenn Arbeitsmarktintegration nicht ausreichend gelinge, dann müssten wenigstens die Chancen zu mehr sozialer Teilhabe eröffnet werden, so Becker. Er forderte deshalb höhere, dem Lebensstandardprinzip verpflichtende finanzielle Leistungen des Staates und ein breites Angebot von gemeinwohlorientierten sinnstiftenden Tätigkeiten, die auch Zuverdienstmöglichkeiten eröffneten. Oberstes Ziel müsse aber „Arbeit und vor allen Dingen gute Arbeit für alle bleiben“, so der Diakonie-Vorstand.
Sozialwirtschaft als Wirtschaftsfaktor
Wolfgang Krause, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Landesverband Rheinland-Pfalz/ Saarland e.V., zog in seinem Rückblick ein positives Fazit der letzten zwei Jahre. Schwerpunkt sei das Thema „Armut und Armutsbekämpfung“ gewesen. Da dies auch eine gewaltige Herausforderung für die Zukunft sei, habe man eine gute Grundlage für die weitere Arbeit der LIGA geschaffen. Ferner forderte Krause die Politik auf, die Sozialwirtschaft nicht nur als Kosten- sondern auch als bedeutenden Wirtschaftsfaktor wahrzunehmen. „2008 haben im Saarland 651 Unternehmen unter dem Dach der LIGA-Verbände weit über 21.000 Personen mit einer Lohnsumme von insgesamt über 576 Millionen Euro beschäftigt“, sagte der Landesgeschäftsführer. Damit sei die Sozialwirtschaft eine der bedeutendsten Branchen und Arbeitgeber im Saarland.